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TV-Kritik: "Grzimek" Mensch und Mistkerl

Bernhard Grzimek ist bekannt als legendärer Frankfurter Zoodirektor und Afrika-Reisender. Nun hat die ARD eine Filmbiographie über ihn gedreht. „Grzimek“ ist lehrreich, lang und wirklich kein Heldenepos.

Ulrich Tukur ist ein guter Grzimek, wenn auch kein sympathischer. Foto: ARD Degeto/UFA Fiction/Roland Su

Bernhard Grzimek war ein großer Mann, ein Weltbeweger, überragender Tierschützer und Naturfreund, Impulsgeber für so vieles, was seine Erben im Ringen um die Umwelt heute weiterführen. Das muss man nicht, kann man sich aber noch einmal kurz klarmachen, ehe man am Karfreitag die Filmbiografie „Grzimek“ im Ersten anschaut. Darin geht es nämlich zu einem ordentlichen Teil um Zwischenmenschliches, und auf dem Gebiet kommt der legendäre Frankfurter Zoodirektor und Afrika-Reisende nicht besonders gut weg. Da zeigt ihn Regisseur Roland Suso Richter als Mistkerl. Und nach allem, was man hört – das war er dann ja wohl unter anderem auch.

Das ARD-„Biopic“ steigt gleich deftig ein. Grzimek will nicht mehr. Sich nicht mehr vorführen lassen „von diesen Pressefuzzis“. Auslösender Pressefuzzi, das erfahren wir viel später, ist Alfred Biolek als Talkshow-Gastgeber, der allzu intensiv nachfragt, wie das denn so war mit den Frauen.
Es gibt auch gleich zu Beginn Elefanten, es gibt gleich kriegszertrümmertes Frankfurt, und es gibt gleich Abwägung zwischen Menschenwohl und Tierwohl. Grzimek karrt 1945 als Referent des Oberbürgermeisters zentnerweise Gemüse durch die darbende Stadt in den Zoo. „Haben Sie den Verstand verloren?“, fragt ihn der US-Major. Das Erdmännchen erschießen, damit es nicht verhungern muss, das will der Herr Militär dann aber auch nicht.

Ulrich Tukur gibt den Grzimek. Das fällt besonders auf in den vielen Zitaten aus dem Off, etwa: „Es ist ein Verbrechen an der Schöpfung, untätig zu sein, wenn die Welt im Untergang begriffen ist.“ Es wirkt seltsam, dass Tukurs Stimme das sagt – vielleicht erwartet man unbewusst Grzimeks eigene Stimme, Fernseh-Deutschland kennt sie ja noch. Gegen Ende lässt dieses Befremden ein wenig nach. Tukur ist ein guter Grzimek, wenn auch kein sympathischer.

Wundervolle Naturaufnahmen

„Retten wir also den Zoo“, beschließt Bernhard Grzimek nach dem Krieg; da noch im Einvernehmen mit seiner Frau Hildegard (leidensfähig: Barbara Auer). Wir erleben die Rettung des Frankfurter Zoos durch Hingabe und Einsatz, anschließend erleben wir die angestrebte Rettung der afrikanischen Tierwelt vor den Wilderern durch Geschick und Diplomatie.

Wir sehen Grzimek und befreundete Eingeborene beim offenbar kinderleichten Einfangen von Krokodilen, Schlangen und Raubkatzen im Urwald, nur als der Deutsche auch noch ein Flusspferd will, da lacht der Stammeshäuptling. Ein Flusspferd lebend einfangen, wie soll das denn gehen? Der große Grzimek wird es dem Wilden schon zeigen, während er daheim seine Familie vernachlässigt.

„Grzimek“ zeigt wundervolle Naturaufnahmen, die Serengeti aus der Luft, schöne Tiere, den Ngorongoro-Krater im Sonnenuntergang – das sind die Momente, in denen der Film ins Kino gehört. Und dann folgt wieder eine Reihung von Episoden, wie sie in einer gespielten Fernsehdoku gut aufgehoben ist. Das Schnurren des Haus-Geparden Cheetah ist ein Soundtrack des Films, das Weinen der Ehefrau ein weiterer: „Die Serengeti darf nicht sterben, aber dein Sohn schon.“ Das schöne und starke Gesicht hat Katharina Schüttler in der Rolle der Schwiegertochter Erika.

Es ist ein lehrreicher Film, ein langer Film, fast drei Stunden, was will man machen, es ist halt viel passiert im Leben dieses Mannes. Kein Heldenepos; sehr klar wird, dass Grzimeks Herz ein Platz für Tiere ist, nicht direkt für Menschen. Der Mensch ist ihm eine Bestie, die Krieg führt gegen den Planeten. Gut, dass es jemand schon vor so langer Zeit ausgesprochen hat, und gut, dass „Grzimek“ permanent die Frage stellt, ob wir daraus gelernt haben.

Um nicht zu arg mit dem Familienschweinehund zu hadern, hilft übrigens zumindest der Generation Babyboom ein wenig, dass sich in den alternden Grzimek die Erinnerung an Loriot und seine Persiflage im gelben Pullover einmischt. Ein Kernsatz des Films könnte auch von ihm stammen: „Vielleicht daher der Name Ochsenfrosch.“

Grzimek. Karfreitag, ARD, 20.15 Uhr.

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