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TV-Kritik: Der "Deutsche Bahn-Check" Nur zu 76 Prozent pünktlich

Die ARD nimmt sich bei ihrer Verbraucher-Reihe diesmal die Bahn vor – mit Test-Ergebnissen, die den Bahnkunden nicht überraschen können.

Die ARD testet die Kundenfreundlichkeit der Bahn. Foto: REUTERS

Lange bevor das Öffentlich-rechtliche Fernsehen die Verbraucher als Zielgruppe entdeckte, gab es bei den Zeitungen und Zeitschriften Berichte zu Themen, über die Otto Normalverbraucher immer schon mal aufgeklärt werden wollte. Die Frankfurter Rundschau zum Beispiel hatte in ihrem Lokalteil jahrzehntelang eine Rubrik, die in der Redaktion „Lesertelefon“ genannt wurde. Das war eine Art Kummerkasten für Beschwerden aller Art. Und die Liste der dort am häufigsten genannten Unternehmen führten zwei Staatskonzerne an: Bahn und Post. Letztere ist heute in Telekom, Post und DHL aufgeteilt und bietet in der Summe vermutlich immer noch genauso viel Anlass zu Unmut, die Bahn aber bleibt ihrem Ruf treu: Sie funktioniert in den Augen ihrer Kunden eher schlecht als recht.

Nun ist die Frage, ob ein solcher Koloss mit Tausenden von Mitarbeitern und Millionen Tonnen von zu bewegenden Menschen und Materialien überhaupt beherrschbar und zu einem reibungslosen Ablauf in der Lage ist. Die Bahn selbst würde das selbstredend beteuern. Ihre Kunden aber erleben das wohl doch anders. Die ARD hatte bei "Der Deutsche Bahn-Check", der neuen Folge ihrer Reihe „Der Marktcheck“, also eher leichtes Spiel, dem Unternehmen Unzulänglichkeiten die Menge nachzuweisen. Denn nachdem der berüchtigte Hartmut Mehdorn die einst gemütliche Schwäb’sche Eisenbahn zu einem Transportschnelldienst für Geschäftsleute umzumodeln versucht hatte und als Sinn und Zweck des Ganzen nicht etwa die Beförderung von Personen und Waren, sondern das Geldverdienen verkündet hatte, rasen schön weiß-rot angemalte ICE zwischen Kiel und Koblenz hin und her, dazwischen aber herrscht nicht selten das Chaos.

Groschengrab Fahrkartenautomat

Das fängt, so ergaben die wieder recht aufwändigen Tests des Filmteams, mit den Preisen an und hört mit der Pünktlichkeit noch nicht auf. Der Fahrkartenautomat als Groschengrab: So kostete eine Fahrt von Wuppertal nach Gütersloh einmal 38, das andere Mal aber nur knapp 18 Euro. Warum das so ist, hätte man allerdings auch noch gerne erfahren. Detaillierter waren da die Angaben über eine Fernreise von Wuppertal nach Bayreuth, für die je nach Reisebüro und Auskunft zwischen 388 und 258 Euro zu bezahlen waren. Dass die Preise, so das Fazit der Tester, „undurchschaubar“ seien, ist da doch eine eher schönfärberische Formulierung.

Glatt gelogen ist dann die Behauptung der Bahn, die Pünktlichkeit betrage rund 95 Prozent. Ergebnis von rund 100 ARD-Testern in einem Zeitraum von 14 Tagen: nur 76 Prozent. Denn Wartezeiten aufgrund von Verspätungen verpasster Anschlusszüge tauchen in den Berechnungen natürlich nicht auf, und Zugausfälle werden taktvoll gleich ganz verschwiegen. Begründung des Bahn-Sprechers: Das „passt nicht in die Systematik einer Pünktlichkeitsstatistik“. Und vermutlich glaubt die Bahn auch nur einer Statistik, die sie selbst gefälscht hat. Ähnlich verhält es sich mit dem Tempoversprechen – während die ICE real nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 km/h erreichen, hat die Bummelbahn im Allgäu sogar das Nachsehen gegenüber einem Zeppelin.

Das Tempo ist allerdings eine Kategorie, die gegenüber der Pünktlichkeit doch nachrangig scheint; vielleicht hätte man den Service-Aspekt genauer unter die Lupe nehmen sollen (wie oft etwa fällt pro Jahr in den Zügen zwischen Frankfurt und Berlin der Restaurantbetrieb aus, würde der Autor gerne wissen). Apropos Restaurant: Die Sauberkeit im Speisewagen lässt doch arg zu wünschen übrig: „ausbaufähig“, formulierten die Tester, während auf den Toiletten, trotz nur jeweils dreiminütiger Reinigung, sich der Dreck in Grenzen zu halten scheint.

Insgesamt gelang dem Team eine kurzweilige, dank hohen Aufwands aber auch seriös wirkende Überprüfung der von der Bahn behaupteten Eigenschaften, vom Einzelfall einer Pendlerin bis zum Mengentest der Pünktlichkeit quer durch die Republik. Dass die Bahn in diesen Tagen in wieder besonders ungünstigem Licht erscheint, hat sie allerdings nicht pauschal zu verantworten: Die Lokführer haben sich für ihren Streik das Ferienende ausgesucht. Aber Arbeitskampf ist eben Arbeitskampf.

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