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TV-Kritik VOX Idiotentest

VOX präsentiert unter dem Namen "Abgewürgt und Ausgebremst" eine neue Autofahrer-Show. Doch die Sendung besteht zu einem großen Teil aus Werbung und der Wiederholung von Szenen.

"Abgewürgt und Ausgebremst" auf VOX. Die Jury: Verkehrspsychologe Ulrich Höckendorf (l.), Moderatorin Panagiota Petridou und Ex-Rennfahrer Manuel Reuter. Foto: VOX/Bernd-Michael Maurer

Wenn ein Sender mitten im Sommerloch etwas Neues anbietet, steht zu vermuten, dass er nicht besonders überzeugt davon ist. Das war jüngst ein Grund für den Ärger von Götz George, der darüber klagte, dass der Film über seinen Vater Heinrich, in dem er die Hauptrolle spielt, zur Ferienzeit gesendet wird (bei Arte am kommenden Montag).

Und das ist sicherlich auch ein Motiv für Vox, ein an sich so populäres Thema wie Autofahrer-Fehler gerade jetzt zu versenden. In der Nation der Millionen von kleinen Michael Schumachers können die Programmmacher eigentlich ja auf große Resonanz rechnen. Ob sie deshalb gedacht haben, es ist egal, welchen Schrott sie fabrizieren – gesehen wird es auf jeden Fall? „Abgewürgt und ausgebremst“ heißt die neue Doku-Soap, bei der „Deutschlands schlechtester Autofahrer“ gesucht wird.  

So fragwürdig wie dieses Thema ist dann die Durchführung.  Da werden sieben Kandidaten, die angeblich Probleme mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs haben, vergattert, um diverse von einer Jury bewertete Tests zu durchlaufen, und wer am Ende am wenigsten gelernt hat, darf sich mit einer Trophäe schmücken.

Das ist vom Setting her eine Mischung zwischen Big Brother und Heidi Klum – für ganz Arme.  Denn der Aufwand ist extrem gering, die fast zwei Stunden Sendezeit werden mit Wiederholungen von Szenen, Szenen-Wiederholungen und Werbung (mit Wiederholungen) gefüllt. Dazwischen: Paare in peinlichen Situationen.

Ansatzweise Dramatik

Um wenigstens ansatzweise Dramatik in so spannende Szenen wie Geradeausfahren zu bringen, wurde den minderbemittelten Chauffeuren jeweils ein Beifahrer zugeteilt – zugemutet, muss man sagen. Denn die Binsenweisheit, dass ein dazwischen quasselnder Nebenmann den Stress für den Fahrer erhöht – hier wird's zur dramaturgischen Krücke.

Ohne die Nervensägen auf dem Beifahrersitz würden die Leute hinterm Lenkrad vermutlich viel weniger falsch machen. So aber dürfen wir dann hysterisch schreienden Damen und motzenden Männern zusehen – Frauenverachtung und Machismo feiern hier fröhliche Urständ.

Der Volksmund kennt ein Wort für die Prüfung von Personen, die etwa ihren Führerschein abgeben und sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) stellen mussten: Idiotentest.  Dem kommt diese Sendung recht nahe. Allerdings in doppelter Hinsicht: Die Zyniker von Vox haben vermutlich die Sendung selbst als Idiotentest entwickelt: Wer sich diese knapp zwei Stunden freiwillig antut, der hat in Sachen Medienkompetenz versagt und muss wieder lernen, den Knopf zum Ausschalten zu betätigen. Bloß gibt es dafür leider  keinen Führerschein.

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