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"Tod im Internat", ZDF Verschwörungen in Ost und West

Das ZDF versucht sich an einem zweiteiligen Verschwörungsthriller mit gewichtigen Themen aus der deutschen Vergangenheit - und übernimmt sich.

Tod im Internat
Ermittlerin Isabell Mosbach (Nadja Uhl) ermittelt verdeckt als Lehrerin Karla Parker im Elite-Internat Erlengrund. Foto: ZDF

Ein Rätsel am Rande: Wer stibitzte das O? Im Nachspann des zweiteiligen Fernsehkrimis „Tod im Internat“ lautet der Name der Hauptprotagonistin Moosbach, die Pressemappe verzeichnet sie konsequent als „Mosbach“. Eine Petitesse. Allerdings eine, die sich als Indikator für die Unentschlossenheit des gesamten Projektes lesen lässt.

Isabell Moosbach (Nadja Uhl) kehrt in ihren Heimatort zurück, um den Nachlass ihrer verstorbenen Mutter zu regeln. Ihr Mienenspiel ist nicht schwer zu deuten: Sie hat in dem tristbraun möblierten Elternhaus nicht nur schöne Tage verlebt.

Ebensowenig im nahen Internat Erlengrund, wo sie eine Zeitlang untergebracht worden war. Damals wurde anti-autoritär erzogen, heute züchtet man dort Deutschlands künftige Elite heran. Unter den grausamen Kindern herrscht schon jetzt ausgemachte Oberschichtenblasiertheit. Beispielsweise muss sich eine Lehrerin, die im Unterricht J. D. Salingers „Fänger im Roggen“ bespricht, von einer altklugen Göre über den „Markenkern“ der Lehranstalt belehren lassen.

Vielleicht – aber das ist eine der wenigen Verschwörungstheorien, die sich Drehbuchautorin Frauke Hunfeld durch die Finger gehen ließ – wurde Isabell Moosbachs Mutter ja ermordet, um die junge Ermittlerin wieder ins Einflussgebiet des dubiosen Strippenziehers und Sprücheklopfers – „Unser Ethos heißt Leistung!“ – Wilfried Maas zu locken.

Gespielt wird diese Figur von Manfred Zapatka, der gerade erst am Samstag in einem ARD-Film als Ex-Stasi-Mann zu sehen war – deutsche Besetzungsbüros tendieren schon sehr zum Gewohnten. Zum Nachteil mancher Schauspieler, die sicher gern einmal aus ihren Klischeerollen heraustreten würden.

Maas‘ Züricher Stiftung finanziert das Internat, investiert in Kultur und Bildung, bewegt Geld in endlosem Kreislauf durch Immobiliengeschäfte, über Auslandskonten und Fonds und steckt auch hinter regelmäßigen Zahlungen an Hunfelds Mutter, wie die Kriminalistin anhand der hinterlassenen Kontoauszüge entdeckt.

Ermittlungen nach Stundenplan

Und sie bekommt noch mehr zu tun. Internatszögling Sophie Wichert (Emma Drogunova), zufällig Tochter des angehenden LKA-Chefs Herbert Wichert (Joachim Król), verschwindet spurlos. Eine Entführung scheint wahrscheinlich. Die Ermittlungen obliegen dem örtlichen Ermittler Julian Sellinger (Hanno Koffler).

Begleitend wird Isabell Moosbach unter dem Decknamen Karla Parker als Englisch- und Sportlehrerin in das Internat eingeschleust. Von heute auf morgen, ohne Prüfung der Lehrbefähigung, ohne Vertragsverhandlungen. Von nun an heißt es gut aufpassen. Es gibt da eine konspirative Korona verzogener Musterschüler, die gern auch mal mit Waffen spielen. Den undurchsichtigen Träger der Lehranstalt hatten wir bereits erwähnt.

Dieser Personenkreis, zu dem auch Isabell Moosbachs verschollener Vater gehörte, wurzelt in der ehemaligen DDR. Da ist noch einiges an volkseigentümlichem Geld übriggeblieben, das irgendwie bewegt und verwaltet werden muss.

Ein erzählerischer Komplex für sich, aber der reichte offenbar noch nicht aus. In die Fabel wurden auch noch die Demonstrationen gegen die Frankfurter Startbahn West und der in diesem Zusammenhang begangene Mord an zwei Polizisten eingewoben. 

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