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TV-Kritik: „Wickie und die starken Männer“ Manchmal kommen sie wieder

Nach „Biene Maja“ erlebt nun auch Wickie ein Computer-Comeback.  Ostern steht bei ZDF und Kika ganz im Zeichen der Wikinger.

18.04.2014 13:37
Tilmann P. Gangloff
Wickie, Halvar und Ylvi kehren als digitale Wiedergänger ins ZDF zurück. Foto: ZDF/studio100media

Wer heute in den Vierzigern ist, hat Josef Göhlen drei prägende Kindheitserinnerungen zu verdanken: Wickie, Heidi und die Biene Maja. Göhlen war Mitte der Siebziger Chef des ZDF-Kinderfernsehens und außerdem der erste Redakteur, der die Kooperation mit japanischen Zeichentrickproduzenten wagte. Künstlerisch waren die Ergebnisse schon damals eher fragwürdig, doch da Kinder ja in anderen Maßstäben denken, erfreuen sich die Serien dank regelmäßiger Wiederholungen im Kinderkanal selbst heute noch großer Beliebtheit; aber das hängt womöglich auch mit nostalgischen Anwandlungen der Zielgruppenmütter zusammen.

Stimmen klingen unglaubwürdig

Nach dem Computer-Comeback von Biene Maja im vergangenen Jahr hat das ZDF nun auch einen digitalen Wiedergänger von Wickie produzieren lassen. Das Design entspricht zwar modernen Ansprüchen, orientiert sich stilistisch aber an der comic-haften Grafik des Originals. Die ungleich dichtere Erzählweise dürfte dagegen doppelt so flott sein wie damals, weshalb die 78 Folgen mit jeweils zwölf Minuten auch nur noch halb so lang sind. Und während die alten Episoden aus heutiger Sicht etwas verblichen wirken, sind die neuen Bilder ungleich bunter. Opulenter ist auch das Sounddesign, was allerdings eher gegen die Serie spricht: Zeichentrickproduktionen im Kinderfernsehen zeichnen sich nahezu ausnahmslos durch ein akustisches Überangebot aus. Die Figuren sondern ständig Geräusche ab, und da gerade die Kinder unter den Sprechern naturgemäß keine Profis sind, klingt es meist unglaubwürdig, wenn sie Überraschung oder Atemlosigkeit markieren müssen. Größte Schwachstelle von Ben Hadad, der zwölfjährigen Wickie-Sprecher, ist das Gelächter, und da Wickie meist gute Laune hat, lacht er oft, gern und künstlich. Aber das sind natürlich typisch erwachsene Nörgeleien, die Zielgruppe stört derlei offenbar nicht, schließlich besteht das Kinderfernsehen zum weitaus größten Teil aus anspruchslosem Zeichentrick, der optisch einfallslos und akustisch eine Zumutung ist. 

In einer Hinsicht allerdings gibt es einen Fortschritt gegenüber der vierzig Jahre alten Serie: Der Wickie von damals war ein eher ängstlicher Junge, der seine körperliche Schwäche durch überdurchschnittliche Intelligenz ausglich. Der Held der im Auftrag von ZDF und TF1 (Frankreich) überwiegend in Australien entstandenen neuen Produktion ist dagegen ein ganz normaler kleiner Junge, der für knifflige Probleme pfiffige Lösungen findet, wenn er sich die Nase reibt. Sein Vater Halvar steht zwar immer noch unter dem Pantoffel von Gattin Ylva, ist ansonsten aber weitaus liebevoller als damals. Der Rest der Figuren entspricht den mehr oder weniger tumben Gestalten, die auch schon die Kinderbücher des Schweden Runer Jonsson bevölkert haben.

Alle auf den Spuren der Wikinger

ZDF und Kinderkanal widmen Wickie und den Wikingern das ganze Osterwochenende. Gleich mehrmals gibt bis zu acht Folgen am Stück, unter anderem Karfreitag ab 10.15 Uhr im ZDF oder Karsamstag ab 11.45 Uhr sowie ab 15.00 Uhr im Kika. Im Wissensmagazin „pur+“ (Samstag um 6.35 Uhr im ZDF, Sonntag um 19.25 Uhr im Kika) heuert Eric Mayer auf einem Wikingerschiff an, die Kindernachrichten „logo!“ besuchen ein Wikinger-Museum (Freitag um 19.25 Uhr im Kika), und in „Löwenzahn“ (Sonntag um 8.10 Uhr im ZDF und um 11.05 Uhr im Kika) macht sich Fritz Fuchs gemeinsam mit einem Jungarchäologen auf Wikinger-Spurensuche. Das Medienmagazin „Trickboxx“ (Kika, Sonntag, 15.45 Uhr) beschreibt, wie die neue Serie entstanden ist.

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