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„Von der Dunkelheit ins Licht“, arte Das Ende der Heimlichkeiten

Das französische Les Lumières steht nicht nur für die Beleuchtung, sondern auch ganz philosophisch für die Aufklärung. Eine Dokumentation über das Licht.

Von der Dunkelheit ins Licht
Paris ist eine Stadt, die nie ganz dunkel ist. Für die einen ist das Licht unverzichtbar in der urbanen Nacht, andere plädieren für ein Abschalten, um den Sternenhimmel wieder sehen zu können. Foto: Arthur Forjonel/Lumières sur la Ville/Les Films du Tambour de Soie

 „Aristokraten an die Laterne!“. Diese schwungvoll gesungene Parole der Französischen Revolution enthält auch die Information, dass es in Paris am Ende des 18. Jahrhunderts schon Straßenbeleuchtung gab. Damit lag Frankreich – wie in so manchen technischen und wirtschaftlichen Belangen – damals ganz weit vorn in Europa.

Agnès Bovet-Pavys Dokumentation über die Geschichte der öffentlichen Beleuchtung konzentriert sich vor allem  auf Frankreich, mit gelegentlichen kurzen Exkursen nach England, Deutschland, Amerika. Das ist auch besser so, denn sonst würde die Sache schnell wegen allzu großer Materialfülle aus dem Ruder laufen.

Möglicherweise spielte in Frankreich seit dem 17. Jahrhundert ohnehin der interessanteste Teil dieser Geschichte. Immerhin bedeutet das französische Les Lumières nicht nur die Lichter, sondern auch ganz philosophisch und literarisch „Aufklärung“.

Wobei es schon Ludwig XIV. war, der so genannte Sonnenkönig, der erstmals für öffentliche Beleuchtung in Paris sorgte, der am Hofe nächtliche Feste feiern ließ (etwa le Grand Divertissement im Jahre 1668 mit 24000 Kerzen) und damit dem bis dato unausweichlichen Tag-Nacht-Rhythmus menschlichen Lebens ein Schnippchen schlug.

Der Film verfolgt das Thema zweigleisig: als eines der technischen Entwicklung und als ein Thema der Gestaltung und sozialen Inanspruchnahme des öffentlichen Raumes. Auf der Seite der technischen Entwicklung beginnt alles mit urwüchsigen und nicht ganz ungefährlichen Beleuchtungstechniken, die eine intensive Betreuungsarbeit brauchen und deren vorläufige technischer Höhepunkt im 17. Jahrhundert Öllampen mit  Reflektoren sind. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kommen Gaslaternen auf (die auch stabil genug für die revolutionären Umgehensweisen mit Aristokraten sind) und im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Elektrizität als Quelle der Beleuchtung.

Das Zeitalter der Aufklärung ist da längst vorüber, und das gesellschaftliche Verhältnis zu Licht und Dunkelheit steckt voller Ambivalenzen. Einerseits geschehen viele Dinge (vor allem zwielichtige) im Schutze der Dunkelheit, so dass Licht als schützende Institution vor solcherlei Elementen dient. Andererseits leuchtet das öffentliche Licht nach und nach auch die geheimsten Ecken aus und macht soziale Bewegungen und revolutionäre Umtriebe in den ehemals dunklen Vierteln der Städte zum Objekt polizeilicher Ermittlung und exekutiver Eingriffe.

Andere thematische Stränge des Films behandeln Entwicklungen der szenischen Kunst und des öffentlichen Lebens und Handels, also die Entwicklung von Vergnügungsvierteln, von Theater- und Variété-Beleuchtung, von Schaufenstern und Einkaufs-Galerien. Und, unvermeidlich, die neue Funktion des Lichts im Krieg, bis hin zu den Scheinwerfern der Flugabwehr-Kanonen im Zweiten Weltkrieg. Kann man darin noch ein fernes Echo der Aufklärung sehen? Ach, eher nicht.

Die schönsten Teile des Filmes gelten den 20-er Jahren, die auch in Frankreich eine aufregende, kulturell reichhaltige Phase der frühen Moderne markieren. Während im Paris der Surrealisten die großen Boulevards hell erleuchtet und zu Schauplätzen eines mondän-kommerziellen Nachtlebens entwickelt sind, herrscht in anderen Quartieren noch funzelige Straßenbeleuchtung. Brassai unternimmt dort seine fotografischen Expeditionen ins „geheime Paris“, es entsteht eine Romantik des Halbdunkels im öffentlichen Raum.

Wird das LED-Licht endgültig Schluss machen mit den Heimlichkeiten der Nacht?

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