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TV-Kritik "Das Jahr der Wildnis" Flusspferde mit verbranntem Buckel

Einmal um den Globus zu Dickhäutern, Geparden und Pinguinen. Die arte-Dokumentation fasziniert, weil sie so nah an alle Vierbeiner und Gefiederten herangeht und dazu minutenlang nur beobachtet. Von Jana Schulze

25.01.2010 18:01
Jana Schulze
Ein Nilpferd beim Baden. Foto: Bestelink, Schoenebeck et al./ZDF

Die Natur schreibt die schönsten Geschichten. Was klingt, als würden Werbemacher dafür engagiert worden, bestätigte sich für den, der gestern Abend um halb acht das Liebhaberfernsehen einschaltete. Elephantenherden mit ihren Kälbern, Flusspferde, die im Wasser abtauchen, um sich nicht die dicke Haut zu verbrennen, Büffelherden vor einem in Regenbogenfarben getränkten Himmel. Arte zeigte "Das Jahr der Wildnis" - ein viel zu schnöder Titel, den sie da ausgesucht für diese beeindruckende Bilderkomposition. In vier Kapiteln zeigt diese Langzeitdokumentation, wie die Tier- und Pflanzenwelt rund um den Globus tickt, wie sie atmet, lebt und bebt.

Die Reise beginnt im Okavango-Delta im Nordwesten Botsuanas. Dort, wo im Januar der Sommer ist und der Wasserstand im Delta genau dann seinen Höhepunkt erreicht, wenn im Umland Trockenzeit ist. Ein optimaler Platz für Elephanten, Flusspferde und Xakanaxa-Löwen, sich ganz dem Nachwuchs hinzugeben. Denn selbst die Babys der grauen Dickhäuter etwa könnten schnell zur Beute von Löwen werden. Details, die der Unwissende in den gesamten, spannenden 45 Fernsehminuten erfährt.

Es ist nicht nur die Tatsache, dass die Kamera so nah heranfährt an all die Vierbeiner, Gehörnten und Gefiederten, sondern auch die kleinen Geschichten aus dem tierischen Alltag, die das Ganze zusammensetzen. Etwa als sich vier Löwen im Okavango-Delta an die Büffelherde anschleichen, langsam und geduckt. Sie bekommen einen Büffel zu fassen, wollen ihn zu Tode beißen, er bricht zusammen - doch dann kommen seine Artgenossen, retten ihn. Aufatmen auf der Wohnzimmercouch.

Acht Kamerateams haben an 365 Tagen gedreht, sind auf Falklandinseln im Südatlantik gereist, wo der Sommer im Januar mit elf Grad Celsius recht kühl bleibt. Ein Vogelparadies wird dem Zuschauer ins Heim transportiert, eine Geburts- und Aufzuchtswelt mit weißen Küken, die einmal große und schöne Gefiederte werden wollen.

Ans Westkap zu den Brillenpinguinen geht die Reise ebenso wie in den Norden Thailands zu den Rhesus-Affen, mal ummalt von Klassikmusik, dann von fetzigen Poprhythmen. Die Stimme des Sprechers klingt so wie sie vom Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen erwartet wird - es ist eine ZDF-arte-Kooperation - und nur die Weltkarten-Animation, die sich schwungvoll von Schauplatz zu Schauplatz dreht, wirkt etwas übertrieben.

Wussten Sie, dass etwa 2000 Kilometer östlich von Südamerika Südgeorgien liegt und diese Insel als HotPot der Tierwelt im Südpolarmeer gilt?: Unfassbar große Kolonien von Pinguinen, Pelzrobben und See-Elefanten leben hier. Die Bilder erinnern an "Die Reise der Pinguine" und es ging nicht anders: Beim Anblick des braungefiederten Nachwuchses musste ein "Hui, wie süß" entweichen.

Und wussten Sie, dass zwischen Mai und Juni sich der weltgrößte Sardinenschwarm vor der Agnus Bank in Südafrika durch den Kaltwassermeeresstrom kämpft und aufpassen muss, nicht von Delphinen geschluckt zu werden? Dann haben Sie nicht arte geschaut. Schade, etwas verpasst. Aber Teil Zwei, Drei und Vier kommen noch.

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