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TV-Kritik: „Ein gefährliches Angebot“ Ina und die Wölfe

Ein routinierter Krimi um eine junge Polizistin, der ganz auf die Hauptdarstellerin Petra Schmidt-Schaller setzt.

Geheimes Treffen: Theissen (Armin Rohde, r.) und Gütschow (André Hennicke, l.) treffen sich auf dem Silo. Auf wessen Seite steht Gütschow? Foto: ZDF und Britta Krehl

Es geht alles ein bisschen flott hier. Kaum hat die junge Polizistin Ina die Prüfung zum höheren Dienst hinter sich, wird sie schon von ihrem ehemaligen Chef angeworben. Der ist jetzt bei einer Firma für Sicherheitstechnik und Überwachung und bietet ihr einen Job an: Sie sei ja sowieso durch die Prüfung gefallen, eröffnet er der Ahnungslosen. Mit dem Ruf „Du Arschloch“ stürmt sie davon – nur um wenig später, als die schriftliche Bestätigung kommt, doch bei der Firma des Beschimpften anzufangen. Und schon bald zur Abteilungsleiterin befördert zu werden.

Damit haben Hannu Salonen, Regie-Routinier, der sich schon mit einigen „Tatort“-Folgen mit Axel Milberg als Borowski hervorgetan hat, und Drehbuchautor Sven Poser umstandslos die Basis für ihre Geschichte um Bespitzelung und unschöne Machenschaften in Wirtschaftskreisen gelegt. Ex-Polizist Theissen (Armin Rohde mit sichtbarer Lust an seiner Rolle als väterlich-verschlagener Strippenzieher) will einen Auftrag vom Konzern  „Ecotec“ ergattern. Dazu muss er die Kompetenz seines Unternehmens beweisen. Das gelingt erfahrungsgemäß am besten, wenn der Feuerwehrmann als heimlicher Brandstifter tätig wird. Und damit er sich dabei die Finger nicht verbrennt, schickt er seine Leute vor –  eben die unerfahrene Ina und ihr zur Seite den so wortkargen wie abgebrühten Gütschow (André Hennicke) der sich nur mit Nachnamen anreden lässt.

Ina taucht in eine blaugetönte Schattenwelt (Kamera: Wolf Siegelmann) aus Monitoren und Überwachungstechnik ein, und dackelt selbstverständlich dem erfahrenen Kollegen erstmal hinterher, und dabei zeigt sich eine Schwäche des Drehbuchs: Es konzentriert sich auf  die Hauptdarstellerin, aber Petra Schmidt-Schallers Figur schwankt dauernd zwischen der Ermittlerin, die wissbegierig-ehrgeizig ihrer Aufgabe nachgeht, einen Verräter im Ecotec-Konzern aufzuspüren, und der etwas naiven Jung-Detektivin, die leicht kuhäugig Machenschaften und Macht-Mechanismen unter Managern entdeckt: Ina und lernt die Wölfe kennen, die ein größeres Rudel bilden, als sie ahnt.

Auch haben Poser und Salonen als Autoren der doch als attraktiv inszenierten jungen Frau weder Freund noch Familie gegönnt; damit sie nicht vollends alleine (und unglaubwürdig) durch die für sie neue Welt der Großkonzerne stapft, taucht ab und zu ein Ex-Kollege als  personifizierte  Informationsbeschaffung und Warnung vor den Skrupellosigkeiten der Wirtschaftselite auf. Doch da gibt es auch die Guten, denen hier der im ZDF anderweitig als Cop tätige Christian Berkel, darstellerisch ziemlich unterfordert, seine Stirnfalten-Mimik leiht. Und in brisanten Situationen ist Ina dann doch wieder clever genug, schließlich handelt es sich hier um einen Film im Programm des ZDF, und da hat nicht nur die Satire, sondern auch die kriminelle Energie von Spitzen der Gesellschaft ihre Grenzen.

So bleibt, auch wenn Autor Poser sich auf ein reales Vorbild für seine Geschichte beruft, am Ende ein modernes Märchen vom Naivchen und den Wölfen, das den Zuschauern die Furcht vor einer unruhigen Nacht nimmt und stattdessen in der Schlusseinstellung suggeriert,  es könnte weitere Abenteuer mit Ina geben.

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