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Unter Verdacht: „Verschlusssache”, Arte Ohne Rücksicht auf Verluste

Der vorletzte Film der Reihe „Unter Verdacht” wirft einen kritischen Blick auf politisch gebilligte trübe Geschäfte der Bundeswehr mit der Rüstungsindustrie.

Unter Verdacht
Oberst Reibl (Johannes Zirner) und seine Frau Marie (Maya Haddad, rechts) behaupten gegenüber Eva Prohacek (Senta Berger), keine Videoaufnahme des Unfalls zu haben. Foto: ZDF/Marco Nagel

Max Wemmer bürdet sich einiges auf, als er vor einer Bundeswehrkaserne die deutsche Flagge vom Mast holt und in Brand setzt. Wemmer ist Beamter. Entlassung, Pensionsverlust, eventuell noch eine Haftstrafe – warum nimmt jemand diesen Statusverlust in Kauf? Seines beruflichen Standes wegen wird Wemmer vor die Abteilung für interne Angelegenheiten zitiert. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und André Langner (Rudolf Krause) sind die zuständigen Ermittler. Überrascht aber stellt Prohacek fest, dass ihr Vorgesetzter Claus Reiter (Gerd Anthoff) schon mit der Vernehmung begonnen hat. Obwohl er eigentlich im Urlaub sein sollte.

Der aufgewühlte Wemmer wollte ein Fanal setzen, denn er wittert eine Verschwörung. Sein Sohn Thorsten (Bruno Sauter), ein Berufssoldat, stolperte bei einer Artillerieübung durchs Zielgebiet und wurde schwer verletzt. Jetzt liegt er im Koma und kann nicht aussagen. „Mein Sohn ist Opfer von Lügen der Bundeswehr” stand auf dem Pappschild, das Wemmer während seiner Protestaktion in die Kameras hielt.

Reiter geht den trotzig schweigenden Wemmer im Verhör sehr ruppig an. Prohacek verweist ihn des Raumes. Ihr gegenüber spricht Wemmer seinen ersten Satz: „Der Kollege ist ein ziemliches Arschloch, oder?” Prohacek formuliert diplomatisch: „Dazu gibt es verschiedene Meinungen.”

Ein öliger Opportunist

Draußen hört Reiter mit und ebenso Langner, der sich ein Grienen nicht verkneifen kann. Natürlich pirouettiert Reiter in seiner parvenühaften Art auch wieder auf gesellschaftlichem Parkett, um Notabeln aus Politik und Wirtschaft nahe zu sein. Ausgerechnet sein Ungeschick führt zur Bekanntschaft mit einer attraktiven Frau (Katja Weitzenböck). Es wird sogar mehr draus. Und doch – am Ende bekommt das ewige Stehaufmännchen Reiter tragische Züge. Wäre er nicht so ein öliger Opportunist, man könnte beinahe Mitleid mit ihm haben. Andererseits weiß man bei ihm gar nicht so recht, ob ihn die verlorene Liebe bekümmert oder nicht doch eher das viele Geld, das beim Buhlen draufgegangen ist …

Gar nicht gern sieht der amourös entrückte Abteilungsleiter, dass sich Eva Maria Prohacek immer weiter in den Fall um den Flaggenvernichter Wemmer verbeißt. Dessen vermeintliche Paranoia nämlich erweist sich als gar nicht mal so unbegründet. Spätestens als der Militärische Abwehrdienst in Gestalt der reschen Frau von Eick (Hanna Scheibe) auf der Bildfläche erscheint, die freundlich ihre „Mithilfe” offeriert und vor allem „sehr schnell” erfahren möchte, ob aus dem Disziplinarverfahren gegen Wemmer senior ein Ermittlungsverfahren wird. Denn das könnte einiges zutage fördern, was die Bundeswehr, das Rüstungsunternehmen Emrich Systems und der dortseits gedungene Lobbyist Fratscher (Felix Vörtler) gern dauerhaft in den Einschlagtrichtern des Truppenübungsplatzes vergraben sähen.

Mörderische Geschäfte

Um eine neuartige Munition geht es, um eine, die gegen das Völkerrecht verstößt und doch in den internationalen Handel gelangen soll. Exportgewinne, Arbeitsplätze, Steuermillionen – da verschränken sich die glibschigen Finger von Politik und Hersteller.

Aber es gibt Menschen mit Skrupeln und solche, die sich nicht mundtot machen lassen. Frauen zumeist, wie die unbestechliche Redakteurin Tina Frey (Katja Bürkle), die beiläufig anspricht, dass Frauen immer die Arbeiten zugeteilt bekommen, die die Männer nicht machen wollen. Eva Maria Prohacek schweigt. Aber ihre Miene verrät: Sie weiß, wovon die Journalistin spricht.

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