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TV-Kritik „Dating Daisy“ (ARD) Berliner Puppenkiste

Ein  neuer Tiefpunkt im ARD-Vorabendprogramm. „Dating Daisy“ ist dermaßen misslungen, dass man Satire dahinter vermuten könnte – doch es ist alles ernst gemeint.

09.10.2014 06:18
David Segler
Mit Anfang 30 findet sich Daisy (Tina Amon Amonsen) plötzlich ungewollt als Single wieder. Nachdem ihr Ehemann Antonio sie nach 13 Jahren ausgerechnet mit ihrer neuen Kollegin aus der Klinik betrogen hat, schmeißt die Berliner Krankenschwester Daisy den untreuen Kerl kurzerhand aus ihrem Leben und beschließt, noch mal ganz von vorne zu beginnen. Foto: ARD/Hardy Spitz

Ein bekanntes Element der Satire ist es, allzu bekanntes zu überspitzen und so zu entlarven, wahlweise zu ernst gemeintes als lächerlich darzustellen. Bei der neuen ARD-Vorabendserie „Dating Daisy“ ist man nach dem Anschauen versucht, von Satire zu sprechen, so furchtbar konsequent werden dort Klischees und Peinlichkeiten bedient. Man hofft zum Ende der ersten Folge noch auf eine Pointe, eine Hintertür einen Ausweg. Man hofft vergebens. Die Story, wenn man sie so nennen kann, ist folgende: Krankenschwester Daisy war verheiratet, ist seit einem Monat getrennt, will einen radikalen Neuanfang und kauft irgendwo im Niemandsland um Berlin ein völlig heruntergekommenes Haus – wie man das eben mal so macht mit dem Gehalt einer Krankenschwester.  Sie hat eine beste Freundin, die mit ihr arbeitet, und natürlich noch viel Unausgesprochenes mit ihrem blendend aussehenden Ex-Mann. Um nun etwas Würze in die Geschichte zu bringen, haben die Autoren sich ein Klassentreffen ausgedacht, zu dem der Verflossene seine neue Flamme mitbringen wil. Dasiy wollte da alleine auftauchen – Hysterie  ist somit garantiert.

Danach bastelt sich das Buch die Ereignisse dieser Folge so zurecht, wie es eben grade nötig ist, völlig ungeachtet jeglicher Dramaturgie, Logik oder Figuren (die es sowieso nicht gibt – zumindest keine ausgearbeiteten). Es ist schon beeindruckend, dass in dieser ersten Folge wirklich überhaupt nichts stimmt. Ein schlechtes Buch kann ja durch eine gelungene Inszenierung manchmal etwas aufgefangen werden, doch Züli Aladag (Ex-Mann von Feo Aladag, die vor kurzem mit ihrem Afgahnistan Drama „Zwischen Welten“ im Kino gescheitert ist) übertreibt es bei der Schauspielführung mit der Gestik dermaßen, dass man teilweise das Gefühl hat, bei einer Realverfilmung der Augsburger Puppenkiste beizuwohnen. Jedes Wort muss mit Blicken oder Gesten unterstrichen werden, der Zuschauer könnte ja irgendetwas nicht verstehen.

Was hier versucht wurde, ist in Ansätzen schon erkennbar. Die Lockerheit von schrägen Berlin-Filmen und die Aktualität der heutigen, schnelllebigen Zeit einzufangen. George Clooney ist ja nun als schillerndes Beispiel für den perfekten Mann abgelöst, es wird in solchen Fällen jetzt Ryan Gosling erwähnt – immerhin hat da wer  recherchiert. Doch wieso baut man ernsthaft noch darauf, den Zuschauer mit allereinfachsten Zufällen bei der Stange halten zu können? Daisys Auto ist noch nicht so heruntergekommen wie ihr Haus, aber dann hat sie einen Unfall, und der natürlich gutaussehende junge Mann macht was beruflich? Er renoviert Häuser. Unglaublich.

Bekannte und sich immer wiederholende Schemata kennt man aus den Daily Soaps am Nachmittag, hier ist das Motiv von Anfang an klar und man weiß, was man zu erwarten hat. Aber stand der ARD-Vorabend nicht mal für unbequemen und politisch unkorrekten Humor mit echten Figuren? Wo sind die Konzepte, die „Türkisch für Anfänger“ oder „Berlin Berlin“ hervorgebracht haben? Zumindest eine Verbindung zu früher hat „Dating Daisy“. Arnel Taci, in Türkisch für Anfänger einst der sympathisch stotternde Grieche Kosta, hat eine kleine Nebenrolle als Pfleger. Er ist das letzte Überbleibsel der Vorabend-Sternstunden im Ersten. Und auch er vermag nicht hell genug zu leuchten, um dieses finstere Kapitel zu erhellen.

Dating Daisy, ARD, Freitag, 18.45 Uhr

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