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„The Life and Death of Peter Sellers“ Der Schrecken der Regisseure

Mit originellen Einfällen und Stars wie Geoffrey Rush, Charlize Theron und Emily Watson setzt Regisseur Stephen Hopkins das Leben des britischen Komikers Peter Sellers in Szene.

The Life and Death of Peter Sellers
Der verheiratete Peter Sellers (Geoffrey Rush) verfällt der italienischen Diva Sophia Loren (Sonia Aquino), mit der er zusammen in „Die Millionärin“ spielt. Foto: HBO

Film, so erklärt die Besetzungschefin ihrem Besucher von oben herab, sei ein „gnadenlos visuelles Medium“. Es ist ihre Art, dem im Radio so erfolgreichen Komödianten, der sich um eine Kinorolle bewirbt, zu bedeuten, dass er sich gefälligst aus ihrem Büro scheren möge. Mit seinem unscheinbaren Äußeren scheint ihr der Mann für die Leinwand ungeeignet.

Angestachelt von seiner ehrgeizigen Mutter, versucht es der Schauspieler erneut. Dieses Mal im Kostüm, bis zur Unkenntlichkeit maskiert. Prompt bekommt er die Rolle. Sie markiert den Beginn einer großen Karriere. Der Mann hieß Peter Sellers, und seine Filme wie „Der rosarote Panther“, „Dr Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“, „Der Partyschreck“, „Willkommen, Mr. Chance“ gehören heute zum Kanon der Filmgeschichte.

Ob sich die Anekdote, die die Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely und Regisseur Stephen Hopkins an den Anfang von „The Life and Death of Peter Sellers“ gestellt haben, wortgetreu so ereignet hat, sei dahingestellt. In ihr angelegt sind aber bereits Motive, die Sellers‘ Leben und damit auch den Film durchziehen: die früh erlebten Kränkungen, die Heimatlosigkeit, das unermüdliche Streben nach noch größeren Erfolgen, die enge Beziehung zur Mutter, die selbst Bühnenkünstlerin gewesen war und ihren jungen Sohn Peter bis zu dessen Einschulung auf ihre Tourneen mitgenommen hatte.

Regisseur Hopkins zeigt keine faktentreue Biographie

Die Filmbiografie, die auf dem gleichnamigen, umfassenden Sachbuch von Roger Lewis basiert, ist erkennbar nur eine Annäherung an den Menschen Sellers. Regisseur Hopkins lässt gar nicht erst den Eindruck entstehen, hier werde eine Biografie faktengetreu wiedergegeben. Hauptdarsteller Geoffrey Rush verwandelt sich Sellers‘ Äußerem bewusst nur bedingt an. Und er tritt, in der Tradition Brecht‘scher Verfremdungseffekte, immer wieder aus seiner Rolle heraus und schlüpft in die Haut anderer Figuren. Eigentlich wird Sellers‘ Vater Bill von dem letztjährig verstorbenen, aus „Game of Thrones“ als Maester Aemon bekannten Peter Vaughan verkörpert. In einer Szene aber wechselt Geoffrey Rush in diesen Part, führt die Zuschauer hinter die Kulissen und erläutert, dass Peter unter dem Einfluss seiner ehrgeizigen Mutter Peg (Miriam Margolyes) nie mit dem Erreichten zufrieden war und nie die Ruhe fand, sesshaft zu werden. Diese Art von Rollentausch ereignet sich häufiger, mit perfektem Timing immer dann platziert, wenn man der Versuchung erliegen könnte, den hier dargestellten Sellers mit dem echten zu verwechseln.

Sellers‘ Erfolg zeigt sich am steigenden Lebensstandard. Seine erste Ehefrau (Emily Watson), mit der er zwei Kinder hat, ist ihm nicht mehr gut genug. Er flirtet mit Sophia Loren (Sonia Aquino), hat Affären, heiratet die deutlich jüngere Schwedin Britt Ekland (Charlize Theron).

Glücklich wird er nicht. Seine Wutanfälle sind berüchtigt. Er misshandelt seine Lebensgefährtinnen psychisch, teils auch physisch, und ist seinen Kindern ein denkbar schlimmer Vater. Beruflich wird er zum Schrecken der Regisseure, darunter große Namen wie Stanley Kubrick (Stanley Tucci) und Blake Edwards (John Lithgow). Andererseits folgt er vertrauensselig den Ratschlägen eines windigen Wahrsagers (Stephen Fry).

Es wäre ein Leichtes gewesen, Sellers über seine abseitigen Eigenschaften, sein Changieren zwischen Anmaßung und Selbstzweifel, zu denunzieren. Durch eine geschickte Handlungsführung, durch originelle Regieeinfälle und nicht zuletzt Geoffrey Rushs einfühlsame Darstellung gelingt es demgegenüber, die psychologischen Beschädigungen und damit die Tragik dieser Persönlichkeit kenntlich und verständlich zu machen.

Bei all dem hält der Film so manchen Leckerbissen für Cineasten bereit. Szenen aus Spielfilmen, an denen Sellers mitwirkte, wurden nachgestellt, teils auch variiert. Und bisweilen würdigt Stephen Hopkins einen der großen Meister, so wenn er eine Begegnung zwischen Peter Sellers und Stanley Kubrick auf einem Hotelkorridor gekonnt an Kubricks Klassiker „Shining“ anlehnt.

Bestens gelungen ist die Einbettung in das jeweilige zeitgenössische Ambiente, vor allem, wenn sich Sellers zum zwar gelegentlich leicht anachronistischen, aber atmosphärisch passenden Soundtrack durchs computertechnisch auferstandene Swinging London der Sechziger bewegt. Nicht jede Sequenz wurde, dem Konzept des Films entsprechend, im Sinne einer perfekten Illusion gestaltet. In einem bizarren Moment lässt sich Sellers, der auch Drogen nicht abgeneigt war, in einem Autohaus die Vorzüge teurer Luxuskarossen erklären, sieht aber vor seinem geistigen Auge anstelle der Fahrzeuge schöne Frauen im Pin-Up-Look.

„The Life and Death of Peter Sellers“ entstand als Koproduktion zwischen dem Abonnementkanal HBO und der britischen BBC und wurde mit zahlreichen Preisen, darunter neun Emmys, bedacht.

Für Freunde unnützen Wissens: In der „Casino Royale“-Passage ist Heidi Klum als Ursula Andress alias Vesper Lynd zu sehen. Klum erscheint nur für einen kurzen Moment. Aber sie macht ihre Sache gut.

 

 

 

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