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„Zeitungen in Not“, ZDF Sand verkaufen am Strand

Das ZDF beleuchtet in einem halbstündigen Feature die Krise der Tageszeitungen.

Nirgends wird die Not der Zeitungen so sichtbar wie auf dem Anzeigenmarkt. Foto: Imago

Das Symbol des Niedergangs ist klein, fast unscheinbar: ein winziges blaues „x“ am Rand der Webseite, neben einer Werbung. Wer darauf klickt, liest: „Anzeige geschlossen von Google“. Google schließt eine Anzeige auf  der Online-Seite meiner Zeitung? So ist es. Denn das Blatt hat die Werbefläche Google überlassen, das dafür 30 Prozent der dort generierten Einnahmen einstreicht. Dieses Abkommen schildern Nina Freydag und Wulf Schmiese in ihrem Feature „Zeitungen in Not“. 

Und nirgends wird deren Not so sichtbar wie auf dem Anzeigenmarkt. Das Autorenduo nennt Zahlen: Zwischen dem Jahr 2000 und heute sanken die Werbeumsätze der Unternehmen von 6,55 auf 2,53 Milliarden Euro. Die Anzeigen wanderten vom Papier ins Netz – aber die Erlöse wanderten eben nicht mit. Deshalb haben sich  die Geschäftsführungen so einiger Verlage entschlossen, ihr Anzeigengeschäft teilweise auszulagern – eben an Google, den größten, mächtigsten und auch skrupellosesten Konkurrenten auf dem Medienmarkt.

Der Bochumer Medienökonom Frank Lobigs erklärt, die Riesen wie Google und Facebook hätten die Spielregeln geändert, und nun seien sie im Medienmarkt Champions League, während die Regionalzeitungen nicht mal Kreisklasse erreichten. Der Vorteil der Datenkraken: die Erhebung und Nutzung der Nutzerdaten.

Für Springer-Chef Mathias Döpfner ist der Konzern aus dem Silicon Valley seit je der alt-böse Feind. Er weist darauf hin, dass die Tageszeitungen längst von Google abhängig sind. Dabei sei es doch die Rolle der Zeitungen, sich „den Machthabern in den Weg zu stellen“. Das  populistische Treiben seines Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt kann er damit kaum gemeint haben.

Doch wer Ralf Bremer, den Sprecher von Google Europa zuhört, ist geneigt, Döpfner recht zu geben. Man „helfe“ doch den Verlagen, Klicks zu generieren, säuselt Bremer, taktvoll verschweigend, wieviel Milliarden Google mit der Werbung macht, mit der es die Suchergebnisse im Netz flankiert. Pikanterweise hat sich der Boss einer der Riesenkonzerne, Jeff Bezos von Amazon, eine komplette  Zeitung gekauft: die Washington Post. Das renommierte Blatt aber legt an Auflage zu, auch dank eines US-Präsidenten, der die Lüge zum Prinzip der Politik gemacht hat. Dabei verlangt die Zeitung im Netz Geld, wenn man ihre Artikel lesen will.

Die „Bezahlschranke“ wird auch in Deutschland populärer, so bietet Spiegel online seit einiger Zeit immer mehr und wichtigere Artikel nur gegen Bezahlung an. Doch gleicht laut Lobigs der Versuch, im Internet mit Nachrichten Geld zu machen, dem Unterfangen, am Strand Sand zu verkaufen.

Einen anderen Weg geht eine Zeitung im Norden Norwegens, das „Nordlicht“. Dort handelt man erfolgreich nach dem Prinzip: „Das Wichtigste passiert da, wo Du bist.“  Die Besinnung auf den Lokaljournalismus geht jedoch einher mit einer hemmungslosen Stärkung des Sports: Die Zeitung hat sich die Rechte an der Übertragung des Amateurfußballs gekauft und streamt die Spiele im Netz. Über die politische Ausrichtung des Blatts sagen die Autoren nichts, wie sie auch das Moment des Eskapismus nicht reflektieren. Denn hier wird die angeblich „wichtigste Nebensache der Welt“ zum Speck, mit dem man Mäuse fängt. 

Die Lausitzer Rundschau oder der Berliner Tagesspiegel setzen ebenfalls verstärkt auf das Lokale, auch gegen den „unfassbaren Schrott“ im Internet, wie Herausgeber Sebastian Turner formuliert. Die Nähe zum Kunden gilt allerdings seit jeher als Heilmittel für die kränkelnde Tageszeitung, ohne dass deren Siechtum aufgehalten worden wäre. Aber wenn Nina Freydag und Wulf Schmiese am Ende folgern,  gedruckte Zeitungen „könnten bald Geschichte sein“, so liegen sie damit einfach falsch. Denn wie die Historie der verschiedenen Medien – Zeitung, Buch, Fotografie, Film, Fernsehen, Internet – lehrt, verschwindet das Alte nie völlig, wenn das Neue auf den Plan tritt. Die Tageszeitung wird zum Nischenprodukt werden und wie einst zu ihren Anfängen Nachrichten „für die gebildeten Stände“ liefern.

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