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„Too Young To Die – Falco“, Arte Eine Reihe von Huldigungen

Mit einem Porträt des Österreichers Falco beginnt der Kultursender Arte eine weitere Staffel der sporadisch fortgesetzten Reihe „Too Young To Die“. Deren Autoren pflegen die Legende. Kritische Fragen bleiben aus.

Falco war Österreichs größter Popstar und einer der besten europäischen Musiker seiner Zeit. Foto: ZDF/Jean Schablin

Bislang wurde in der Reihe „Too Young To Die“ unter anderem an Kurt Cobain, Natalie Wood und John Belushi erinnert. In der Galerie der Frühvollendeten erschienen ferner der russische Rockstar Wladimir Wyssozki und Sharon Tate. Die Autoren der aktuellen, insgesamt vierteiligen Staffel widmen sich Falco, Philip Seymour Hoffman, Bruce Lee und Judy Garland.

Die Auswahl folgt keinem erkennbaren Faden. Der Umstand, dass die porträtierten Künstler in vergleichsweise jungen Jahren starben, erscheint eher als notdürftige Klammer. Die Tragik im Leben der Protagonisten kommt zur Sprache, eine Erörterung der Ursachen bleibt aus.

Dabei gibt es zwischen einigen Künstlern auffällige Gemeinsamkeiten, denen man hätte nachgehen können. Beispielsweise wuchsen Falco wie auch Philip Seymour Hoffman ohne Vater auf. Judy Garland verlor den Vater, als sie 13 war. Alle drei Künstler zog es schon früh zur Bühne, die Berufswahl entschied sich bereits in ihrer Jugend. Alle drei waren drogenkrank, Bruce Lee medikamentenabhängig.

Mit einer B-Seite zum Erfolg

Bei Falco, der 1998 unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain einen Autounfall verursachte und dabei den Tod fand, können die Drogeneskapaden kaum unerwähnt bleiben. 1957 als Johann Hölzel in Wien geboren, bewies Falco schon in jungen Jahren musikalisches Talent, spielte Bass in Rocktheater-Gruppen wie der damals auch eifrig durch West-Deutschland tourenden Hallucination Company und Drahdiwaberl.

Falco profilierte sich mit einem musikalischen Pausenfüller für das Drahdiwaberl-Programmm, wurde entdeckt und eroberte mit dem ursprünglich als B-Seite gedachten Rap-Titel „Der Kommissar“ die Hitparaden. Nur am Rande findet im Film Erwähnung, dass das Leitthema des Songs auf Rick James' „Super Freak“ basiert. Der Motown-Musiker James, ebenfalls Bassist, war bekannt für exzentrische Bühnenshows und für sein exzessives Privatleben – für Falco ein Vorbild?

Kein Thema für den Filmautor Jobst Knigge. Er lässt Weggefährten aussagen, versammelt Archivmaterialien, stellt vor allem Falcos Erfolge heraus. Wenn Falcos niederländischer Produzent Ferdi Bolland erzählt, dass im Tonstudio jede Zeile des späteren Hits „Rock Me Amadeus“ einzeln aufgenommen werden musste, weil Falco unter Drogeneinfluss nicht in der Lage war, einen ganzen Song oder auch nur eine Strophe einzusingen, bleibt offen, warum Falcos Umfeld das Verhalten hingenommen hat. Gab es keine Möglichkeit der Hilfe für den augenscheinlich seelisch kranken Musiker?

Mythenpflege

Knigge befördert in seinem Film den Mythos, statt ihn kritisch zu hinterfragen. In diesem Sinne werden die Aussagen der Zeitzeugen auch nicht weiter überprüft. Gilt Falco in der US-amerikanischen Hip-Hop-Szene wirklich als Pionier des Rap? Im Film eine Behauptung ohne Beleg.

Von gleicher Machart sind auch die Beiträge über den Schauspieler Philip Seymour Hoffman und den Martial-Arts-Pionier, Schauspieler und Filmautor Bruce Lee, die im Weiteren zur Ausstrahlung gelangen und vor allem Lob, Leistungen, Auszeichnungen auffädeln.

Filme für Fans, Huldigungen. Nur verraten Huldigungen selten die ganze Wahrheit.

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