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„Waterloo. Das Ende“, Arte Ein schreckliches Gemetzel

Ein belgischer Autor hat die Fakten zur Schlacht, die mit Napoleons Niederlage endete, gründlich recherchiert.

Waterloo. Das Ende
Die Wachsoldaten bereiten sich zum Angriff vor. Foto: ARTE/RTBF

„Mein Meisterwerk“ nannte Napoléon Bonaparte die Schlacht von Waterloo, als sie ihm und all den anderen Teilnehmern noch bevorstand, und das ist eine der wichtigsten Botschaften dieses Filmes: dass es Menschen gibt, die ein unfassbares Gemetzel als Ergebnis ihrer eigenen Arbeit betrachten und mehr oder weniger gelungen finden können. Nach oder schon während der Schlacht allerdings wird dem kleinen, korpulenten Korsen gedämmert sein, dass sein Waterloo nicht ganz so gelungen war wie erhofft. Und weil nach allem, was man weiß, Napoleon in puncto Selbstkritik wenig vorbildhaft war, wird er die Schuld dem Wetter, dem Glück oder jedenfalls den anderen zugewiesen haben.

Und damit völlig richtig liegen. Denn etwas wie eine Schlacht mit mehr als 350.000 Teilnehmern kann nicht aufgrund der Fähigkeiten und Entscheidungen Einzelner entschieden werden. Worte wie „Genie“ und „Taktik“ erscheinen in diesem Kontext einerseits zutiefst unmoralisch, zweitens aber als pure Vermessenheiten: Niemand kann auf den über vier Quadratkilometern des durchnässten Schlachtfelds bei Waterloo im beißenden Rauch der Kanonen und Gewehre etwas wie einen Überblick haben.

Befehle, den Meldereitern anvertraut, auf die gegnerische Soldaten besonders intensiv Jagd machten, konnten nur zufällig in der beabsichtigten Form am gewünschten Platz ankommen – und ziemlich sicher nicht zur rechten Zeit. So ist es kein Wunder, dass man sich zwar am Ende darüber einigen konnte, wer die Schlacht gewonnen habe, aber die Verläufe, die zu diesem Ergebnis führten, im Qualm der Geschichte verborgen geblieben sind.

Der Dokumentarfilm von Hugues Lanneau aus Belgien unternimmt gut recherchierte Blicke hinter die Marschkolonnen, historischen Daten und Taktik-Sandkästen. Er hat erhellende Antworten und interessante Fragen zur Debatte beizutragen und vergisst die menschliche Dimension des langjährigen kriegerischen Geschehens nicht, das am Anfang des 19. Jahrhunderts Millionen von Europäern Gesundheit und Leben kostete.

Zu den interessanten Fragen gehört die, warum Menschen einem selbstverliebten, zynischen Massenmörder folgen und jahrelang ohne Rücksicht auf Leib und Leben tun, was er befiehlt. Die Antwortversuche tangieren sehr grundlegende Problemlagen, die nichts an Aktualität verloren haben.

Der Blick hinter die Marschkolonnen gilt auch immer wieder den Waffen sowie den Verletzungen und Todesarten auf dem Schlachtfeld. Diese Passagen gehören zu den emotional intensivsten des Filmes. Wie Lanneau danach noch Sätze verwenden kann wie „Napoleon hatte schwere Verluste erlitten“, erschließt sich allerdings nicht recht. Schließlich konnte Napoleon, während auf dem Schlachtfeld Soldaten zu Tausenden zerfetzt, erschossen und verstümmelt wurden, in der Kutsche nach Paris fliehen, wo er ordnungsgemäß abdankte und sich dann auf eine Insel im südlichen Atlantik verbannen ließ.   

Immerhin wird die Schlacht von Waterloo nicht als glänzende Selbstbefreiung des alten, feudalen Europa aus dem drohenden Heraufdämmern der Moderne betrachtet, sondern als schreckliches Gemetzel, bei dem Zufälle, Glück, Pech und ein sehr instrumentelles Verhältnis zu Menschenleben („Kampfmoral“) die Weichen stellen, bevor am Ende von Zietens Preußen gerade noch rechtzeitig eintreffen.

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