Lade Inhalte...

„Planet der Affen – Prevolution“ Hoch die Internationale der Primaten!

Rupert Wyatts „Planet der Affen – Prevolution“ zeigt eine Revolution von unten: mitten in Kalifornien. Der Film bringt eine politische Perspektive in das Science-Fiction-Märchen, die man nicht erwartet hätte.

09.08.2011 16:33
Peter Uehling
Revolution: Die Affen setzen sich durch. Szene aus "Planet der Affen - Prevolution". Foto: Verleih

Rupert Wyatts „Planet der Affen – Prevolution“ zeigt eine Revolution von unten: mitten in Kalifornien. Der Film bringt eine politische Perspektive in das Science-Fiction-Märchen, die man nicht erwartet hätte.

Auf dem „Planeten der Affen“ sind die Menschen in den Status stummer Sklaven zurückgefallen, während die Affen sprechen und die Macht übernommen haben. Charlton Heston, der als Astronaut diesen Planeten besucht hat, musste am Ende feststellen, dass er sich in der Zeit verirrt hatte und auf einer zukünftigen, verwüsteten Erde gelandet war. 1968, als der Film in die Kinos kam, gab es dafür nur eine Erklärung: die Atombombe als fatale Verschränkung von politischer und wissenschaftlicher Verantwortungslosigkeit.

Heute sehen wir unseren Untergang klarer. Von der Politik scheinen gegenwärtig weniger zerstörerische Kräfte auszugehen als von der Wirtschaft und ihrer Gier. In „Planet der Affen – Prevolution“ forscht ein Wissenschaftler, Will Rodman, an einem Mittel gegen Alzheimer, das bei Versuchen an Schimpansen enorme Intelligenzsprünge hervorbringt. Die Entwicklung dieses profitträchtigen Medikaments wird vom Vorsitzenden der Firma GenSys bedenkenlos forciert. Das Zeug macht die Affen in einer Weise selbstständig, die nicht mehr beherrschbar ist.

Gebrochene Illusionen

Der neue „Planet der Affen“-Film passt inhaltlich somit nicht bruchlos in die rund 40 Jahre alte Reihe. Er übernimmt aber doch eine ganze Menge an wichtigen Motiven, die ihn mit dieser bemerkenswerten Filmreihe verbinden. Entstanden ist ein würdiges Prequel, auch wenn philosophische Gedanken und Schauwerte heute anders verbunden sind als damals. Die Oscar-prämierten Affen-Masken der ersten Teile sind gewiss noch immer erstaunlich in ihrer Ausdruckskraft. Ihre Puppenhaftigkeit war gleichwohl nie zu leugnen – nicht zum Schaden der Filme: Die Gebrochenheit der Illusion ist der stärkste artifizielle Reiz der Serie und eröffnete satirische und theatralische Möglichkeiten eigener Art.

„Prevolution“ bedient sich der modernen, in „Avatar“ zum Exzess geführten Performance Capture-Technik, mit deren Hilfe das Spiel von Menschen auf digitalisierte Wesen übertragen wird. Frappierend bruchlos verschmelzen die digitalen Affen mit ihrer analogen Umgebung. Wie schon so oft ist es auch hier der wunderbare Andy Serkis, der nach King Kong und dem Gollum im „Herrn der Ringe“ als Schimpanse Caesar brilliert.

Der Eindruck ist erwartungsgemäß naturalistischer als in den früheren Filmen – bei zugleich großer Faszination durch die technische Vollendung. Aber die Wirkung einer durchgreifenden Humanisierung des Tieres ist nicht minder berührend.

Caesar ist der letzte Überlebende einer Versuchstierkohorte, und der Forscher Rodman (James Franco) nimmt ihn zu sich nach Hause. Dort zieht er ihn auf, während er zugleich seinen Alzheimer-kranken Vater (John Lithgow) pflegt.

„Planet der Affen – Prevolution“ ist zunächst ein Familienfilm der besonderen Art. Caesars Entwicklung wird mit einer Empathie und Hingabe dargestellt, wie sie Menschenkindern selten gewidmet wird. Das aberwitzige Geschick, mit dem er sich durch das Haus schaukelt, seine Fähigkeiten im Schachspiel und in der Zeichensprache, zeigt der Film ohne jede Tierfilm-Niedlichkeit als Jugend eines Hochbegabten. Zusätzlich zu dieser Begabung ist der Schimpanse jedoch mit dem melancholisches Bewusstsein geschlagen, dass er anders ist als die, mit denen er lebt. Anders, aber nicht schlechter. Die Menschen merken das nicht und behandeln ihn weiter wie ein Tier. Das nährt seine Aufsässigkeit. Als Caesar eines Tages auf den Nachbarn losgeht, landet er in einer Verwahrstelle für Primaten.

Allein kommt er hier nicht heraus. Caesar ist intelligent, aber nicht stark. Der Aufstand ist eine Sache der Organisation – der Regisseur Rupert Wyatt hat so etwas schon einmal in seinem Debüt „The Escapist“ gezeigt.

In „Prevolution“ atmet die Mobilisierung der unterdrückten Artgenossen bis hin zu einer grandios inszenierten Schlacht mit der Polizei auf der Golden Gate Bridge ein revolutionäres Pathos, einen gerechten Zorn, der unwiderstehlich mitreißt.

Dem im Kino zu Tode gefeierten, uramerikanischen Superhelden-Individualismus setzt „Prevolution“ die Kraft der unterdrückten Massen entgegen. So entwirft dieses großartige Science-Fiction-Märchen eine politische Perspektive – man hätte sie in einem solchen Film nie und nimmer erwartet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen