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„Wolfsland: Der steinerne Gast“ Götzi modert nicht allein

Mit einem gelungenen dritten Teil setzt Das Erste die „Wolfsland“-Reihe fort. Und damit die Aufwertung des Donnerstags-Krimis.

Wolfsland - Der steinerne Gast
Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld), Burkhard "Butsch" Schulz (Götz Schubert) und Uli "Jakob" Böhme (Jan Dose) untersuchen die Leiche. Foto: MDR/MOLINA FILM/Steffen Junghans

Die Kamera wird zum Tier. Beobachtet, schleicht sich an. Kann aber auch Türklinken öffnen. Das Tier ist ein Zweibeiner mit blinkendem Messer in sepia-trübem Licht. Lauernd im Schlafzimmer der schlummernden Kommissarin Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld). Die schreckt hoch – das Zimmer ist leer. Ein Albtraum.

Der Einstieg ist erkennbar auf den Effekt aus, ein Köder für Zuschauer mit nervösem Zeigefinger. Verzeihlich, denn nach diesem schröcklichen Auftakt wechseln die Autoren Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser sowie Regisseur Max Zähle zu einer ruhigeren, dabei nicht minder intensiven Tonart. Nicht zu vergessen, dass letztjährig eine überwiegend aus Schaueffekten bestehende Serie wie „Babylon Berlin“ großes Lob einheimste.

Neuwöhner und Poser liefern mit „Der steinerne Gast“ den dritten Film ihrer redaktionell von MDR und Degeto betreuten „Wolfland“-Reihe, die sich durch eine besondere Atmosphäre auszeichnet. Ganz ohne Mätzchen, ohne parapsychologische Phänomene bemühen zu müssen, erzeugen die Autoren im Zusammenspiel mit Regie und Kamera (Frank Küpper) eine Stimmung permanenter Beunruhigung.

Die Kriminalerzählung ist vollends gegenwärtig und wird zu nicht geringem Teil von starken Charakteren getragen. Neuwöhner und Poser können sich sogar erlauben, den Täter relativ früh preiszugeben. Spannung lassen sie entstehen aus dem Wettlauf zwischen den Ermittlern und dem Verbrecher, der in heller Panik versucht, alle Hinweise auf seine Person zu beseitigen, wobei er vor Mord nicht zurückschreckt.

Ausgelöst werden die Vorgänge, als den Arbeitern bei der Renovierung eines uralten Gebäudes ein Skelett entgegengrinst. Seit 400 Jahren liegt es dort unter den Holzdielen, Kriminaltechniker Böhme (Jan Dose) tauft es „Götzi“ - Görlitzer Ötzi. Eine Attraktion für Archäologen und auch für Böhme, der sich in die historischen Recherchen verbeißt. Dabei vernachlässigt er gelegentlich seine eigentliche Arbeit. Denn gleich neben Götzi wurde noch eine Leiche gefunden. Und die ist jüngeren Datums. Erschossen mit einer Kugel vom Kaliber neun Milimeter.

Viola Delbrück und ihr ruppiger Partner Burkhard „Butsch“ Schulz (Götz Schubert) übernehmen den Fall. Sie ist, das wurde in den vorangegangenen Filmen erzählt, aus Hamburg nach Görlitz gekommen, um ihrem gestörten Ex-Mann (Johannes Zirner) zu entkommen. Der aber, krankhaft auf Viola fixiert, verfolgt sie weiter. Bis in ihre Träume. Schulz, sonst wenig väterlich, hat seither Beschützerinstinkte entwickelt, wacht sogar vor Delbrücks Haus über sie, wogegen sie sich mit Verve verwahrt.

Wie sich Delbrück und Schulz in parallelen Aktionen des unheimlichen Zudringlings annehmen, wird gekonnt und mit Sinn für originelle Wendungen erzählt und erlaubt sogar gelegentliche Situationskomik, die sich ganz en passant ergibt. Die Haupthandlung nimmt dabei keinen Schaden. Dichte und Gehalt erlangt sie, weil die Autoren die Täter nicht als per se bösartig zeigen, sondern in Teilen als Opfer der Umstände, im Ringen um ihre bescheidene Existenz, wobei ihre Schuld nie in Frage steht.

Ausnahmsweise programmiert das Erste einmal sinnvoll und lässt den nicht minder sehenswerten nächsten Film der Reihe gleich eine Woche später folgen.

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