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TV-Kritik Menschen bei Maischberger Heftige Debatte um Beschneidung

Im ARD-Talk „Menschen bei Maischberger“ wird über das Thema Beschneidung diskutiert. Dabei prallen Argumente und Vorwürfe einigermaßen vehement aufeinander. Moderatorin Sandra Maischberger behält in der erregten Debatte einen kühlen Kopf und beweist Durchsetzungsvermögen.

15.08.2012 06:39
Torsten Wahl
TV-Moderatorin Sandra Maischberger. Foto: WDR/Max Kohr

Im ARD-Talk „Menschen bei Maischberger“ wird über das Thema Beschneidung diskutiert. Dabei prallen Argumente und Vorwürfe einigermaßen vehement aufeinander. Moderatorin Sandra Maischberger behält in der erregten Debatte einen kühlen Kopf und beweist Durchsetzungsvermögen.

Auf die Frage, was denn nun die Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen eigentlich sei, lieferten die Teilnehmer die verschiedensten Antworten. Als „essentiellen Teil jüdischen Lebens“ beschwor Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden den Eingriff, während Beschneidungsarzt Sebastian Isik die hygienischen Vorteile pries und den Eltern die Verantwortung dafür zuwies – ohne elterlichen Druck würden Kinder nicht mal Zahnspangen tragen.

Dagegen stellten die beiden Frauen, die zur Verteidigung des umstrittenen Kölner Urteils angetreten waren, vor allem das Kindeswohl heraus. Christa Müller verwies darauf, dass Ohrfeigen verboten sind – demzufolge erst die Beschneidung. Ihrer weitergehenden Argumentation, wer Beschneidungen an Jungen erlaube, erlaube bald auch die Genitalverstümmelung an Mädchen, mochte allerdings kaum einer folgen.

Necla Kelek wiederum, die mit ihrer rigorosen Islamkritik gern in Talkshows eingeladen wird, heizte wie erwartet die Debatte an und prangerte den Brauch als archaische Körperverletzung an.

Sammelstelle für Unterhosen-Fussel

Interessanterweise verteilten sich bei diesem Thema die Geschlechterrollen anders als gewohnt. Während ansonsten meist die Männer mit Lautstärke und Dauerreden ihre Position durchzusetzen versuchen, waren es in dieser Runde fast immer die Männer, die mal für Entspannung sorgten, etwa als Sebastian Isik die männliche Vorhaut als „Unterhosenfusselsammelstelle“ bezeichnete oder der eloquente Dieter Graumann anmerkte, er lasse sich seinen Optimismus nicht beschneiden.

Demgegenüber setzten Christa Müller und Necla Kelek auf eine permanente moralische Anklage, die keinerlei gegnerische Argumente akzeptierte und oft in Selbstgerechtigkeit mündete. So wurde diese Debatte immer wieder auf den Anfang zurückgeworfen und entwickelte sich nicht weiter. Einen großen Toleranztest nannte Zentralratschef Graumann abschließend die Diskussion – viel Toleranz haben die Befürworter der Beschneidung in dieser Sendung nicht erfahren.   

 

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