Lade Inhalte...

TV-Kritik "Menschen bei Maischberger" Stoff zum Nachdenken

Seit Monaten zeigt sich die westliche Welt unfähig, den Vormarsch der Terrormilizen des „Islamischen Staates“ zu stoppen. Es herrscht Ratlosigkeit. Und Angst, dass sich der Terror an der türkischen Grenze erst auf die Türkei selbst und dann weiter nach Europa ausbreitet.

22.10.2014 08:14
Bärbel Böttcher
Moderatorin Sandra Maischberger. Foto: dpa

Seit Monaten zeigt sich die westliche Welt unfähig, den Vormarsch der Terrormilizen des „Islamischen Staates“ zu stoppen. Es herrscht Ratlosigkeit. Und Angst, dass sich der Terror an der türkischen Grenze erst auf die Türkei selbst und dann weiter nach Europa ausbreitet. „Kreuzzug des IS: Wird aus dem Glaubenskrieg ein Flächenbrand?“ - das war denn auch das Thema der Diskussionsrunde bei Sandra Maischberger. Am Ende gab es auf die Frage natürlich keine eindeutige Antwort, aber immerhin doch einige bemerkenswerte Denkanstöße. Und die kamen in erster Linie von Kennern der Region und der Menschen die dort leben.

In erster Linie ist da die RTL-Korrespondentin Antonia Rados zu nennen. Sie hat erst jüngst Syrien und den Nordirak bereist, hat dort sowohl mit Kämpfern als auch mit Gegnern des Islamischen Staates (IS) gesprochen.  Die Journalistin machte zunächst darauf aufmerksam, dass das, was der Westen seit einigen Wochen fassungslos zur Kenntnis nimmt, bereits seit gut drei Jahren Realität ist. Und sie stellte die Frage, welche Signale aus Europa das Bemühen um Demokratisierung im Nahen Osten begleiteten. „Ist es denn glaubwürdig, wenn wir dabei Alliierte haben, die seit drei Jahren die radikalsten Gruppen in Syrien unterstützen?“, fragte sie. Vor Augen hatte sie dabei beispielsweise Saudi-Arabien und Kuwait.

Eine Antwort versuchte Antonia Rados auf die Frage zu geben, warum die Terrormiliz  offensichtlich auch für junge Männer aus dem Westen  attraktiv ist. 1500 Rebellengruppen gebe es allein in Syrien. Der IS habe es geschafft, aus  kleinen Gruppen eine schlagkräftige militärische Organisation zu machen, die sich als Ideologie den Islam gewählt habe. Sie sei erfolgreich, habe Geld  und deshalb attraktiv.

Zu dieser Frage steuerte der Journalist Günter Wallraff die Erkenntnis einer Studie bei, nach der die Hälfte der etwa 460 bekannten Kämpfer aus Deutschland aus radikalisierten Moschee-Gemeinschaften stamme. Viele andere hätten mit dem Islam aber gar nichts zu tun. Es seien perspektivlose Jugendliche auf Identitätssuche.

Die Muslima Kristiane Backer, die mehrfach betonte, dass der IS nichts mit dem Islam gemein habe,  sprach von „rebellischen Teenagern“, die „theologisch nicht gefestigt“ seien. Sie wollten kämpfen,  protestierten so gegen das Islam-Bashing des Westens.

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag stellte ganz selbstkritisch die Frage, warum es nicht gelungen sei, die jungen Männer von „unseren Werten“ zu überzeugen. Sie  stellte fest, dass „wir nicht genug um diese Jugendlichen kämpfen“, ja nicht einmal merken, wenn sie abdriften. Und sie nannte es unverständlich, dass vor diesem Hintergrund die Haushaltsmittel, die für Prävention in diesem Bereich vorgesehen sind, immer weiter zurückgefahren werden.

Einig war sich die Runde, zu der auch der Nahostexperte Ulrich Kienzle sowie der Publizist Jakob Augstein gehörten, dass der Ausgangspunkt der heutigen Situation im Jahr 2003 zu suchen ist - dem Beginn des Irak-Kriege. Der habe viele Menschen radikalisiert.

Einen Disput gab es dagegen über die Frage, wie den der IS zu bekämpfen sei. An dieser Stelle brachte die Diskussion  keine neuen Erkenntnisse. Sie war streckenweise genauso wie die Lage im Nahen Osten - etwas unübersichtlich.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen