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Tatort: „Zurück ins Licht“ Ihre größte Angst ist Stillstand

Der Bremen-Tatort „Zurück ins Licht“ macht viele Bilder um nichts und um eine Geschichte voller Löcher.

Tatort
Bei der Display-Exegese: Lürsen (Sabine Postel) und BKA-Kollegin Selb (Luise Wolfram). Foto: Radio Bremen

Je weniger jemand zu sagen hat, desto wichtiger muss er tun, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Das gilt nicht nur für Menschen. Nun trifft es aber am Sonntagabend die doch sonst eher zupackend ermittelnden Hauptkommissare Lürsen und Stedefreund, Sabine Postel und Oliver Mommsen, dass sie in einer neuen Bremen-Folge tätig werden müssen, die an fadenscheiniger Bedeutungshuberei kaum zu überbieten ist.

Regisseur Florian Baxmeyer versucht, die klischeeschwere, voller Logiklöcher steckende Geschichte von Christian Jeltsch und Olaf Kraemer mittels typischer Thrillerfilm-Grusel-und-Finsternis-Tricks aufzuhübschen. Das hilft nichts. Die Albernheiten der Story blitzen trotz künstlicher Aufgeregtheiten durch.

Hastige Schnitte und Gleich-passiert-was-Musik

Eine Frau, Nadeshda Brennicke, flüstert beschwörend „zurück ins Licht, zurück ins Licht“. Ist sie als Geisel eingesperrt? Aber nein, wenn wir sie wiedersehen, soll sie ein Vorstellungsgespräch haben. Oder tut sie so, als habe sie ein Vorstellungsgepräch. Oder probt für ein Vorstellungsgespräch. Indessen ist ein Auto mit blutigem Rücksitz gefunden worden, darin ein abgeschnittener Finger.

Indessen übt Stedefreund in seinem Wagen eine kleine Ansprache an BKA-Linda, Luise Wolfram. Wir erinnern uns: Linda Selb ist die aparte, blitzgescheite Computerspezialistin, die kaum in Bremen auftauchte, da hatte Stedefreund schon was mit ihr. Diesmal wird er immer noch etwas mit ihr haben, dazu aber auch mit der verdächtigen Nadeshda Brennicke, Maria Voss.

Der Mann, dem der Finger gehört, ist im Februar verschwunden, jetzt haben wir acht Monate später. Seine Frau scheint nicht (nicht mehr?) zu trauern und tröstet sich mit dem besten Freund. Der beste Freund ist mit „Zurück ins Licht“-Maria verheiratet. Die hat bei diversen Pharmafirmen gearbeitet und viel Geld verdient, einen schweren Unfall gehabt, sich mit purer Willenskraft „zurück ins Licht“ gekämpft. Aber irgendwas stimmt mit ihr ganz sicher nicht. Und wenn sich Krimifiguren vor jemandem hüten müssen, dann vor verführerisch auftretenden Frauen mit unglaublicher Willenskraft.

Der Film spezialisiert sich aufs Andeuten und Raunen. Dazu gehören unbedingt hastige Bildschnitte, auf dass man nur ja nichts Genaues sieht. Jedenfalls nicht sieht, wie die losen Enden nie wirklich zusammenpassen. Dazu kommt immer wieder eine – eigens komponierte – Gleich-passiert-was-Musik. Dazu kommen Dialoge, in denen „ist das so?“ und „ich hab echt ne Menge gelernt“, und „meine größte Angst ist Stillstand“ gesagt wird. Und: „Wer bist du?“. Und: „Ich bin viele“.

Psychopathen-Geschichten lassen den Zuschauer idealerweise eine ganze Weile zweifeln, ob sie Psychopathen-Geschichten sind. Dieser Tatort aber trägt sofort so dick auf, dass der Rest Langeweile ist.

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