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"Unterm Radar", ARD Tochter unter Terrorverdacht

Nach einem Terroranschlag verschwindet die Tochter einer Berliner Richterin. Komplizin oder Opfer? Die Mutter, selbst im Zentrum polizeilicher Ermittlungen, macht sich verzweifelt auf die Suche. Ein brisanter Thriller mit Christiane Paul und Heino Ferch in den Hauptrollen.

"Unterm Radar": In den Fokus der Ermittler gerät Richterin Elke Seeberg (Christiane Paul), die sich schnell einer Hetzjagd ausgesetzt sieht. Gegenüber steht ihr der Ermittler Buch (Heino Ferch). Foto: © WDR/Nik Konietzny

Berlin, die Gedächtniskirche, ein großer Polizeieinsatz an der Budapester Straße. Ein Bombenräumroboter setzt sich in Bewegung. Ein herrenloser roter Rollkoffer hat Verdacht erregt und wird vorbeugend gesprengt. Er erweist sich im Nachhinein als harmlos.

Das Bundeskriminalamt ist wachsam, der nächste Einsatz wartet schon. Die Sorge um die innere Sicherheit beschäftigt auch die Politik. Der britische Geheimdienst hat die deutschen Kollegen über einen geplanten Anschlag unterrichtet. In Berlin soll er stattfinden, auf einem der öffentlichen Plätze. Der BKA-Bereichsleiter Richard König (Fabian Hinrichs) erhält die Weisung, alle verfügbaren Mittel auszuschöpfen. Aber, so betont die Staatssekretärin, „unterm Radar“.

SEK im Schlafzimmer

Doch alle vorbeugenden Maßnahmen können die Katastrophe nicht verhindern. Ein Selbstmordattentäter zündet in einem öffentlichen Bus eine Bombe. Sieben Menschen sterben, es gibt viele Verletzte.

Auf unerwartete Weise sieht sich die Richterin Elke Seeberg (Christiane Paul) betroffen. Nachts stürmt ein Einsatzkommando ihre Wohnung, vermummte Gestalten reißen sie aus dem Schlaf. Ihre Tochter Marie (Linn Reusse), gerade in die erste eigene Wohnung verabschiedet, soll mit den islamistischen Terroristen konspiriert haben. Es gibt Indizien – ein Anruf in Pakistan, Bargeldabhebungen, Besuche in einer Moschee. Nicht ungewöhnlich für eine Islamistikstudentin, aber in den Augen der Ermittler ergibt sich ein Muster. Hinzu kommt: Marie ist spurlos verschwunden.

Die Wahrung der Grundrechte in Zeiten asymmetrischer Kriege ist ein unerschöpfliches Thema. Die Drehbuchautorin Henriette Buëgger, die hier ihr Erstlingswerk vorlegt, zeigt die Mechanismen auf, die der Terrorbekämpfung zugrunde liegen. Nachdem der Anschlag erfolgt ist, obwohl der Täter bereits unter Beobachtung stand, beginnt eine hektische Suche nach den Mitwissern. Auf der Seite der Ermittler konstruiert die Autorin zweierlei Positionen: Heinrich Buch (Heino Ferch) ist eher Kriminalist alter Schule, um wahrheitsgemäße Aufklärung bemüht, mit einem Ohr auch für die Verdächtigen, aber, einer persönlichen Schwäche wegen, angreifbar. Der jüngere Richard König war einst Buch unterstellt, wurde von ihm ausgebildet, ging dann in die USA und kam verändert zurück. Nun hat sich das Verhältnis umgekehrt, der Zauberlehrling wurde zum Meister erhoben. König ist Buchs Vorgesetzter und bezieht Befriedigung aus diesem Positionswechsel ebenso wie aus der Macht, die es ihm erlaubt, Spezialeinheiten in Bewegung zu setzen, unbemerkt Einblick in die Privatsphäre anderer zu nehmen, Menschen festnehmen zu lassen und zu verhören. Psychologisch ein überzeugender Entwurf.

Bild der Bedrohung

Als Thriller aber hat die Filmerzählung ihre Schwächen. Wenn die idealistische Richterin Elke Seeberg, die anfangs noch einen Enthüllungsjournalisten (Matthias Mattschke) wegen Geheimnisverrats verurteilt, aufbricht, die ihr verborgen gebliebenen Seiten ihrer Tochter zu erforschen und deren Verschwinden aufzuklären, macht sie rasch Fortschritte, gewinnt mit Hilfe anderer sogar Einblicke in geheimdienstliche Aktivitäten. Da verläuft die Handlung zu glatt, zu widerstandsarm, als dass sie überzeugen könnte.

Das Tempo des Films, eine Gemeinschaftsproduktion von WDR und Degeto, ist geeignet, diese Brüche zu überspielen. Regisseur Elmar Fischer inszeniert süffig, genregemäß, mit einigen guten, wenn auch bekannten Ideen. Dazu zählt der Blick auf die Überwachungsmonitore des BKA. Erst füllen nur vier Bilder die Mattscheibe, dann sechzehn und exponentiell immer mehr, bis ein Wimmelbild entsteht. Ein wirkungsvolles Sinnbild für die Allgegenwart der Gefährdung und die schiere Unmöglichkeit, jeder Eventualität vorzubeugen.

Wenn auch formal nicht vollständig gelungen, ist „Unterm Radar“ ein bedeutsamer, weil zeitkritischer Programmbeitrag. Und damit wertvoller als solche, deren Schöpfer in reine Fantasiewelten ausweichen.

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