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„Über die Grenze: Alles auf eine Karte“, ARD Ende der Schonzeit

Das Erste setzt auf Risiko: Statt eines Sonnenscheinkrimis gibt es an zwei Donnerstagen einen harten Polizeithriller als Fortsetzungsgeschichte. Sehenswert allein schon wegen der Hauptdarstellerin.

Chalid Boulemain (Omar El-Saedi) zögert, auf den Verbrecher (Sebastian Hülk) zu schießen – und gefährdet damit sein eigenes Leben. Foto: © SWR/Polyphon/Benoît Linder

Es gibt bereits die eine oder andere dunkle Zone zwischen all den donnerstäglichen Sonnenscheinkrimis. Bei dem Zweiteiler „Über die Grenze“ aber kann man beinahe von einer neuen Härte sprechen. Ein kluger US-amerikanischer Fernsehkritiker schrieb einmal im Hinblick auf die exzellente Krimiserie „Homicide – Life on the Street“, die Qualität einer Fernseherzählung bemesse sich unter anderem daran, wie sehr die Autoren ihren Protagonisten zusetzen. 

Die regieerfahrene Felice Götze und die schauspielerfahrene Sabine Radebold haben nach einer Idee von Ulrich Zaum gemeinsam das Drehbuch zu „Über die Grenze“ verfasst und, nomen est omen, sie muten ihren Figuren so viel zu, dass manch ein Zuschauer in doppeltem Sinne mitgenommen zurückbleiben wird.

Dabei fängt es so fröhlich an. Die 23-jährige Leni Herold (Anke Retzlaff) kommt frisch von der Polizeihochschule und beginnt ihren Dienst in einer gemeinsamen Dienststelle der deutschen und französischen Polizei und des Zolls.

Ihr Vorgesetzter ist ausgerechnet ihr Vater Steffen Herold (Thomas Sarbacher), der, wie er später noch sagen wird, ein Auge auf die unbändige Tochter haben wollte.

Das scheint durchaus nötig. Forsch, fröhlich und ein bisschen vorlaut tritt sie auf, macht sich gleich Freunde im Kollegenteam, fängt sich aber auch schnell einen ersten Rüffel ein.

Die Ermittlergruppe überwacht aktuell zwei Verbrecher jenischer Herkunft, die einen Überfall planen. Als es darum geht, einen Peilsender am Fahrzeug eines der beiden anzubringen, drängelt sich Leni Herold vor. Der Vorgesetzte – oder wohl eher der Vater – sagt nein, aber Trotzköpfchen setzt sich durch. Der Verdächtige ertappt die junge Frau, die halb unter seinem Wagen liegt, aber die ist nicht auf den Mund gefallen und weiß sich herauszureden. Noch mal gutgegangen, so scheint es. Aber der Zwischenfall wird Folgen haben.

Die Bankräuber werden schon erwartet

Die Polizei erfährt vom Plan des Banditenduos, eine Bank auszurauben. Dort werden sie schon erwartet, einer Ahnung folgend ändern die Räuber jedoch ihren Plan und überfallen stattdessen ein Wettbüro, in dem die suspendierte Leni Herold gerade einen Wettschein einlöst. Es gelingt ihr, ihren Vater zu informieren. Die Einsatzkräfte werden umdirigiert. Doch die Täter nehmen eine Geisel und erpressen sich freie Bahn. Die Geisel ist Leni Herold.

Zwei Handlungsstränge laufen parallel. Für die Gangster und ihre Geisel beginnt eine Odyssee durch das deutsch-französische Grenzgebiet. Allein das sorgt schon für Spannung. Der Geiselgangster Danne Marquard (Sebastian Hülk) ist ein Soziopath, kaltblütig und unberechenbar. Zugleich ein junger Kerl mit Träumen und musikalischen Vorlieben. Leni Herold versucht ihn und seinen Komplizen Milou Jangy (Rick Okon) auf diese Weise zu packen. Alle drei sind in einem ähnlichen Alter. Einmal machen sich die Jungs darüber lustig, dass Leni noch immer bei ihren Eltern lebt. „Ich suche ja schon“, sagt sie, scheinbar zerknirscht. Und weckt damit beinahe so etwas wie Mitleid bei ihren Entführern.

Auf der anderen Seite wird hektisch nach den Flüchtigen gefahndet. Steffen Herold muss seiner französischen Kollegin Ségolène Combass (Noémie Kocher) Platz machen. Und er beginnt, unterstützt von seinem alten Freund und Mitstreiter Yves Kléber (Philippe Caroit), mit dem er ein besonderes Geheimnis teilt, den Kidnappern auf eigene Faust nachzujagen.

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