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TV-Kritik Günther Jauch Mythos Bio?

Günther Jauch diskutiert über die Vor- und Nachteile von Bio-Lebensmitteln. Doch die Debatte geht am eigentlichen Thema vorbei.

17.09.2012 07:06
Michael G. Meyer
Günther Jauch. Foto: dapd

Bio ist das ganz große Ding:  Spätestens seitdem eine ganze Reihe von Biosupermärkten aufgemacht haben, die aussehen wie Gourmet-Läden, ist klar: Bio ist ein großes Heilsversprechen, und darüber hinaus ein gutes Geschäft. 

Doch wie wertvoll sind die biologisch erzeugten Lebensmittel wirklich?  Darüber gehen die Meinungen auseinander. Und zwar erheblich. Mehr als sechs Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für Bioprodukte aus – vier Prozent des Lebensmittelmarkts - im Glauben, sich gesund zu ernähren, Acker und Tiere gut zu behandeln.

Doch Massentierhaltung, und sei es auch in Bio-Variante, ist immer ein Problem:  Hühner lassen Federn, das ist kaum zu vermeiden, wie ein kurzer Beitrag gestern Abend illustrierte. 

Qualitätsspirale nach unten

Und dennoch:  Konventionelle Lebensmittelerzeugung auf der anderen Seite, gerade die Fleischproduktion, verursache eine „Qualitätsspirale nach unten“, wie die Fernsehköchin Sarah Wiener bemerkte.

Kurz gesagt:  Wer nur drei Euro für eine große Schale Fleisch ausgibt, dürfe sich auch nicht wundern, wenn Chemie im Essen ist.  Aber darüber hinaus müsse man das Thema ganzheitlich denken, die künftige Landwirtschaft werde „ökologisch sein, oder gar nicht mehr sein“, so Sarah Wiener. 

Im Grunde ging die Debatte bei Jauch auch am eigentlichen Thema vorbei, Wiener war denn auch sichtlich genervt von der Sendung:  Ob man zwingend immer Bio konsumieren muss, ist eine Frage – Fakt ist jedem Fall:  In der Bioproduktion werden weniger Pestizide eingesetzt, weniger Dünger versprüht und die Tiere werden, zumindest meistens, in kleineren Herden mit weniger Medikamenten großgezogen.

In der konventionellen Tierproduktion werden, statistisch, 40 mal mehr Antibiotika eingesetzt, als in der Human-Medizin. Wer da noch im Supermarkt beherzt zum Billig-Fleisch greift, muss zumindest eine gewisse Resistenz haben.  Guten Appetit! „Mir greift die Debatte zu kurz“, monierte Wiener denn auch. 

Dauer-Verharmloser

Einer jener Dauer-Verharmloser in dieser Diskussion ist der Lebensmittelexperte Udo Pollmer. Pollmer findet stets immer fast alles unbedenklich. Seine Botschaft scheint zu sein:  Essen Sie doch was Sie wollen. „Bio ist nicht gleich Bio“, meint Pollmer.

Alles Quatsch also?  Auf die Idee konnte man fast kommen bei Jauch.  Fazit: Die dümmlich- unterkomplexe Sendung thematisierte nicht das, worum es eigentlich geht:  Beispielsweise blieb völlig außen vor, welche ökologischen Folgen der exzessive Fleischkonsum hat: 1000 Liter Wasser sind nötig, um ein Kilo Fleisch zu erzeugen. 

Ist das nachhaltig und zukunftsorientiert in einer Welt mit immer mehr Menschen? Wohl kaum.  Ein cleverer Einkaufszettel, mit mehr Obst und Gemüse, und weniger Fleisch ist in jedem Fall eine gute Idee. Doch das kam bei Jauch nur am Rande vor.

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