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„Three Girls“, arte Manchmal muß es wehtun

Diese preisgekrönte Miniserie dreht sich um den Fall eines pakistanischen Mädchen-Mißbrauchs-Rings in Großbritannien - und könnte aktueller nicht sein.

Szene aus „Three Girls“
Molly (Mitte) wurde vergewaltigt - und ist völlig am Ende. Foto: ARTE France

Manche Sendungen erleben durch einen zufällig passenden Ausstrahlungstermin eine ganz neue Aktualität. Mitten in die hierzulande hitzig ausgebrochenen Debatte um den Fall eines vergewaltigten und ermordeten 14jährigen Mädchens durch einen Iraker stößt diese dreiteilige BBC-Miniserie über eine ähnlichen Katastrophe, die sich 2008 im englischen Vorort Rochdale abgespielt hat: Drei fünfzehnjährige Schülerinnen wurden dort von einer Gruppe Pakistaner gefügig gemacht, missbraucht und prostituiert – und jahrelang wollten weder die Polizei noch die Justiz ihre Aussagen glauben: zu sehr klangen ihre Anklagen wie fremdenfeindliche Klischees.

Tatsächlich spielt die penibel recherchierte Minsierie diesen wahrgewordenen liberalen Alptraum (und rechtsnationalen Fiebertraum) vom sexuell gewalttätigen Fremden in seiner ersten einstündige Folge ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten durch. Sicher, sie zeigt auch durchaus sensibel und komplex die soziale Verwahrlosung des Unterschichten-Viertels, die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen dort und die schockierende Vernachlässigung durch Eltern, Lehrer und Behörden. Aber sie verschließt auch niemals die Augen vor den grauenhafte Vorgängen, so schmerzhaft sie auch mitanzusehen sind.

Es geht um mehr als eine Nacherzählung der Fakten 

Aber „Three Girls“, solide geschrieben von Nicole Taylor und brillant inszeniert von Philippa Lowthorpe, hätte dieses Jahr nicht alle wichtige BAFTAs abgeräumt, wenn sie bei dieser simplen Nachstellung der Fakten geblieben werden. Alle, die sich Sorgen darüber machen, wie der deutsche Einzelfall gerade politisiert und instrumentalisiert wird, finden in den Teilen zwei und drei, die ein und vier Jahre nach der Tat spielen, ein erschreckendes Szenario, wie eine nationale Debatte und soziale Vorurteile die Helfer ausbremsen, die Täter entlasten, die Opfer ausgrenzen und das Gebaren von Behörden und Justiz ins Absurde verzerren können.

Das soll natürlich nicht Spaß machen und auch nicht schön aussehen. Mit der wackligen Handkamera und den improvisiert wirkenden, umgangssprachlichen Dialogen sucht „Three Girls“ eher die Dokumentar-Ästhetik. Zusammen mit der ebenso schonungslos realistischen Fäkalsprache der Jugendlichen wird das den einen oder anderen Zuschauer durchaus herausfordern, einfach abzuschalten. Aber „Three Girls“ ist eine lohnende und wichtige Serie – sowohl in ihrem Beharren auf der Darstellung von Fakten, so wenig politisch korrekt sie auch sein mögen, als auch in ihrer Warnung davor, politische Verallgemeinerungen aus Einzelfällen zu ziehen. Die wahre Geschichte, die hier gezeigt wird, dürfte in ihren komplexen Details und ihrer jahrelangen Entwicklung weder den idealistischen Linksliberalen noch den vorurteils-schwingenden Rechtsnationalen gefallen. Manchmal sind die Antworten eben nicht so einfach. Und manchmal muss die Wahrheit eben wehtun. 

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