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TV-Kritik: " Blockbustaz" Dings-Bereich

Als Gewinner des TVLab 2014 startet die sechsteilige Sitcom "Blockbustaz" diese Woche bei ZDFneo mit einem gewissen Vorschussbonus bei den Zuschauern.

22.03.2016 21:31
Von Franziska Schuster
Jessica (Joyce Ilg) mit Sol (Eko Fresh). Foto: ZDF und Efe Cetinoezman

Die jetzt produzierten 30-minütigen Folgen von "Blockbustaz" werden von heute an jeweils dienstags im Fernsehprogramm des Spartenkanals ZDF neo ausgestrahlt und sind parallel bereits vollständig im Internet abrufbar. Die erste Folge »Arbeit« beginnt dort, wo der Pilot endete: Seitdem seine Mutter ihn aus der elterlichen Wohnung geworfen hat, muss der Möchtegern-Rapper Sol damit klarkommen, dass seine ersehnte Karriere nicht dabei hilft, die Miete zu zahlen. Der im wahren Leben als Musiker höchst erfolgreiche Eko Fresh spielt eine Art lethargischen Loser-Zwilling seiner selbst, den seine ehrgeizige Freundin Jessi, seine Überwachungsstaat-Mama und der Hausmeister des Häuserblocks um die Wette bemuttern. Von allen Seiten bedrängt, muss er das tun, worauf er eigentlich gar keinen Bock hat: arbeiten.

In diesem Setting werfen die Autoren Benjamin Seiler und Jakob Schreier unter Headautor Niklas Hoffmann lustvoll mit rotzigen und politisch unkorrekten Dialogzeilen um sich, die Eko Fresh und der zweite Hauptdarsteller Sascha Reimann alias Ferris MC so unverkrampft und temporeich aufnehmen, dass man ihnen »der Hood« vorbehaltlos abnimmt. Neben den beiden wirken einige der übrigen Darsteller mit ihrem fernseherprobten und angestrengten Spiel eher blass – stärker sind vor allem die Nebenrollen, Kida Khodr Ramadan oder Cosima Henman zum Beispiel. Besonders hart trifft es Joyce Ilg, die als Sols Freundin Jessi die Rolle der ewigen Spaßverderberin spielt – obwohl sie eigentlich mit allem Recht hat. Aber Sol wird in seiner Trotteligkeit so sympathisch erzählt, dass Jessis Versuche, sich und Sol aus dem Sumpf des Problemviertels zu ziehen, vor allem nerven.

Hier krankt die Sitcom ein wenig an ihrer eigenen Dialogstärke: Sätze wie »ich fick deine ganze Generation« klingen aus dem Mund von Hip Hop-Stars einfach authentischer als von klassisch ausgebildeten Schauspielern. Erst Heiserkeit, Nuscheln und Sols unentwegtes »Dings«-Gestammel machen "Blockbustaz" wirklich lebendig – und sehr sehr lustig.

Eine solche Besetzung ist natürlich auch kalkuliert – über die »breite Social-Media-Fanbase« von Musikern wie Eko Fresh und Ferris MC hofft ZDFneo, ein junges, netzaffines Publikum anzusprechen und sich dort einen gewissen Kultstatus zu erwerben. Ob das gelingt, wird sich zeigen, fest steht aber bereits, dass die Sitcom sich beliebter Krimithemen wie Drogenkonsum, Kindesvernachlässigung, Alkoholismus, Kleinkriminalität, Sozialbetrug und Alltagsgewalt mit Lockerheit, Ironie und eine kompromisslosen Sprache annimmt, die im deutschen Fernsehen ihresgleichen sucht.

 

 

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