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New York Wir leben unser Leben

Ambivalenz und Erinnerung prägen den Schutz öffentlicher Räume vor Terroraktionen in Manhattan.

New York
Der Terror trotzen: Lichtbild am New Yorker Times Square. Foto: Reinhart Wustlich

Zwölf Namen und ein goldener Riss, der die Treppenstufen der Berliner Gedächtniskirche durchzieht, erinnern als diskretes Mahnmal an den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt vom 19. Dezember 2016. Es mahnt, die Terroropfer nicht auf der anderen Seite stehen zu lassen, während alle ihr Leben weiterleben. Es erinnert daran, dass die Kette der Anschläge sich weiter verlängert hat.

Man denkt zurück an New York, an Barcelona und London. Sätze kommen in Erinnerung wie diese vom Abend des 31. Oktober 2017 in Manhattan: „Ihr werdet weder gewinnen noch unser Leben beeinflussen“, Gouverneur Andrew Cuomo demonstrierte den Widerstand auf der Halloween-Parade im West Village, Arm in Arm mit Bill de Blasio, New Yorks Bürgermeister: „Wir leben unser Leben. Wir erlauben den Terroristen nicht zu gewinnen. Punkt.“ Sätze der ersten Stunden.

Vereint gegen Extremismus

Vier Wochen zuvor konnte man hinter der Tribüne am Times Square die ins Riesenhafte vergrößerte Botschaft eines signalroten Banners lesen, das wie ein Mundschutz vor eine Hoodie-Silhouette gespannt war – die Kapuze über Stirn und Wangen gerafft, Schwärze da, wo das Gesicht sein sollte, schwarz der Hintergrund: „Terror is the world’s greatest Evil“ - Terror ist das größte Böse in der Welt. Die nächste Botschaft, die über das Billboard flammte, hoch über der Ecke West 47th Street/7th Avenue: „America will never have to face it alone“ - Amerika wird niemals allein damit fertig werden müssen, war unterlegt mit dem Bild von vier hochgereckten, wie zur Umarmung verschränkten Händen. Mystisches Zeichen beschworener Solidarität in Schwarz und Weiß.

Die Bilderfolge, optisch und typographisch aufwendig gestaltet, bot beste Performance im Stakkato der Werbung am Times Square. Waren die Budgets für all die Billboards gekürzt, da die Menge auf den Platzflächen ohnehin nur mit sich beschäftigt war? Die Menge der Einzelnen, die, durch ihre Smartphones erhöht, sich allein zu bespiegeln schien. Das folgende Banner „United by cause“, vereint durch die Sache, eine Choreografie der Hände, bei der zwei einen Kreis bildeten und die Zeigefinger der anderen darin das Peace-Zeichen formten.

Urheber der Aktion war eine „Partnership for Peace“ (partnershipforpeace.org), mit der nicht die 1994 begründete Nato-Initiative gemeint war, sondern eine unter dem Motto „United against Extremism“, vereint gegen Extremismus, firmierende Allianz, die – seltsam genug – die Flaggen der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE), Ägyptens, des Königreichs Saudi Arabien (KSA), Bahrains und auch der USA nebeneinander aufbot. Eine Allianz ohne Impressum, eine Allianz, so widersprüchlich wie Trumps Statement gegen den islamistischen Extremismus aus Anlass des Saudi Arabien-Trips in Riad.

Wir leben unser Leben. Auf der Platzebene selbst war zur Jahresmitte 2017 die Neugestaltung des Times Square von Snøhetta abgeschlossen worden, den Architekten der weißen Oslo-Oper. Dem fließenden Verkehr auf dem Broadway hatten sie weite Flächen für Fußgänger abgerungen, mit hohen, durchgehenden Fahrbahntrennern aus Granit zum Schutz gegen den Verkehr auf der 7th Avenue behauptet. Und mit mächtig langen Granitbarren so flankiert, dass man nicht nur auf diesen sitzen mochte, sondern die unterschwellige Funktion als Barrieren spürte: massive Barrieren, um einer Vielfalt von Passanten dahinter Schutz zu bieten.

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