Lade Inhalte...

TV-Kritik: „Göttliche Funken“ Was nützt die Liebe in Gedanken?

Das Liebesdrama ist vor allem dank Devid Striesow und Anna Maria Mühe ein wunderbar gespielter und überraschend anspruchsvoller Freitagsfilm im „Ersten“.

31.05.2014 08:30
Tilmann P. Gangloff
Matthias (Devid Striesow) und Diana (Anna Maria Mühe) werden von Lily (Jeanette Hain) getraut. Foto: ARD Degeto/BR/Kerstin Stelter

Die Geschichte beginnt, wo andere enden: mit einer Traumhochzeit, wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt. Die Bilder sind idyllisch, die Kleider wunderschön, die Liebe offenkundig. Eine kleine Irritation gibt es allerdings doch: Der protestantische Pfarrer hatte einen Unfall. Er wird von einer Kollegin vertreten, und die entpuppt sich als die einstige große Liebe des Bräutigams.

Das Drehbuch ist von Sathyan Ramesh („Eine Nacht im Grandhotel“, „Vier sind einer zuviel“), und dessen Liebesgeschichten zeichnen sich regelmäßig dadurch aus, dass sie das Genre gegen den Strich bürsten oder zumindest einen unerwarteten Verlauf nehmen. Das gilt auch für „Göttliche Funken“, denn obwohl Matthias (Devid Striesow) seine Diana (Anna Maria Mühe) liebt und auch Pfarrerin Lily (Jeanette Hain) in festen Händen ist, können sich die beiden irgendwann nicht mehr beherrschen und beginnen eine Affäre.

Mit Hilfe von Rückblenden verdeutlichen Ramesh und Regisseurin Maria von Heland, wie groß die gegenseitigen Gefühle von Lily und Matthias schon während der Schulzeit waren. Eine Begegnung mit Lilys holländischem Mann Jan (Barry Atsma) gibt der Geschichte ein zusätzliches Fundament, denn auch Jan kannte die beiden schon vor 25 Jahren; Matthias war damals offenbar ein willkommenes Mobbing-Opfer seiner Mitschüler und Lily die Einzige, die zu ihm hielt. Trotzdem vermeiden es Buch und Regie, ihre Liebe zu glorifizieren.

Wunderbares Ensemble

Dass die Gratwanderung zwischen Sympathie und Moral funktioniert, ist nicht zuletzt dem wunderbaren Ensemble zu verdanken. Devid Striesow verkörpert Matthias auf eine Weise, die durchaus vorstellbar macht, dass er auf seine Mitmenschen einst anders wirkte; wenn ihm was nicht passt, kann er auch mal trotzig und bockig wie ein Kind reagieren.

Jeanette Hain wiederum versieht die Pastorin mit einem inneren Strahlen, das ihre Berufswahl sehr nachvollziehbar macht. Ebenso wichtig wie die beiden Hauptfiguren sind die Menschen an ihrer Seite: Anna Maria Mühe spielt Diana als gut gelaunten Sonnenschein voller Lebensfreude und ist damit Lilys Mann Jan viel ähnlicher als dem eher nachdenklichen Matthias. Der Holländer Barry Atsma ist zudem ein interessanter Typ und ein völlig neues Gesicht fürs deutsche Fernsehen.

Abgerundet wird die Geschichte durch interessante Details am Rande. Dazu zählt auch der Schauplatz: Der Film spielt in Regensburg, Matthias ist nach längerer Abwesenheit als neuer Verwalter der Walhalla in seine Heimatstadt zurückgekehrt; die Gedenkstätte ist naturgemäß ein ausgesprochen reizvoller Drehort.

Ausgesprochen stimmig ist auch die Musik, eine gelungene Mischung aus bekannten Songs und Eigenkompositionen (Alasdair Reid, Kriton Klingler-Ioannides). Aber auch der Film ist mitunter regelrecht komponiert. Das gilt vor allem für eine eindrucksvolle Sequenz, die den letzten Akt einläutet: Matthias und Lily beichten Diana und Jan ihre Affäre. Dank des Schnitts, der die beiden Gespräche kunstvoll miteinander verwebt, wird die Szene zu einem Dialog zu viert. Dass Lilys Predigten wie Kommentare zur Handlung wirken, versteht sich fast von selbst.

 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen