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„The King – Elvis und der amerikanische Traum“ (ARD) Mit dem Oldtimer durchs heutige Amerika

Der Dokumentarfilmer Eugene Jarecki reiste auf den Spuren von Elvis Presley im „Rock ‘n‘ Rolls Royce“ durch die USA und schuf für die ARD einen originellen Essayfilm.

Elvis - The King
Emilie Condamime in Las Vegas, Nevada. Foto: NDR/David Kuhn

Elvis Presley hat diesen Traum erfahren. Jareckis Reise führt über Parchman, wo Vater Presley im Gefängnis saß, nach Memphis, der Blues- und Soul-Metropole. Früher ein wichtiger Handelsplatz, daher auch Schnittpunkt vieler verschiedener Kulturen. Rapper Chuck D von Public Enemy hat für Schmelztiegelromantik nichts übrig: „Ein Scheißpflaster. Doktor Martin Luther King wurde in Memphis umgebracht, nur weil er gesagt hat, ich bin ein Mensch.“

Einige Stunden ostwärts liegt Nashville. Der großartige Songautor John Hiatt („Riding with the King“ – sic!) nimmt im Fond Platz. Rührung überfällt ihn. „Er war ein armes Muttersöhnchen aus Mississippi. Und dann landet er bei diesem Jahrmarktstypen.“ Gemeint ist Presleys gerissener Manager, Colonel Tom Parker, der seinen Schützling zu einem reichen, aber auch unglücklichen Mann machte.

Die Route beschreibt einen großen Bogen über New York, Detroit, Hollywood, Las Vegas und wieder zurück nach Memphis. Ein Abstecher ohne Rolls Royce führt ins deutsche Bad Nauheim, wo Presley seine Armeezeit verlebte. Jarecki filmt Zufallsbegegnungen, arrangiert aber auch Treffen mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und chauffiert sie ein Stück. Nicht alle tragen Relevantes bei, die eine oder andere Szene ist verzichtbar. Der Schnitt gerät mitunter unausgewogen und weckt passagenweise den Eindruck, als hätte sich Jarecki für die Passanten nur beiläufig interessiert. Über einige Personen hätte man gern mehr erfahren. Andererseits erscheint auch die prominente Country-Sängerin Rosanne Cash nur kurz im Bild. Offenbar fielen weitere Szenen der Schere zum Opfer.

Musikalische Beiträge, ebenfalls im Rolls gefilmt, runden den Film ab, der zudem mit einer assoziativen Montage aufwartet. Jarecki erlaubt sich da zuweilen gewagte Vergleiche, so wenn er auf der visuellen Ebene Elvis Presleys erstes New Yorker Konzert mit der Präsentation des Riesengorillas King Kong aus dem Filmklassiker von 1933 gleichsetzt. Provokant, aber durchaus schlüssig.

Solche Collagen machen den Film trotz einiger Längen und Redundanzen sehenswert. Er unterhält – und sagt am Ende tatsächlich etwas aus über den Weg, den die USA in den letzten siebzig Jahren genommen haben.

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