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TV-Kritik - Arte-Themenabend Klimawandel Eisbären in der Stadt

Im Schweizer Grindelwald schmilzt ein Gletscher und auf den Kap Verden bleibt der Regen aus. Zwei sehenswerte Dokumentationen auf Arte beleuchten die Auswirkungen des Klimawandels und wie Menschen mit ihnen umgehen.

Eisbär. Foto: dpa/Greenpeace/Archiv

Während landauf, landab Menschen über den verregneten deutschen Sommer klagen, widmet Arte sich den wirklichen gravierenden klimatischen Problemen. „Klimawandel oder nach uns die Sintflut?“, fragte der deutsch-französische Sender am Dienstagabend in einem Themenschwerpunkt und strahlte zwei sehr unterschiedliche, doch gleichsam sehenswerte Dokumentationen aus.

Udo Vieths Film „Klima konkret: von Kyoto nach Grindelwald“, führt vor, wie eine kleine Schweizer Stadt mit den Folgen des Klimawandels kämpft. Der Gletscher über der Stadt ist in den vergangenen 150 Jahren bereits um die Hälfte geschmolzen. Die Folge: Geröllmassen drängen ins Tal, Gletscherseen drohen den Ort zu überschwemmen und müssen kostspielig durch Abfluss-Stollen abgeleitet werden.

Wo der Film streckenweise mit komplexen naturwissenschaftlichen Erklärungen und politischen Bezügen zu erfolglosen Weltklimakonferenzen ein wenig überfrachtet wirkt, entfaltet er seine Stärke dort, wo er den Klimawandel am lokalen Beispiel aufzeigt.

Auf Klimapfaden können Touristen die klimabedingten Veränderungen im Berner Oberland  erfahren. Und ein Heizkraftwerk, das mit nachwachsenden Holzbeständen aus den umliegenden Wäldern befeuert wird, hilft den Energiebedarf der Gemeinde zu decken. So führen die Menschen in Grindelwald beispielhaft – oder „leading by example“, wie es der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber nennt – eine nachhaltige Lebensweise vor.

Der Klimawandel aus ethnologischer Sicht

Anders als Vieths Film widmet sich die zweite Dokumentation des Abends, Tink Diaz‘ Film „Klimawelten“ der Thematik nicht aus primär naturwissenschaftlicher Perspektive. Stattdessen werden zwei junge Forscherinnen der Universitäten Bielefeld und Essen porträtiert, die sich dem Klimawandel in ganz unterschiedlichen Teilen der Welt aus ethnologischer Perspektive nähern. Sie wollen erfahren, wie Menschen mit klimatischen Veränderungen in ihrem Lebensraum umgehen und ob sie diese überhaupt wahrnehmen.

So lebt Claudia Grill für einige Zeit in der kanadischen Stadt Churchill, die vermehrt von Eisbären heimgesucht wird. Die Symboltiere des Klimawandels suchen auf der Müllhalde des Ortes nach Nahrung, weil das immer früher schmelzende Eis der Bucht sie nicht mehr zu tragen vermag. Mehrere Wochen im Jahr gehen ihnen verloren, die sie eigentlich für die überlebenswichtige Robbenjagd nutzen müssten.

Doch während die Einwohner von Churchill dieses Phänomen nicht als Folge des Klimawandels deuten möchten, sind sich die Probanden von Jelena Adelis Forschungsprojekt auf den kapverdischen Inseln der globalen Erwärmung sehr bewusst. Die Fischer klagen über ausbleibenden Fang und die Landwirtschaft des Inselstaates ist in Folge starker Dürreperioden fast zum Erliegen gekommen.

Zwar trägt das kleine Land kaum etwas zum Klimawandel bei, ganz Afrika sei nur für rund drei Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich, berichtet der Film. Und doch bringt einer der befragten kapverdischen Fischer es auf den Punkt: „Wegen der Menschen verändert Gott die Welt.“

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