Lade Inhalte...

Tatort „Treibjagd“, ARD Er hat sich nichts gedacht

Der neue Hamburg-Tatort erzählt von Bürgern auf Einbrecherjagd.

Tatort: Treibjagd
Ein Hin und Her im Wald, hier Julia Grosz. Foto: NDR/Christine Schroeder

Da haben sich die Chefs was Tolles ausgedacht – und die kleinen Angestellten müssen es wieder ausbaden: eine „Super-Soko“ zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität im Hamburger Stadtteil Neugraben. Im Tatort „Treibjagd“ ist dieser Stadtteil offenbar am übelsten betroffen, der Erfolg der „Super-Soko“ aber minimal, so dass die Medien spotten und Anwohner weiterhin zur Selbsthilfe bzw. Bürger- bzw. Notwehr greifen. Wobei an der angeblichen Notwehr, ein junger Einbrecher wird erschossen, durchaus etwas verdächtig ist. Und gewisse Hamburger Bürger besonders in den sogenannten sozialen Medien immer rabiater werden. Schon stellen sie die Privatanschrift von Thorsten Falke, Wotan Wilke Möhring, und Julia Grosz, Franziska Weisz, ins Internet. Schon sagt Falke, so ist er eben, trotzig: Sollen sie nur kommen! (Das sagt er aber naturgemäß nicht mehr, als sein Sohn betroffen ist.) 

In ziemlich unscheinbare Einfamilienhäuser wird also reihenweise eingebrochen – was ein wenig wundert, denn würde man als Dieb nicht Hamburger Villen bevorzugen? Egal. Es wird also auch bei Dieter Kranzbühler, Jörg Pose, eingebrochen, der aber hat eine Waffe und benutzt sie auch. Sein Bruder muss dann aber die Polizei rufen, denn Dieter ist völlig verstört. Falke geht ihn trotzdem scharf an, macht sich damit auf Anhieb auch unter den Beobachtern unbeliebt. Diese applaudieren dem „Helden“, der sich ihrer Meinung nach zu Recht gewehrt hat. Kollegin Grosz blickt in diesem Moment am besten durch: „Das fliegt uns noch um die Ohren“, prophezeit sie. 

Überhaupt lassen Benjamin Hessler und Florian Oeller, Buch, sowie Samira Radsi, Regie, den robust-ruppigen Falke (allerdings nicht so fies ruppig wie Kollege Faber in Dortmund) diesmal doch die etwas unpassenden Befragungstechniken haben (der bedrängte Schütze bekommt einen Herzanfall), außerdem etwas penetrant die falschen Entscheidungen treffen. Diese führen unter anderem dazu, dass Kommissarin Grosz sowie eine Hundestaffel in einem Waldstück sinnlos hin und her stapfen. 

Es geht aber in „Treibjagd“ um das sehr weite Feld der Beziehungen zwischen Polizei und Bürger. Letzterer fühlt sich nicht gut genug geschützt und kommt mit dem Vorwurf: Wenn ihr nichts bewirkt (zu wenig Zeit für das wirklich Wichtige, sprich: für mich; zu schlecht ausgestattet; zu wurschtig), dann kümmere ich mich halt selber. Und wehe, ihr respektiert mich dann nicht als Opfer. 

Die Polizei wiederum hat naturgemäß keine Lust auf Leute, die sich im Internet gegenseitig anstacheln und einmischen bis zur Selbstjustiz. Die dann sogar angesichts eines Toten so gar keine Bedenken und kein Innehalten vorsehen. „Schütteln Sie ihm die Hand von mir“, sagt die Frau an der Tankstelle in Bezug auf Dieter fröhlich zu den Kommissaren, „er kriegt ’nen Tankgutschein.“ Hundert Euro dafür, dass er nach Meinung der Frau endlich „was getan“ hat. 
Jörg Pose allerdings zeigt eindrucksvoll einen Mann, der vom „ich hab mir nichts gedacht“ über das „was machen wir denn jetzt?“ schnell bei einer sich körperlich abzeichnenden Verzweiflung landet. Man weiß nicht, ob er tatsächlich bereut, sicherlich aber hat er unterschätzt, was es mit einem macht, wenn man einen Menschen tötet. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen