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Ökumene „Jede Kirche muss heute um ihre eigene Einheit ringen“

Ein Gespräch mit dem Ökumene-Chef des Papstes, Kardinal Kurt Koch, über das 500. Reformationsjubiläum sowie die Chancen und Schwierigkeiten auf dem Weg zur Einheit zwischen Katholiken und Protestanten.

Kardinal Kurt Koch
Kardinal Kurt Koch sieht Luthers Anliegen bereits auf dem letzten Konzil der katholischen Kirche verwirklicht. Foto: Christoph Boeckheler

Mit diesen Anstößen macht sich der Papst innerhalb seiner eigenen Kirche nicht nur Freunde. Die Kritik im Nachgang von „Amoris Laetitia“ zeigt das ganz deutlich. Wie glaubwürdig ist denn eine Kirche als ökumenischer Dialogpartner, wenn sie um die eigene Einheit ringt?
Im ökumenischen Dialog mit den anderen Kirchen sehe ich die Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche heute nicht in Gefahr. Im Gegenteil besteht heute großes Interesse, mit uns im Dialog zu sein; und dies ist sehr erfreulich. Jede Kirche muss heute in ihrem Inneren um ihre eigene Einheit ringen. Dies betrifft nicht nur die Katholische Kirche, sondern genauso auch die anderen Kirchen. Die Spannungen sehen nur anders aus, weil sie über kein Einheitsamt wie das Papsttum verfügen. Das innerkirchliche Ringen um Einheit ist freilich für den ökumenischen Dialog entscheidend wichtig. Denn nur eine Kirche, die in ihrem eigenen Lebensraum dialogfähig ist und die anstehenden Fragen in einer guten Art und Weise behandelt, erweist sich auch als fairer Partner im ökumenischen Dialog.

Ein innerkatholisch sicher weniger umstrittener Akt, der auch ökumenisch Maßstäbe setzen würde, wäre die Rücknahme der Exkommunikation Martin Luthers, wie auch bei Galilei Galileo.
Der Papst kann die Exkommunikation Luthers deshalb nicht zurücknehmen, weil sie gar nicht mehr besteht. Sie gilt nur zu Lebzeiten eines Menschen und endet mit seinem Tod. Bei Galilei ging es um die Rehabilitation seiner Person. Über Luther gibt es ähnlich positive Aussagen von den Päpsten, vor allem von Papst Benedikt XVI. während seines Besuchs in Erfurt, wo Luther Theologie studiert hat. Es gibt allerdings auch auf evangelischer Seite in den Bekenntnisschriften harte Verurteilungen von katholischen Glaubensaussagen. Diese müssen auch ins ökumenische Gespräch einbezogen werden, wie dies in der großartigen Studie „Lehrverurteilungen – kirchentrennend“ geschehen ist. Sie hat gezeigt, dass die Lehrverurteilungen der Reformationszeit den heutigen ökumenischen Partner nicht mehr treffen. Diese Ergebnisse müssten freilich auf beiden Seiten noch mehr rezipiert werden, um daraus verbindliche Konsequenzen zu ziehen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Martin Luther

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