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„Tonio & Julia: Kneifen gilt nicht“, ZDF Füreinander da sein

Der Auftaktfilm zur neuen ZDF-Reihe „Tonio & Julia“ ist vor allem dank Maximilian Grill und Oona Devi Liebich gute Unterhaltung mit Tiefgang.

Tonio & Julia - Kneifen gilt nicht
Julia Schindel (Oona Devi Liebich) und Tonio Niederegger (Maximilian Grill) im Traugespräch mit Lisa und Justus. Foto: zdf

Der Fernsehfilm mag nur bedingt als Spiegel der Gesellschaft taugen, weil er die Dinge verdichtet und überhöht, aber natürlich greifen die Geschichten bestimmte Strömungen auf. Es wäre daher interessant zu analysieren, warum immer mehr Filmreihen von ARD und ZDF das Helfen in den Mittelpunkt stellen. Von „Eifelpraxis“ bis „Praxis mit Meerblick“ (beide ARD), von „Hanna Hellmann“ über „Lena Lorenz“ bis zu „Marie fängt Feuer“ (alle ZDF): Stets stehen Frauen im Mittelpunkt, die ihr Dasein der selbstlosen Unterstützung ihrer Mitmenschen gewidmet haben. In „Tonio & Julia“, eine mutmaßlich neue ZDF-Reihe, bekommt die zu Unrecht erst an zweiter Stelle genannte Heldin ungewöhnliche Unterstützung: Sie ist Familientherapeutin, er Seelsorger, beide arbeiten im Gemeindezentrum von Bad Tölz. Das klingt erst mal nicht weiter aufregend, zumal die Sonnenscheinbilder die für ZDF-Produktionen dieser Art übliche Mischung aus kleineren und größeren Dramen vor pittoresker Kulisse erwarten lassen. Ein einfacher, aber folgenreicher Drehbucheinfall (Katja Kittendorf, nach einer Idee von Sophia Krapoth) sorgt jedoch dafür, dass die Zusammenarbeit von Tonio (Maximilian Grill) und Julia (Oona Devi Liebich) unter einem speziellen Vorzeichen steht: Die beiden waren einst ein Paar, und offenkundig knistert es immer noch; aber Tonio ist mittlerweile katholischer Priester.

Ansonsten funktioniert der Auftaktfilm „Kneifen gilt nicht“ nach dem üblichen Schema vieler jener ARD- und ZDF-Filme, die gern in den bayerischen Alpen oder in Tirol spielen: Städterin kommt in die Provinz und muss sich erst mal die Anerkennung der Einheimischen verdienen. Handelt es sich um eine Rückkehr, läuft sie prompt ihrer Jugendliebe über den Weg. Julia lebt seit vielen Jahren in Berlin und hat dort eine Beziehung mit einem verheirateten Mann (Simon Böer). Weil sich Paul offensichtlich nicht von seiner Frau trennen will, bewirbt sie sich auf die Stelle als Familientherapeutin in ihrer alten Heimat. Die Vorsitzende des Gemeinderats will ausdrücklich eine junge Therapeutin einstellen, um auch jene Hilfesuchenden in die Beratungsstelle zu locken, die bei seelischen Problemen nicht als erstes an die Kirche denken. An Julias erstem Arbeitstag wollen trotzdem sämtliche Besucher der Beratungseinrichtung zum Pfarrer. Natürlich wird das gegen Ende des Films ganz anders aussehen, weil die kluge Psychologin verhindert hat, dass ein Familiendrama tödlich endet: Die Hämatome an den Armen einer jungen Frau (Lara Mandoki) lassen Julia sofort an häusliche Gewalt denken. Sie geht der Sache nach und trifft auf einen verbitterten Witwer (Eisi Gulp), den der Tod seiner Frau völlig aus der Bahn geworfen hat; damals hat er auch seinen Glauben verloren. Seither leidet er unter Zwangsstörungen und hat panische Angst davor, dass sein Sohn ihn im Stich lassen könnte. Allein kommt Julia jedoch nicht weiter, denn der alte Lechner ist zutiefst misstrauisch, aber Tonio lässt er in sein Haus. Am Ende hält der Pfarrer, der regelmäßig mit dem eigenen Vater aneinandergerät, eine zu Herzen gehende Predigt zum Thema „Füreinander da sein“.

Regisseurin Kathrin Kulens Feistl (in früheren Filmen Katinka Feistl) hat diese Ebene des Films durchaus spannend inszeniert, zumal sich die Geschichte schließlich zum Drama auf Leben und Tod zuspitzt, aber Motor der Handlung ist selbstredend die Beziehung zwischen dem Titelpaar, das keins sein darf; deshalb wehrt sich Tonio zunächst auch mit Händen und Füßen gegen Julias Einstellung. Maximilian Grill und Oona Devi Liebich ergänzen sich prima und spielen ihre Rollen ausgesprochen sympathisch. Die Fans von Grill müssen sich allerdings erst mal an den ungewohnten Dialekt gewöhnen. Der durch seine Rolle als Partner des Titelhelden in der Sat.1-Serie „Der letzte Bulle“ bekannt gewordene Schauspieler hatte bei den Dreharbeiten sogar ein Heimspiel: Er ist zwar gebürtiger Münchener, hat aber viel Zeit bei den Großeltern in Bad Tölz verbracht.

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