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„Zuckersand“, ARD Eine Kindheit im Sozialismus

Die melancholische Tragikomödie handelt von der tiefen Freundschaft zwischen zwei Zehnjährigen in der DDR.

Zuckersand
Fred (Tilman Döbler, l.) und Jonas (Valentin Wessely) sind die allerbesten Freunde. Foto: BR/Julie Vrabelova

Es gibt ein richtiges Leben im falschen: wenn man Kind ist. Dirk Kummer erzählt mit „Zuckersand“ die Geschichte einer fast unbeschwerten Kindheit im Jahr 1979, irgendwo an der brandenburgischen Grenze zur Bundesrepublik. Fred und Jonas sind zwei unzertrennliche Zehnjährige, die sich in ihrer Freundschaft nicht beirren lassen, auch nicht von Freds Vater (Christian Friedel); dem linientreuen Grenzbeamten ist Jonas’ gläubige Mutter Olivia (Deborah Kaufmann) suspekt. Eines Tages bekommt Fred vom Nachbarn Kaczmareck (Hermann Beyer), der für ihn eine Art Opa-Ersatz ist, einen Bumerang geschenkt. Der Alte erzählt ihm, wenn man nur lange genug graben würde, käme man in Australien wieder raus. Das lässt sich Fred nicht zweimal sagen; gemeinsam mit Jonas beginnt er, in einer leerstehenden Fabrik ein Loch zu buddeln, das schon bald die Größe eines Bombenkraters annimmt.

Die kindliche Idylle endet, als Olivias Ausreiseantrag bewilligt wird. Die Jungs besiegeln ihre Blutsbrüderschaft und vereinbaren, dass Jonas in Australien graben soll, damit sich die beiden schließlich in der Mitte treffen; aber dazu wird es nie kommen.

Kindlicher Ernst und Freude am Abenteuer

Zwei Drittel lang ist „Zuckersand“ ein Film, der dank vieler komischer Momente auch im Familienprogramm laufen könnte. Kummer, der das Drehbuch gemeinsam mit Bert Koß geschrieben hat, schildert die Ereignisse über weite Strecken konsequent aus Sicht der beiden Jungs und trifft mit seiner Mischung aus kindlichem Ernst und der Freude am Abenteuer jenen Tonfall, der auch Ron Howards Stephen-King-Verfilmung „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986) auszeichnet.

Die Erwachsenen sind zunächst nur Nebenfiguren, wichtig für die Geschichte zwar, zumal sie den Rahmen abstecken, in dem sich Fred und Jonas bewegen dürfen; aber die Kinder treiben die Handlung voran. Das ändert sich erst, als sich die Rahmenbedingungen wandeln: Eines Tages ist Jonas weg, und Fred, dessen läuferisches Talent entdeckt worden ist, kommt auf eine Kaderschmiede für zukünftige Olympiateilnehmer.

ARD und ZDF zeigen außerhalb des Kika nur noch selten Filme, in denen Kinder nicht nur die Hauptfiguren sind, sondern auch als Identifikationsfiguren dienen; meist gibt es einen Erwachsenen, der durch die Handlung führt. Schon allein deshalb ist „Zuckersand“ ein ungewöhnlicher Stoff, der für ein junges Publikum ohne historisches Vorwissen über die DDR womöglich ohnehin zu komplex wäre. Andererseits verstehen Fred und Jonas auch nur bedingt, wie ihnen geschieht, als sie den über die Grenze fliegenden Bumerang mit dem Fernglas beobachten und sich anschließend verhören lassen müssen.

Zum reinen Drama wird die Geschichte nach Jonas’ vermeintlicher Ausreise. Nun rücken Freds Eltern (Katharina Maria Schubert spielt seine Mutter) sowie der sarkastische Kaczmareck, der sich die Freiheit der Gedanken nicht nehmen lässt, ins Zentrum der Aufmerksamkeit, weil die Staatssicherheit sie ins Visier nimmt.

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