Lade Inhalte...

„Willkommen auf Deutsch“ (ARD) Wehret den Anfängen

Ehrenwerter Dokumentarfilm über die Asylproblematik, der Flüchtlinge und Einheimische zu Wort kommen lässt.

21.07.2015 08:24
Tilmann P. Gangloff
Ingeborg Neupert beim Deutschunterricht mit den tschetschenischen Kindern. Foto: NDR/Pier53/Boris Mahlau

Die Motive dieses Films sind aller Ehren wert, zumal das Thema angesichts der jüngsten Anschläge auf geplante Flüchtlingsheime von trauriger Aktualität ist: Hauke Wendler und Carsten Rau sind der Meinung, die Politik traue sich nicht, dem Volk die Wahrheit über die steigenden Zahlen der Asylbewerber zu sagen. Deshalb haben sie „Willkommen auf deutsch“ gedreht: damit sich furchtbare Ausschreitungen wie vor gut zwanzig Jahren in Rostock-Lichtenhagen nicht wiederholen.

Zu diesem Zweck stellt der Filme einige jener Menschen vor, die in ihrer Heimat verfolgt worden und nach Deutschland geflohen sind. Vor allem der attraktiven jungen Tschetschenin Larisa, die sich hingebungsvoll um ihre fünf jüngeren Geschwister kümmert, dürften die Sympathien zufliegen, zumal sie zunächst nach Polen abgeschoben werden soll. Auch das Schicksal des pakistanischen Ehepaars Malik und Abida geht zu Herzen.

Klugerweise beschränken sich Wendler und Rau, die sich seit zehn Jahren mit dem Themenkomplex Migration befassen und zuletzt für „Wadim“ (2011) mehrfach ausgezeichnet worden sind, nicht auf die Flüchtlingsproblematik. Sie zeigen auch die andere Seite: In der wenige hundert Menschen umfassenden Gemeinde Appel im Landkreis Harburg irgendwo nördlich der Lüneburger Heide sollen über fünfzig männliche Asylbewerber untergebracht werden. Viele Einwohner haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Sie betonen, dass sie nichts gegen Ausländer haben, aber sie fürchten um das Wohl ihrer Töchter; und nebenbei auch um die Preise für die Immobilien rund um die Unterkunft.

Gerade dank des differenzierten Ansatzes ist „Willkommen auf deutsch“ sehenswert, zumal Wendler und Rau auch den Nöten der Verwaltung gerecht werden. Der Film ist in jeder Hinsicht ausgewogen, bringt aber trotzdem die Haltung der Autoren deutlich zum Ausdruck. Die Machart ist allerdings ausgesprochen konventionell. Abgesehen vom Musikeinsatz und dem Verzicht auf einen Kommentar entspricht die Machtart bis hin zu den Interviews beim Autofahren dem Standard gängiger TV-Produktionen.

Am nächsten Dienstag zeigt die ARD mit der Dokumentation „Das Golddorf: Asyl  im Heimatidyll“ einen ganz ähnlichen Film: Neun Monate lang hat Filmemacherin Carolin Genreith zwei Flüchtlinge bei ihrem neuen Leben in Bergen im Chiemgau begleitet; auch hier kommen die Einheimischen zu Wort, auch sie sind erwartungsgemäß nicht ausnahmslos begeistert über die neuen Mitbewohner. Der Titel bezieht sich auf die Medaille, die der Ort einst im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ gewonnen hat.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen