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„Time Scanners - Geheimnisse in 3D“ Mit dem Kopf durch die Wand

Wissenschaft ohne Kreidestaub: Mit „Time Scanners - Geheimnisse in 3D“ lässt ZDFinfo lasern und macht historische Großbauten durchsichtig.

Hypogäum
Das Hypogäum am Amphitheater von Pozzuoli in Süditalien.

Zwar liegt es am Festiger, dass ihm die Haare zu Berge stehen. Dennoch, Dallas Campbell fegt mit einer ansteckenden Verve durch seine Sendungen. Er ist allerdings auch Schauspieler. Wenn die Begeisterung nur gespielt sein sollte, dann wäre das immerhin eine reife Leistung. In Großbritannien und auch in den USA kennt man Campbell als Moderator und Reporter mit populärwissenschaftlichem Schwerpunkt. 2014 präsentierte er für den nicht-kommerziellen US-Sender PBS und den Abokanal National Geographic die sechsteilige Reihe „Time Scanners“. Darin begleitete er als Berichterstatter den renommierten Statiker Steve Burrows und dessen Team bei der Laser-gestützten Analyse berühmter historischer Großbauten.

Die vom ZDF erstellte deutsche Fassung eröffnete am Dienstag mit der Episode über Jerusalem, die sich auf den Tempelberg nebst Felsendom und die auf einem künstlichen Berg errichtete Festung Herodium konzentrierte. Dallas Campbell präsentiert die Objekte zunächst, wie man sie kennt, quasi in Postkartenansichten, und lässt dabei seiner Bewunderung freien Lauf. Schnell ist aber auch von Rätseln und Geheimnissen die Rede, denen man nun mit der hochmodernen Laser-Technologie auf den Grund gehen möchte. Die Kamera ist agil, rast schon mal auf die Protagonisten zu wie in der Vorstellungsrunde einer Abenteuershow der Marke „Survivor“. Die Cutter machen Tempo. Der Approach ist jung und modern; wer sich daran stört, darf den Sendern auch nicht vorwerfen, dass sie zu wenig mit der Zeit gehen.

Allerdings betreiben Campbell und die jeweiligen Autoren immer auch ein wenig Spiegelfechterei. Die behaupteten Geheimnisse, die sich hinter den berühmten Gebäuden verbergen sollen, sind der Fachwelt häufig längst bekannt und oft bereits entschlüsselt. Man merkt es, wenn Campbell einen Anthropologen, Historiker, Restaurator oder andere Experten zu Rate zieht, die meistens, allerdings nicht immer, ad hoc Aufklärung geben können.

Campbell und Steve Burrows stellen im Grunde eher rhetorische Fragen. Spannend ist es aber schon, wie dann die besonderen Eigenarten und Finessen der Baudenkmäler mittels mobilen Lasern bildlich umgesetzt werden. Die Scans machen sichtbar, was sonst nur durch Animationen oder Aufrisse hätte illustriert werden können. Sie durchleuchten massive Mauern und erlauben sogar, simulierte Fahrten durch die Gebäude zu unternehmen. Die Zuschauer gelangen in Bereiche, die schwer oder gar nicht zugänglich sind, zum Beispiel hinter die innere Kuppel der St. Paul‘s Kathedrale in London, ein trickreiches Konstrukt des Baumeisters Christopher Wren.

Ein großes Manko der Filmreihe ist die Marotte, die monumentalen Gebäude stets einzelnen Personen zuzuschreiben. Da heißt es im Kommentar zum Beispiel: „Herodes baute eine Festung auf die Spitze des Berges.“ – Sollte der prestigesüchtige Klientelkönig selbst Hand angelegt haben? Wohl kaum.

Am Donnerstag beschließt ZDFinfo ab 20:15 Uhr die Reihe mit den Episoden über Roms Kolosseum und Londons St. Paul‘s Kathedrale.

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