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TV-Kritik „Beckmann“ Scholl-Latour säbelt drauf los

Bei Beckmann geht es um die Zukunft der arabischen Welt. Ein Heimspiel für alte Haudegen. Peter Scholl Latour gibt Reporter-Kamellen zum besten und zersäbelt der Amnesty-Generalsekretärin Monika Lüke jeden vernünftigen Satz.

Reinhold Beckmann Foto: dapd

Ja, es ist gut, dass jetzt öfter mal über „Arabien“ geredet wird. Über Ägypten, Tunesien, Libyen, über den Jemen, über Bahrain. Viel zu lange hat der Westen sich in ambivalenten Allianzen mit den Mubaraks und Al-Gaddafis dieser Welt verbrüdert und zu vielem geschwiegen. Der revolutionäre Wandel in Nordafrika, wie auch aktuell das skrupellose Vorgehen Al-Gaddafis gegen sein eigenes, gegen das libysche Volk, bieten enormen Gesprächs- und Handlungsbedarf.

Dass die Redaktion von Reinhold Beckmann dazu aber Peter Scholl-Latour, den „alten Haudegen“ (Beckmann) einladen musste, zumal zu später Stunde, ermüdet bereits, bevor die Diskussion überhaupt begonnen hat. Die offene Titel-Frage der Sendung - „Die Welt im Wandel, Diktatoren am Ende - welche Folgen hat der Aufruhr in Nordafrika?“ - war einer zielführenden Debatte vorwiegend unter Journalisten auch nicht gerade förderlich. Immerhin hatte die ARD Scholl-Latour neben einem weiteren „Nahost-Experten“ und „Reporter-Legende“ Ulrich Kienzle, auch eine Reporterin der Jetzt-Zeit, Geo-Redakteurin Gabriele Riedle, sowie die deutsche Amnesty-Generalsekretärin Monika Lüke an die Seite gesetzt.

Die alten Herren plauderten aus dem Nähkästchen von Vorgestern, gaben alte Reporter-Kamellen zum besten („Wir haben die ganzen Alkohol-Vorräte der deutschen Botschaft aufgebraucht“ - Kienzle über das Warten auf ein Gaddafi-Interview 1975, der dann schließlich mit „sehr angenehmer Stimme“ geredet habe) und Scholl-Latour rief dazwischen immer wieder ins Gedächtnis, wo er schon gewesen ist („dann bin ich über diese Brücke nach Bahrain gefahren“, „damals in Darfur“).

Unklares Genuschel des alten Haudegens

Riedle erzählte derweil von ihren Erlebnissen als einzige westliche Reporterin in Libyen zu Beginn der Unruhen. Auf einem Foto ist sie mit Gaddafis grünem Buch inmitten von pro-Regime-Demonstranten in Tripolis zu sehen. Eine Vorsichtsmaßnahme, erklärt Riedle, schließlich habe sie da nicht einfach Notizen machen können, sie wäre sofort verhaftet worden. Denn schon bei der Einreise wurde sie ausgiebig von Mitarbeitern des Informationsministeriums geprüft und fortan in jedem ihrer Schritte überwacht. „Das hat‘s im Orient immer gegeben“, nuschelt Scholl-Latour wissend.

Monika Lüke als einzige Nicht-Journalistin der Runde rief zwischendrin der Runde die vom Westen lange geduldeten und gar durch Waffenlieferungen oder Flüchtlings-Rücksendungen unterstützten Menschenrechtsverletzungen in Libyen in Erinnerung. Sie forderte eine schnelle Flüchtlingshilfe und begrüßte, dass der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag nun gegen Gaddafi ermittelt.

Damit aber begab sie sich gefährlich nahe an die Klinge des Scholl-Latour-Haudegens, der ihr fortan permanent die Sätze zersäbelte. Was er sagte, wurde dabei immer wirrer. „Arrogant“, sei Lükes Haltung, rüpelte er. Ein „Stück Scheiße“ rief er, ohne dass aus seinem Genuschel hervorging, ob Lüke im Speziellen, das von ihr Gesagte oder die „Gutmenschen“ im Allgemeinen gemeint waren. Später machte er noch den irrwitzigen Vorschlag, die Aufständischen in Libyen mit Waffen zu beliefern.

Bleibt zu hoffen, dass die kürzlich bekanntgewordenen Pläne der ARD, die Talkshow-Redaktionen künftig besser zu vernetzen, um die immer gleichen Gäste zu vermeiden, bald Wirklichkeit wird. Dann wird in der nächsten Arabien-Runde hoffentlich ein Haudegen weniger sitzen. Und vielleicht zur Abwechslung mal ein Araber.

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