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TV-Kritik Anne Will Die Drohne ist keine Eisenbahn

Wenig neue Erkenntnisse, dafür aber reichlich politisches Geplänkel hat die TV-Debatte zur Drohnen-Affäre zu bieten.

Anne Will im Studio ihrer Talkshow. Foto: dpa/Archiv

Was soll das? Eine Debatte über das politisch gerade mal aufflammende Thema mit Parteipolitikern, und das im Wahljahr? Hätte es nicht Menschen mit Kompetenz gegeben, die was von Drohnen und Militär-Ökonomie verstehen, aber nicht daherbeten, was ihnen die Parteilinie diktiert?

Es war doch so klar wie Kloßbrühe, dass allein die Parteiräson zählt angesichts der Drohung, Kanzlerin Merkel könnte im Wahljahr einen weiteren (und zudem den wieder mal gerade als Erbe hochgejubelten) Minister verlieren. Und so war es auch kein Wunder, dass sich diese Runde in der schlechten alten Gewohnheit übte, den anderen möglichst nicht ausreden zu lassen.

Es ging ja auch ohnehin nicht um Argumente. Jürgen Trittin, Deutschlands erster Volkstribun, wusste wieder einmal mit bestechender Klarheit den Finger in die Wunde der Regierungsparteien zu legen: Wieso hat de Maiziere den Bundestag nicht früher informiert, obwohl er seit Mai 2012 gewusst hat, was mit der Dohne im Argen liegt?

Ministerlob statt Antworten

Trittins Erklärung: Die CDU-/FD-Regierung wollte „Global Hawk“ nicht riskieren, das nächste militärische Großprojekt.  Aber dann wiederholte der Grüne das im Laufe der Sendung immer wieder. Und was blieb seinen Gegenüber Andreas Schockenhoff, CDU, und Elke Hoff, FDP, und dem Ex-General Harald Kujat (der die Drohne mit der Eisenbahn verglich!) anderes übrig, als möglichst darauf nicht zu antworten, sondern den Minister zu  loben.

Michael Spreng, Ex-CDU-Berater, Talkshow-Dauergast und Freund klarer Worte, brachte es auf den Punkt: Entweder de Maiziere oder seine Staatssekretäre müssten gehen. Denn gilt nicht immer noch: Entweder der Chef hat es nicht gewusst – dann ist er nicht kompetent genug.

Oder er hat es gewusst, aber nicht gesagt – dann darf er nicht Minister einer demokratischen Regierung bleiben. „Ich hab das Haus so zu organisieren, dass ich von den wichtigen Dingen erfahre“, hatte de Maiziere im ARD-Interview zuvor gesagt. Aber Organisation ist bei ihm offenbar Glücksache.

Redlich und vergeblich

Anne Will mühte sich so redlich wie vergeblich, den Herren durch Nachfragen Antworten statt Apologien zu entlocken. Zu recht brachte sie das Thema der Regresspflicht und Amtsuntreue aufs Tapet. Dankbar nahmen es die Vertreter der Regierung auf, dass sich der Fokus dann verlagerte – ins Allgemeine.

Aber dann kam zum Leidwesen von Hoff und Schockenhoff doch wieder die Frage auf, wozu man diese „Dinger“ (Spreng) denn nun eigentlich brauche. Denn zum Töten darf die Bundeswehr sie natürlich – angeblich – nicht benutzen. Aber wo diese Geräte noch zum Einsatz kommen sollen, wenn die Deutschen nicht mehr in Afghanistan mitmischen, das blieb ohne Antwort. Eine überflüssige Sendung.

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