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Papst Twitter Botschaft auf 140 Zeichen

Wenn der Papst twittert, wird die Welt richtig klein. Und die Kürze birgt doch auch ein Risiko.

Ein Selfie mit dem Papst: Auch das ist Gläubigen (und womöglich auch Ungläubigen) inzwischen möglich. Foto: REUTERS

Die Welt erklären in 140 Buchstaben, das ist ein ambitioniertes Unterfangen. Als erster Papst hat Benedikt XVI. das Twittern auf Katholisch begonnen, und auch Franziskus findet Gefallen daran, zumal der Aphorismus geradezu das rhetorische Markenzeichen des Argentiniers zu sein scheint. Aber lässt sich über Gott und die Welt wirklich alles in maximal 140 Zeichen sagen?

„Wenn man sich nicht sein Brot verdienen kann, verliert man die Würde. Dies ist ein Drama heute, vor allem für die jungen Menschen.“ Dieser Tweet von „Pontifex_de“ am 7. Mai alarmierte den Religionsexperten der Grünen, Volker Beck. Seine Sorge: Der Papst erledige hier auf kurzem Weg die absolute Geltung der Menschenwürde. „Nur die Umstände können entwürdigend sein“, twitterte Beck zurück und belehrte Seine Heiligkeit, diese Tatsache gehöre zum kleinen Einmaleins des Naturrechts. Also: „Präzision bitte!“

Das Tweet ist ein Selbst-Zitat

Die Mahnung des Laien an das Lehramt wird den Adressaten mutmaßlich nicht erreichen. Dass der Papst persönlich auf dem Smartphone herumspielt und die nach Tausenden zählenden Retweets verfolgt, ist jedenfalls schwer vorstellbar. Tatsächlich aber wirft das von Beck aufgeworfene Problem ein Licht auf die Produktionsweise der vatikanischen Kommunikationsmaschinerie: Der Würde-Tweet ist nämlich eine Art wörtliches Selbst-Zitat. Bereits am 21. März hatte der Papst es bei seinem Besuch des neapolitanischen Viertels Scampia, eines sozialen Brennpunkts, verwendet und im Rahmen einer Predigt die gesellschaftliche Not von 40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit als ein „negatives Zeichen unserer Zeit“ angeprangert. „Dieses Fehlen von Arbeit raubt uns die Würde.“

In diesem Kontext, betont der Philosoph Klaus Müller, halte er das Franziskus-Wort vom Verlust der Würde für unbedenklich. Kein Angriff auf die Menschenwürde, kein Abschied von Prinzipien einer spätestens seit Immanuel Kant philosophischen Bastion. Die Ebene einer Grundsatzdebatte über den metaphysischen Rang der Menschenwürde „unterfliegt der Papst ganz souverän“, ergänzt Müllers Kollege Elmar Salmann, jahrzehntelang Professor in Rom. Genau wie den Anspruch an eine Letztverbindlichkeit päpstlicher Worte. Keine Dogmatik ex cathedra, sondern Alltagsweisheit querfeldein – darin liege der Charme, aber zugleich das Risiko der päpstlichen Rede, auch im Kondensat auf 140 Zeichen.

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