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„Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ (ZDF) Perle von einem Provinzkrimi

Schauplatz in den irrsinnig dialekthaltigen „Landkrimis“ im ZDF ist Österreich, in diesem Fall Kärnten. Wien ist ganz weit weg.

Wenn Du wüsstest, wie schön es hier ist
Polizist Hannes Muck (Gerhard Liebmann) steht im Wald. Foto: ZDF/ Toni Muhr

Ein Vorteil dieses auch im Bösen bislang praktisch lochfreien Sommers sind die vom ORF angekauften irrsinnig dialekthaltigen „Landkrimis“ im ZDF. „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“, von Stefan Hafner und Thomas Weingartner geschrieben, von Andreas Prochaska inszeniert (und von Arte schon einmal Anfang 2016 ausgestrahlt), ist eine Perle von einem Provinzkrimi. Die Provinz ist hier besonders provinziell, und selbst der herumbossende Kriminalist, der die Ermittlungen von außen übernimmt, kommt bloß aus Klagenfurt herbeigefahren. Wien ist so weit weg, Wien ist überhaupt nicht mehr wahr. 

Wahr ist hingegen, dass in einer effektvollen Eingangsszene ein Körper zu viel bei einer Grubenrettungsübung gefunden wird. Das ist die märchenhaft friedvoll daliegende Leiche der Dorfschönheit, deren Vater mit Macht und Geld bisher alles im Ort erreichen konnte für sein Kind, seine Familie. Wie der Dorfpolizist Muck die schlimme Nachricht überbringt, lässt Prochaska die Kamera nicht mit rein. 

Alles soll nun rasch über die Bühne gehen, der Muck hat auch kein Misstrauen, schickt jedoch eine im Moos gefundene Blutprobe dennoch pflichtgetreu ein. Er und sein Kollege haben noch nie eine Blutprobe aus dem Moos genommen, aber es gibt so ein Köfferchen und darin ein Röhrchen dafür. Nicht zum ersten Mal in der Serie zeigen die Österreicher einen beiläufigen Humor, wie man ihn gerne öfter auch sonntagabends im Tatort sehen würde. 

Muck erfährt dann während der Beerdigung, dass eine Leichenobduktion angeordnet ist. Gerade wird der Sarg heruntergekurbelt. Wie soll das gehen, fragt Muck unglücklich. Er bekommt es hin. Muck ist nicht ohne. Hafner und Weingartner widerstehen sogar der Versuchung, seinen wunderbaren Namen so oft zu nennen, wie es hier jetzt natürlich doch geschieht.

Man merkt schon: Es geht um die Atmosphäre, bedrohlich und heimelig zugleich. Prochaska lässt mit melancholischen, nicht reiseprospektaffinen Bildern arbeiten. Der traditionellen Tanzveranstaltung, die die Familie der Dorfschönen auf einem Höhepunkt des Glücks zeigt und so arg endet, schaut man in Zeitlupe wie einen Totentanz zu. Das Tal, in das der spitzfindige Klagenfurter Kollege (Simon Hatzl) buchstäblich von oben herab guckt, ist ein verschattetes Idyll. Bezaubernde Volksmusik begleitet derbe Szenen.

Auch geht es um Muck. Muck ist der, der sonst den richtigen Kriminalisten aus der Stadt auf die Nerven fällt: zögerlich, konfliktscheu, viel zu verwickelt. Er sei immer brav gewesen, heißt es über ihn. Gerhard Liebmann spielt ihn vor allem als introvertierten, verbindlichen und zartfühlenden Menschen. Kurz kommt die Leiche ins Bild, lange blickt man in Mucks Gesicht, so dass man mit seinen Augen sieht, wie traurig das ist.

Auf der Beerdigung weint er, die Frau seines Herzens umwirbt er mit nutzlosen Kaffeepäckchen, und seinen Job macht er an sich gut. Ähnlich wie der Tatort-Ermittler aus Münster hat er ferner einen psychedelisch egoistischen Vater, unter dem er still leidet. Dass Muck senior sich dafür auch beim Kärntner FKK-Treff auskennt, ist ermittlungstechnisch relevant, wird aber nicht so breitgetreten wie bei unserem Clownsduo.

Auf die Lösung kann kein vernünftiger Mensch kommen, wohl aber ein abgebrühter Fernsehkrimifreund. Geschenkt. 

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