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TV-Kritik: Menschen bei Maischberger Keine Antworten auf spannende Fragen

Sandra Maischberger diskutierte am Dienstagabend über das  Thema «Betrüger und Betrogene: Lernen wir nichts dazu?» Trotz interessanter Gäste bleiben am Ende viele Fragen und das Gefühl der Hilflosigkeit.

29.10.2014 09:48
Susann Lehmann
Zu Gast bei Sandra Maischberger (M) v.l.n.r.: Bodo Pfalzgraf (Polizeihauptkommissar), Harald Hueber (Betrugsopfer), Halina Löffler (Betrugs- und Erpressungsopfer), Peter Escher (Fernsehmoderator), Jeannette Ulrich (Ex-Frau von Mike Ulrich) und Mike Ulrich (Millionenbetrüger). Foto: ARD

Immer wieder warnt die Polizei vor dem sogenannten Enkeltrick und immer wieder werden Opfer um große Summen Geld gebracht. Warum kommt es trotzdem zu Betrugsfällen? Lernen wir nichts dazu? „Menschen bei Maischberger“ hat versucht, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Die Auswahl der Gäste klang zunächst vielversprechend: Zwei Betrugsopfer, ein Polizeihauptkommissar, ein Betrüger und der „Robin Hood des MDR“ Peter Escher waren zu Gast.

Die Managerin und alleinerziehende Mutter Halina Löffler berichtet über eine Internetliebe, die sie niemals getroffen hat. Trotzdem gewann der Mann ihr Vertrauen. Die Hamburgerin schickt dem Mann, der sich als liebevoller Familienvater und Millionär ausgab, sogar Nacktbilder.

Erst Liebe, dann Erpressung

Auch als der vermeintliche Millionär sie darum bittet, ihr 45.000 Euro für seine Nichte zu überweisen, die in Geldnot steckt, wird Löffler zwar misstrauisch, lässt sich von Anrufen der scheinbar vertrauenswürdigen Ex-Frau ihres Freundes aber beruhigen. Als sie sich trotzdem weigert, das Geld zu zahlen, macht der Mann, der angeblich in Monaco lebt, Schluss. Kurze Zeit später droht er, ihre Nacktbilder zu veröffentlichen und ihrem Sohn etwas anzutun. Die Managerin überweist das Geld und engagiert einen Privatdetektiv.

Im November stehen der Hartz IV-Empfänger und seine Frau vor Gericht. Ob Löffler eine Chance habe, ihr Geld wiederzubekommen, fragt Maischberger den Polizeihauptkommissar Bodo Pfalzgraf. Dieser gibt eine Antwort, die unbefriedigender nicht sein könnte: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ So unkonkret die Antworten zu einem eigentlich spannenden Thema sind, so vorhersehbar auch die Fragen der Moderatorin.

Hat Löffler den Mann nicht gefragt, warum er als angeblicher Millionär Geld von ihr braucht? Während einem als Zuschauer solche Fragen durch den Kopf gehen, fragt Maischberger den Kommissar, ob Löffler die Täuschung nicht eher hätte bemerken müssen. „Hätte, hätte Fahrradkette“ ist dessen Antwort.

Spannende Beispiele und unbeantwortete Fragen

Der Rentner Harald Hueber entgeht zunächst einem Gewinnspiel-Betrug, wird dann aber - angeblich von Interpol - telefonisch gebeten, bei der Ergreifung der Betrüger zu helfen. Dafür soll er Geld überweisen, das er später jedoch zurückbekommen soll. Der 78-Jährige verliert all seine Ersparnisse und wird bis heute bedroht. Trotz der interessanten Fallbeispiele, die über den bekannten Enkeltrick hinausgehen, schafft es die Sendung nicht, die Frage „Lernen wir nichts dazu?“ zu beantworten.

Immer wieder verliert sich die Diskussionsrunde im dem breitgefächerten Thema. So wird kurz der Mangel an Personal bei der Polizei angesprochen oder das „Nord-Süd-Gefälle“ in der Bewertung von Justiz-Fragen erwähnt. Das alles sind aktuelle und spannende Themen, bei denen ein Halbsatz am Rande jedoch nicht ausreicht. Auch die Erkenntnis, dass Betrugsfälle durch das Internet zunehmen und Online-Banking nicht sehr sicher ist, dürfte keinem der Zuschauer neu sein.

Spannend wird es, als der verurteilte Betrüger Mike Ulrich berichtet, was ihn dazu brachte, Urkundenfälschung und gewerbsmäßigen Betrug in 25 Fällen zu begehen, und der Zuschauer so auch die Sicht auf die andere Seite erhält.

Doch auch die drei Tipps von Peter Escher, wie man sich vor Betrug schützen kann, wirken abgedroschen: „Niemand hat etwas zu verschenken, benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand und seien Sie vorsichtig, wenn bei den geforderten Aktionen Eile geboten ist.“

Immerhin: Dank einer Einlage des Zauberers Victor Lazzaro wissen die Zuschauer nun, wie Hütchenspieler vorgehen. „Wenn Sie jetzt nochmal spielen und darauf reinfallen, sind Sie selbst Schuld“, so das Urteil von Maischbeger. Dieses Gefühl beschleicht den Zuschauer am Ende der Sendung dann auch: Es gibt keine konkreten Schutzmaßnahmen vor Betrug und wenn man doch Opfer wird, ist man selbst Schuld.

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