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TV-Kritik: „Alexander der Große“ (ZDF/Arte) Ein Leben als Kriegsherr

Er war König eines unbedeutenden Kleinstaates, die Geschichte kennt ihn als Alexander den Großen. Eine 90-minütige Geschichtsdokumentation von Arte, ZDF und ORF erkundet den Mythos dieser historischen Figur. Mit großem Schauwert, aber wenig Hintergrund.

Alexander der Große (David Schütter) in der Schlacht von Gaugamela. Foto: ZDF/© Simon Varsano

Alexander der Große (356-323 v. Chr.) war ein vorchristlicher Herrscher mit großen, aus Sicht der Zeitgenossen erstaunlichen, aus damaliger Warte vermutlich sogar kaum erklärlichen militärischen Erfolgen. Schon zu Lebzeiten wurde er Gegenstand von Legenden, er selbst gab sich als Nachfahre der Götter aus; im Verlauf der Jahrhunderte bildete sich ein regelrechtes Dickicht fantastischer Erzählungen um diese Figur.

Alexander hat Spuren in den Überlieferungen vieler verschiedener Religionen und Völker hinterlassen, im Islam und im Judentum, in Malaysia über China bis nach Europa. Der auf historische Stoffe spezialisierte Filmautor Martin Carazo Mendez lässt sich diese besonders populären Kapitel eines gleichsam organisch gewachsenen Heldenliedes natürlich nicht entgehen – wie der Teenager Alexander das wilde Pferd Bukephalos bändigt, wie er als Erwachsener den Gordischen Knoten durchschlägt, wie er die Pracht und den Reichtum Babylons bestaunt. Spekulativ, aber bildwirksam.

Bis ans Ende der Welt

Die Biografie Alexanders ist wie gemacht für große Historienspektakel. Vom Vater, dem Herrscher des seinerzeit als unkultiviert geltenden Makedonien, streng zu Willensstärke und Durchsetzungsvermögen erzogen, übernahm er als 20-Jähriger den Thron.

Alexanders Leben war von klein auf von Selbstbehauptung und Kämpfen bestimmt. Er musste sich gegen den Vater durchsetzen, die Griechen abwehren beziehungsweise unter seiner Herrschaft vereinigen, er zog schließlich gen Persien, damals ein Weltreich, das von den Griechen als Bedrohung empfunden wurde.

Alexander ließ es mit der Sicherung der Grenzen aber nicht bewenden, er eroberte Provinz um Provinz, gründete unterwegs Städte wie das nach ihm benannte Alexandria oder auch Kandahar, gelangte in einer kaum zu ermessenen Anstrengung mit einem Tross, der nicht nur aus Soldaten, sondern auch Wissenschaftlern bestand, letztlich bis nach Indien. Ihn trieb der Ehrgeiz, das „Ende der Welt“ zu erreichen. Erst die Kriegsmüdigkeit seiner Männer zwang ihn zur Umkehr.

Stratege und Gewaltherrscher

In der historischen Dokumentation „Alexander der Große“, die Arte als 90-Minüter ausstrahlt und die im ZDF in der Reihe „Terra X“ als Zweiteiler gezeigt wird, nimmt Alexanders Kindheit großen Raum ein. Der Konflikt mit dem Vater war sicherlich prägend, aber Alexanders Dasein als Feldherr, das kaum unterbrochen bis zu seinem vermutlich krankheitsbedingten Tod im Jahr 323 vor Christus währte, wird im Film daraufhin verkürzt zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Herrschern, eben Alexander und dem mächtigen Perserkönig Dareios.

Die großen Schlachten rücken in den Vordergrund, kaum nachvollziehbar bleiben die Mühsal des Terraingewinns, der Stadt um Stadt erfolgte, auch mal die Teilung der Truppen und andere taktische Maßnahmen erforderte. Alexander war ein gewandter Stratege und bisweilen auch Diplomat, sein Angriffskrieg gegen Persien und andere Länder aber alles andere als ein ungebremster Durchmarsch.

Alexanders Lebensgeschichte, die eine Kriegsgeschichte und die einer oft grausamen Gewaltherrschaft ist, wird vor allem szenisch erzählt. Der Schauspieler David Schütter ist als Alexander zu sehen und spielt ihn dramatisch übertrieben, spuckt die großen Töne, statt sie zu artikulieren.

Die Regiearbeit ist aufgeteilt in Szenenregie (Christian Twente) und Dokuregie, die der Autor Martin Carazo Mendez selbst übernahm. Er führt dem Publikum per Computeranimation die historischen Schauplätze vor Augen, lässt diese teils aus den heute bekannten Ruinen auferstehen, zeigt beeindruckende Luftaufnahmen sowie Bilder und Reliefs, die einen früheren Blick auf Alexander und seine Zeit dokumentieren.

Wissenschaftler kommentieren das Gezeigte, bleiben aber wohlweislich zumeist sehr vage. Denn abgesichert ist nur wenig von dem, was gezeigt wird. Auch wenn im von Udo Schenk gesprochenen Kommentartext immer wieder Einschränkungen vorgenommen werden und Hinweise eingebaut sind, dass hier Überlieferungen und nicht Tatsachen ins Bild gesetzt werden, wären ein paar Hinweise auf die Quellenlange angebracht und auch von Interesse gewesen.

Die Dominanz der Spielszenen, eine Konzession an die Publikumswirksamkeit und auf dem internationalen Markt durchaus üblich, hat nebenbei auch zur Folge, dass Zeitläufe und Geografie nur schwer nachvollziehbar sind, dass nur Opfer aus Alexanders Umgebung Erwähnung finden und Bewegungen der zu Tausenden zählenden Heere teilweise unverständlich bleiben.

Eine trockene Geschichtsstunde ist hier nicht zu befürchten, vielmehr ein süffiges Historienspiel. Es bietet einen unterhaltsamen Zugang zum Thema, aber nur eine Auswahl nennenswerter Fakten und kursierender Einschätzungen.

Arte, Samstag, 25.10, 20.15 Uhr, Wiederholung als Zweiteiler ab Sonntag, 26.10., 19.30 Uhr, ZDF

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