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TV-Kritik: Die Anstalt Die frivolen Feministen

Claus von Wagner und Max Uthoff widmen sich in ihrer Satiresendung der Benachteiligung von Frauen – mit Nachhilfe von Carolin Kebekus und Lisa Politt.

Claus von Wagner und Max Uthoff. (Archivbild) Foto: imago/APress

Im ersten Moment stellen sich die Nackenhaare auf: Eine Beerdigung im Kabarett – und das, während in Nepal die Katastrophe tobt? Doch rasch erfasst die Kamera das Frauenpower-Zeichen mit einem Trauerflor, und der Sarg im Vordergrund enthält: den Feminismus. Der aber selbstverständlich gar nicht so tot ist, wie es die Herren von Kirche, Politik & Wirtschaft (Christoph Sieber, Claus von Wagner und Max Uthoff) behaupten – im Gegenteil: eine putzmuntere Lisa Politt, standesgemäß mit feuerrotem Haar und schwarzer Lederkluft, entsteigt dem Erdmöbel und nimmt zusammen mit Kollegin Carolin Kebekus die Herren der Schöpfung schön in die Mangel.

Da spielen die Männer – Männer, und sehen dabei argumentativ recht alt aus. In der Realität aber sind es die Frauen. Sie haben den Arbeitsmarkt jetzt doch erobert, sagt von Wagner, um dann eine Zahl zu nennen: Im Niedriglohnsektor arbeiten zu 70 Prozent Frauen... Wieder wissen von Wagner und Uthoff die Stärken ihres Konzepts auszuspielen: Sie haben gut recherchieren lassen und bringen die Ergebnisse dann in ihren Dialogen so unter, dass die Pointen nur so funkeln. Etwa wenn sie das Geschlechterverhältnis mit Börsenmetaphorik kommentieren und nüchtern feststellen, dass die Anleger gerne „ihre Vermögen von den alten Anlagen abziehen und ihr Portfolio auffrischen“.

Anders als sonst werden die Gäste, Kebekus und Politt zumal, diesmal permanent eingebunden. Die Gastgeber übernehmen dabei die Rolle der ignoranten Männer und Arbeitgeber als Autoren der „Anstalt“, was die Szenen zum so vergnüglichen wie nachdenklich machenden Screwball-Kabarett geraten lässt. Nur drei Frauen in zehn Sendungen, stellt Lisa Politt fest. Ja, aber jetzt heiße es statt „Neues aus der Anstalt“ ja auch „DIE Anstalt“, antwortet von Wagner. Und bei Politts Frage nach der Betreuung ihrer Kinder müssen die Herren zerknirscht passen. Er habe, so Uthoff, das Kind einer auch nachts geöffneten Krippe übergeben, die von einer „Elternteil-Initiative“ unterhalten werde – seiner Frau...

Zwischen Kalauern und beißender Kritik werden immer wieder Fakten genannt, und die Autoren scheuen auch nicht davor zurück, die Sendung als Pranger zu benutzen. So werden eine junge Redakteurin der Welt und ihr Kollege vom Feuilleton des Blattes mit Zitaten über den Feminismus erwähnt, die sie als so bornierte wie gedankenlose Schreiberlinge erkennbar machen.

Dass für die Rechte der Frauen weiterhin gekämpft werden muss, können die frivolen Feministen mit hinreichenden Belegen klar machen, und am besten sind sie wieder, wenn sie ihre Thesen theatralisch umsetzen. So im Wettlauf zwischen Mann und Frau, wenn Sieber und Kebekus über die Bühne hetzen im Bemühen, Beruf, Familie und Karriere zu vereinbaren und Kebekus bald hoffnungslos abgehängt wird, was von Wagner als Statistiker mit Zahlen etwa über das „von den Nazis zuletzt eingeführte“ Ehegattensplitting und der Mitteilung kommentiert, dass sich Männer bei jedem zweiten Kind um den Unterhalt drücken.

So sehr das Thema auch zunächst scheinbar fernab der Aktualität angesiedelt scheint, verstehen es die Autoren doch deutlich zu machen, dass es immer aktuell ist. Auch einige die Öffentlichkeit derzeit bewegenden Geschehnisse wie die vom Ertrinken bedrohten Flüchtlinge und das Gebaren der übrigen Europäer gegenüber Griechenland bekommen ihre satirische Erwähnung, aber das geschieht in Monologen, und da geraten von Wagner und Uthoff und vor allem ihre Gäste doch oft in das Fahrwasser des guten alten Kabaretts Münchener und Leipziger Schule und rennen bisweilen offene Türen ein, auch wenn sie immer noch bissiger sind als alle anderen Kollegen in bundesdeutschen TV-Sendungen – nun ja, von Jan Böhmermann abgesehen vielleicht. Aber der fährt auf einem anderen satirischen Gleis, indem er nichts und niemanden ernst nimmt. Er wird übrigens in dieser Ausgabe der „Anstalt“ besonders erwähnt. Der Grund: Er hat Sigmar Gabriel erfunden...

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