Lade Inhalte...

TV-Kritik: WM-Countdown im ZDF Folklore, Scherze und Kritik in Häppchen

Der Mainzer Sender gab sich erkennbar Mühe, die Berichte zur Eröffnungsshow der Weltmeisterschaft nicht zur Jubelarie ausarten zu lassen – zwei Stunden Vorspiel waren dennoch zuviel.

Bei der Eröffnungszeremonie stehen US-Rapper Pitbull (Mitte), die brasilianische Sängerin Claudia Leitte (rechts) und Sängerin Jennifer Lopez auf der Bühne. Foto: AFP

Den Startschuss überließ das ZDF der Politik: Theo Koll moderierte ein „ZDF Spezial“, in dem der Protest gegen die Fifa-Veranstaltung ausreichend Raum bekam, indem der Demonstrant „Batman“ die wunden Punkte seines Landes ansprechen konnte, und auch das Geschäft mit den Panini-Bildchen, mit dem Kindern das Taschengeld aus den Portemonnaies gezogen wird, kam zur Sprache. Gleich hinterher allerdings durften die Zuschauer den längsten Werbespot ever bewundern: Ausrüster Nike muss Unsummen investiert haben in der Aussicht auf das ganz große Geschäft.

Danach kam dann der doppelte Olli, und die Herren Welke und Kahn absolvierten ihre Premiere souverän, vor allem der „Experte“ wirkte lockerer als bei seiner Partnerin Kathrin Müller-Hohenstein, wenngleich er sich wieder ein paar typische Ausrutscher leistete („Da sind keine Anfänger drin“ über die Kroaten). Oliver Welke verringerte etwas die Distanz zwischen seiner Rolle als Scherzkeks in der „Heute Show“ und der als Studiomoderator bei Fußballspielen, er nahm kein Blatt vor den Mund, überließ die schärfere Kritik aber den Protagonisten in den Einspielern, wie etwa dem früheren Star Rivaldo, der sagte: „Brasilien ist nicht bereit für die WM“.

Insgesamt fiel aber vor allem bei den Beiträgen der deutschen Publizisten auf, dass meistens zuerst die kritischen Anmerkungen kamen und danach dann die positiven Aspekte. So wurde letztlich alles immer schön weichgespült, schließlich (siehe die Nike-Reklame) hat der Sender ja auch ein geschäftliches Interesse.

Bela Rethy las bei der eher schlichten Eröffnungsfeier eifrig vom Zettel ab und informierte das Publikum selbst über Fuchsien und das „Abholzen des Regenwaldes“, nannte dafür Brasiliens Trainer wiederholt „Scolare“ – geschenkt. Das gilt auch für die Selbstverständlichkeiten, die wieder über die Situation der deutschen Mannschaft verbreitet wurden. Da ist offiziell alles schön und gut und „wunderbar und positiv“ (Katrin Müller-Hohenstein (darf es anders sein?), und vom joggenden Jogi wurde sogar behauptet, er wolle es „sich und allen beweisen“. Und wir dachten schon, er wolle gewinnen.

Nur mit der Notwendigkeit, zwei Stunden Sendezeit zu füllen, erklären sich solche überflüssigen Einspieler-Häppchen wie „Servus Brazzo“, bei dem der ehemalige Bayern Star Hasan Salihamidzic zeigte, dass es noch nicht zum ZDF-Praktikanten reicht. Informativer war da schon der kleine Brasilianisch-Sprachkurs. Der Schuss in den Torwinkel heißt dort „Wo die Eule schläft“. Dass Fußball so poetisch sein kann...

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen