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TV-Kritik "Wilsberg: Gegen den Strom" Großes Vergnügen

Der neue Krimi mit dem unkonventionellen Privatdetektiv aus Münster bietet wie stets eine sympathische Mischung aus liebgewonnenen bekannten und überraschenden Elementen. 

01.09.2013 10:46
Tilmann P. Gangloff
Ein kauziger Ermittler: Leonard Lansink alias Wilsberg. Foto: imago stock&people

Das Titelwortspiel mochte weder subtil noch wahnsinnig originell sein, aber einen gewissen Witz hatte es doch: „Gegen den Strom“ war bewusst doppeldeutig, denn im Mittelpunkt der Geschichte stand ein Mann, der sich gegen den örtlichen Energielieferanten wehrte. Damit war zu Beginn der Geschichte allerdings Schluss, denn der Mann war tot, und somit schien der Weg für die Kraftwerke Münster frei. Aber zum Glück gab es da ja noch diesen zerknautschen Privatdetektiv, der eigentlich ein Antiquariat führt und noch eigentlicher Jurist ist. Und weil sein bester Freund Ekki als Steuerfahnder fürs Finanzamt arbeitet, öffneten sich den beiden Türen, die ausgerechnet Ekkis Chef lieber geschlossen gesehen hätte, denn mit dem mächtigen Energieunternehmen wollte er sich eigentlich nicht anlegen.

Gewohnt skurrile Züge

Wie fast immer in den „Wilsberg“-Krimis ergab sich der Kriminalfall erst über einen Umweg. Die Geschichte begann mit einer Erbschaft: Irgendwo vor den Toren der Stadt hatte Ekki (Oliver Korittke) das heruntergekommene Eigenheim einer Großtante geerbt. Mit dem Ort verband er recht gemischte Kindheitserinnerungen, und die Leiche, die er und Wilsberg (Leonard Lansink) im Haus fanden, trug auch nur bedingt dazu bei, die Stimmung zu heben; zumal Nachbarin Ulla (Eva Löbau) die beiden am Tatort überraschte, sie prompt für die Mörder hielt und umgehend die Polizei alarmierte. Spätestens mit dem Auftauchen des Dorfsheriffs (Rolf Kanies) nahm der Krimi dann die gewohnt skurrilen Züge an, zumal Regisseur Michael Schneider die Handlung mehr und mehr, aber angenehm beiläufig mit Western-Elementen durchsetzte.

Seit 15 Jahren verkörpert Lansink den unkonventionellen Privatdetektiv nun schon, 38 Filme sind bereits entstanden, und jedes Mal aufs Neue überraschen sie durch eine wunderbare Mischung aus bewährten Elementen und neuen Einfällen. Zu den liebgewonnenen Gewohnheiten gehört naturgemäß das Personal, dem die Autoren (diesmal neben dem regelmäßigen Autor Ecki Ziedrich auch Kyana el Bitar und Matthias Keilich) immer wieder Gelegenheiten für Alleingänge geben. Für die schönsten Auftritte dieser Art sorgt regelmäßig Roland Jankowsky als Chuck Norris von Münster, der mit bewundernswert stoischer Miene auch diesmal wieder dem unvermeidlichen Fettnäpfchen entstieg.

Unvorhersehbare Handlung

Angemessen unvorhersehbar war dagegen die Handlung, selbst wenn dem cleveren Ekki recht bald klar war, dass es bei Strom immer auch um Kohle geht; und dass der raue Wind, der durch die westfälische Provinz fegt, bares Geld sein kann. Außerdem, auch das eine nette Idee, hatte er mit dem örtlichen Regionalmanager der Kraftwerke noch eine Rechnung offen: Dessen Vater war schon in der gemeinsamen Kindheit der örtliche Ordnungshüter, und der kleine Sohn hat dem kleinen Ekki immer die eigenen Untaten in die Schuhe geschoben. Neben den liebevoll entworfenen Figuren, allen voran die von Eva Löbau ganz wunderbar verkörperte hinkende Nachbarin, erfreute „Gegen den Strom“ zudem mit diversen amüsanten Inszenierungselementen. Dass Jankowsky immer wieder mal für eine Slapstick-Einlage sorgt, gehört ebenso zum Baukasten wie die obligate Erwähnung von Bielefeld. Aber dass sich Schneider auch mal beim Horrorfilm bediente, um ein bisschen Schrecken zu verbreiten, belegt, die auch stilistische Bandbreite der „Wilsberg“-Krimis, und so war auch „Gegen den Strom“ wie immer ein großes Vergnügen. 

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