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Nobelpreis für Wirtschaft Das Prinzip des Anstoßes

Nobelpreisträger Richard Thaler weiß, dass Menschen selten tun, was sie sollen. Für sie bedarf es ein Prinzip des Anstoßes.

Richard Thaler
Richard Thaler hat den Nobelpreis für die wunderbare Erkenntnis bekommen, dass die Menschen oft gerade nicht tun, was sie eigentlich tun sollten. Foto: afp

Medien, insbesondere Zeitungen und Zeitschriften jenseits des öffentlich-rechtlichen Finanzierungsmodells, halten sich meist streng an die Regeln, die ihnen der Markt vorgibt. Nachrichten und Berichte sollen nicht nur schön, wahr und gut sein, sie müssen sich auch verkaufen. Na klar, es kommt auf das Umfeld an. Das unschöne Wahre bedarf bisweilen unbedingt des Schönen und Guten an seiner Seite, das für sich genommen oft leider weniger stark nachgefragt ist.

Manchmal greifen die Redaktionen, wie nun die der Online-Ausgabe des „Manager Magazins“, auf das Prinzip der Wiederverwertung zurück. Dort erschien am Mittwoch ein gut neun Jahre altes Interview mit Richard Thaler, dem diesjährigen Nobelpreisträger für Wirtschaft. Thaler hatte Barack Obama vor dessen erster Wahl zum US-Präsidenten beraten, und im Interview mit dem Magazin im August 2008 ausführlich erklärt, warum er sich für Obama engagiere. „Es wäre schön, wenn endlich mal jemand ins Amt käme, der klug ist“, führte Thaler aus. „Obama ist ein wirklich intelligenter Mann. Und dabei ist er offen für neue Ideen: Er ruft uns, seine Berater, an, gerade wenn er weiß, dass wir anderer Meinung sind. Er will sie aber hören. Darin zeigt sich eine intellektuelle Souveränität, die unser Land gut gebrauchen kann. Er hat das Potenzial, die Krise unserer Gesellschaft zu lösen, indem er ihr einen Anstoß – einen ,Nudge‘ – gibt.“

Donald Trump und sein Umgang mit anderen Meinungen

Tempi passati. Von Donald Trump kann man sich wirklich nicht vorstellen, dass er jemanden anruft, um von ihm eine andere Meinung zu hören als die eigene. Mit dem Prinzip des Nudgings hat Thaler schließlich Karriere gemacht – allerdings weniger als Berater, sondern vielmehr als Wissenschaftler. Es bezeichnet das Vorgehen des sanften Anstoßens. Manchmal bedarf es nur eines kleinen Fingerzeigs, der die Menschen dazu bewegt, das Richtige zu tun. Das Musterbeispiel für gelungenes Nudging ist die Schiphol-Fliege. Die heißt so, weil das possierliche Ding im Keramikurinal, das Männer in öffentlichen Toiletten dazu bewegen soll, in die Mitte zu zielen, zuerst in den Klos des Amsterdamer Flughafens Schiphol installiert worden war.

Richard Thaler hat die Fliege für das Pinkelbecken nicht erfunden, aber das Prinzip des Anstoßens spielt eine große Rolle in seiner wissenschaftlichen Arbeit, die er, damit man sie in seinem Fach hinreichend Abnehmer findet, mit allerlei Formelkram umgarnt hat.

Thaler hat den Nobelpreis am Ende für die wunderbare Erkenntnis bekommen, dass die Menschen oft gerade nicht tun, was sie eigentlich tun sollten. Früher gab es dafür das hässliche Wort Willensschwäche. Heute haben wir Nudging. Das wird man ja wohl noch einmal wiederholen dürfen.

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