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Neue Intendanten an sieben Häusern

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Thalia-Theater-Intendant Joachim Lux (l) hat sich Luk Perceval als Oberspielleiter nach Hamburg geholt.
Thalia-Theater-Intendant Joachim Lux (l) hat sich Luk Perceval als Oberspielleiter nach Hamburg geholt. © Foto: dpa

Frauenpower in Zürich, Gewagtes in Hannover, alte Hasen in Berlin und Dresden: An sieben wichtigen Sprechbühnen im deutschsprachigen Raum starten in diesen Tagen mit Saisonbeginn neue Chefs.

Hamburg. Frauenpower in Zürich, Gewagtes in Hannover, alte Hasen in Berlin und Dresden: An sieben wichtigen Sprechbühnen im deutschsprachigen Raum starten in diesen Tagen mit Saisonbeginn neue Chefs.

Auf den Intendantenplätzen in Hamburg, Berlin, Hannover, Dresden, Frankfurt, Zürich und Wien haben gestandene Theatermanager mit Sinn für "Kunst und Kohle" Platz genommen und weniger bekannte Newcomer mit Mut zu experimentellen Spielplänen. Mit neuen Leitungsteams und Ensembles wollen sie die Kulturszene ihrer Städte aufmischen.

Das Programm wird bei schrumpfenden Budgets und teils sinkenden Zuschauerzahlen bestimmt vom künstlerischen Gespür, diplomatischen Feingefühl und der wirtschaftlichen Kompetenz der Theaterleiter. Manche führen selbst Regie, andere begreifen sich mehr als Ermöglicher. Die neuen Bosse zwischen 44 und 58 Jahren sind überwiegend die alten - nur an anderen Stellen. Von einem wirklichen Generationenwechsel bei den Topjobs der Schauspielhäuser kann nicht die Rede sein.

BURGTHEATER WIEN: Der 46-jährige Matthias Hartmann - zuvor Intendant am Schauspielhaus Zürich - löst Klaus Bachler ab, der die Intendanz der Bayerischen Staatsoper in München übernommen hat. Hartmann hat an fast allen bedeutenden Bühnen Deutschlands inszeniert. Er war auch Intendant in Bochum, lockte das Publikum mit bekannten Film- und Fernsehschauspielern wie Harald Schmidt ans Haus. An der Burg inszenierte er am Freitag zum Auftakt höchstpersönlich beide Teile von Goethes "Faust" mit Gert Voss als Mephisto. Als Regisseure will er neben anderen René Pollesch, Stefan Pucher und Stefan Bachmann holen.

SCHAUSPIELHAUS ZÜRICH: Hartmanns Nachfolge in Zürich tritt Barbara Frey an. Die 46-jährige Regisseurin ist neu auf dem Intendantenkarussell, sie hat noch nie ein Theater geleitet. Zur Eröffnung will sie selber Schillers "Maria Stuart" in Szene setzen. Spektakulär: Die Gruppe Rimini Protokoll will bei ihrem Projekt das Theater mit Heuschrecken füllen. Frey hat in ihrem Leitungsteam fast ausschließlich Frauen. Die Berliner Choreographin Sasha Waltz wird in Zürich nächsten Sommer ein Stück aufführen.

THALIA THEATER HAMBURG: Joachim Lux war zuletzt Chefdramaturg am Wiener Burgtheater. Am Thalia tritt der 52-Jährige in die großen Fußstapfen von Ulrich Khuon, der ans Deutsche Theater Berlin geht und viele seiner Schauspielstars mitnimmt. Als Oberspielleiter hat Lux, der selber nicht Regie führt, den Flamen Luk Perceval engagiert. Dieser hat das Haus am vergangenen Wochenende mit dem Zuschauerprojekt "2beornot2be" und der Uraufführung von "The Truth about the Kennedys" eröffnet. Zu den Schauspielern am Thalia gehören Jens Harzer, Josef Ostendorf und Bibiana Beglau.

DEUTSCHES THEATER BERLIN: Der erfahrene und äußerst erfolgreiche Theatermanager Ulrich Khuon übernimmt den Topjob am Deutschen Theater Berlin. Unter dem besonnenen, 58 Jahre alten, nicht inszenierenden Schwaben wurde das Thalia zweimal zum "Theater des Jahres" gewählt. In Berlin löst er Interimsintendant Oliver Reese ab, der nach Frankfurt wechselt. Zum Auftakt gibt's zwei Uraufführungen, in Szene gesetzt von Andreas Kriegenburg und Stephan Kimmig. Neben vielen Schauspielstars nimmt Khuon auch das Festival "Autorentheatertage" mit nach Berlin. Schon vor dem Amtsantritt seines Vaters war Sohn Alexander Khuon als Schauspieler am Deutschen Theater - und bleibt auch da.

SCHAUSPIEL FRANKFURT: Der 45-jährige Oliver Reese, Chefdramaturg am Deutschen Theater Berlin und zum Schluss dort Interimsintendant, löst am Schauspiel Frankfurt Elisabeth Schweeger ab, die künftig die Festwochen Herrenhausen in Hannover leitet. Reese ist auch Regisseur und Dramatiker. Er setzt auf prägnante Regiearbeiten und hat dafür Kriegenburg, Michael Thalheimer und Kimmig engagiert. Zehn Schauspieler bringt sich Reese aus Berlin mit. Der als Teamplayer bekannte Theatermann will das Haus auch für experimentelle Gruppen öffnen.

SCHAUSPIEL DRESDEN: Der stille Intellektuelle Wilfried Schulz, der das Staatsschauspiel Hannover lange erfolgreich geleitet hat, wird in Dresden Nachfolger von Holk Freytag, der die Bad Hersfelder Festspiele übernimmt. Der umsichtige 57-jährige Schulz plant eine Reihe von Uraufführungen, unter anderem von Lutz Hübner, Jan Neumann und "Hausautor" Martin Heckmanns. Auch in Dresden wird die Kombo Rimini Protokoll ein Projekt aufführen. Goethe und Shakespeare stehen ebenso auf dem Spielplan wie die dramatisierte Fassung des Romans "Adam und Evelyn" von Ingo Schulze.

STAATSSCHAUSPIEL HANNOVER: Auf Schulz folgt in Hannover der 44-jährige Regisseur Lars-Ole Walburg. Er tritt gemeinsam mit noch kaum bekannten Künstlern an. Mutig plant der gebürtige Rostocker, der Ende der 90er Jahre mit eigenen Inszenierungen dreimal zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, zehn Uraufführungen und drei deutschsprachige Erstaufführungen. Auch stadtbezogene Projekte stehen auf dem Spielplan: Auf einem zentralen Platz wird ein Mann tagelang auf einem Hochsitz hungern, in Anlehnung an den realen Fall eines Mannes aus Hannover, der Ende 2007 den Hungertod auf einem Hochsitz wählte. Fest ans Haus kommen Regietalente wie Florian Fiedler und Tom Kühnel. (dpa)

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