Lade Inhalte...

„Zorn: Wie sie töten“, ARD Schatten des Todes

Der vierte „Zorn“-Krimi ist ein Film voller Überraschungen; einige sind witzig, andere sind tödlich.

14.04.2016 10:32
Von Tilmann P. Gangloff
Staatsanwältin Frieda Borck (Alice Dwyer) wartet am ersten Tatort auf Hauptkommissar Zorn. Foto: MDR/filmkombinat nordost/Steffen Junghans

Die Szene wirkt völlig harmlos: eine unterirdische Bahnstation, ein Mann, der auf den nächsten Zug wartet, eine Frau, die den Bahnsteig entlang schlendert. Einzig die Zwischenschnitte auf die mit großem Getöse einfahrende S-Bahn verheißen nichts Gutes, und tatsächlich stößt die Frau den Mann schließlich vor den Zug.

Der Auftakt zum vierten Film über den arbeitsscheuen Hauptkommissar Claudius Zorn (Stephan Luca) aus Halle an der Saale ist bezeichnend für diesen Krimi. Auch Zorns Gegenspielerin macht auf den ersten Blick einen freundlichen Eindruck, doch in Wirklichkeit ist Altenpflegerin Berit (Susanna Simon) ein Engel des Todes: Sie hat bereits eine ganze Reihe ihrer Schutzbefohlenen auf dem Gewissen. Als der etwas beschränkte Pfleger Melvin (Pit Bukowski), der sie bei ihrem tödlichen Treiben beobachtet hat, vom Mitwisser zum Mittäter werden will, kommt ihr die unerwartete Verstärkung gerade recht: Auch die Mutter von Zorns Kollege Schröder (Axel Ranisch) lebt in dem Seniorenheim. Weil Schröder halb aus Neugier, halb aus Sorge um seine Mutter angesichts eines erneuten unerwarteten Todesfalls beginnt, unangenehme Fragen zu stellen, setzt die mörderische Pflegerin ihren jungen Kollegen auf ihn an; und das ist nur der Beginn einer Eskalation, in der nacheinander auch Zorns schwangere Freundin Malina (Katharina Nesytowa) sowie er selbst in akute Lebensgefahr geraten.

Erneut hat Stephan Ludwig, der Autor der gleichnamigen Romanreihe, seine entsprechende Vorlage selbst adaptiert. Das Drehbuch ist eine ausgesprochen gelungene Kombination aus Spannung und Entspannung, auch wenn sich der Krimi in der zweiten Hälfte mehr und mehr zum Thriller wandelt. Ausgerechnet zum Finale, das mit einem Knalleffekt beginnt und sich dann eigentlich nochmals steigern sollte, geht dem Film allerdings ein bisschen die Luft aus: Obwohl Zorn dem Tode geweiht ist, hält sich der Nervenkitzel in Grenzen.

Bis dahin jedoch ist „Wie sie töten“ so sehenswert, dass sich daran unterm Strich trotzdem nichts ändert, zumal Ludwig mit einem schlichten Kniff viel Bewegung ins Personal bringt: Schröder hat gekündigt, um mehr Zeit für seine Mutter zu haben, und ein kleines Gourmetlokal eröffnet, in dem er allerdings nur für Zorn zu kochen scheint. Sein Nachfolger (Gregor Weber, Ex-Partner von Maximilian Brückner im „Tatort“ aus Saarbrücken) ist ein Typ mit gewagtem Oberlippenbart, der Zorn nicht nur mit seinem Musikgeschmack gewaltig auf die Nerven geht. Die entsprechenden Kindergartenszenen sind allerdings derart dick aufgetragen, dass sie prompt einen Fremdkörper bilden. Viel schöner sind die Momente mit dem sanften Schröder, dessen beleibte Freundlichkeit gewissermaßen das positive Gegenstück zur kaltblütigen Schwester Berit ist: Hinter Schröders unscheinbarer Fassade verbirgt sich ein messerscharfer Verstand. Während der notorisch schlecht gelaunte Zorn nicht mehr ganz so verlottert sein muss wie zu Beginn der Reihe, als noch Misel Maticevic die Rolle gespielt hat, aber immer noch asoziale Züge trägt, durfte Axel Ranisch seine Figur weiterentwickeln. Im Gegensatz zu den Romanen war Schröder anfangs bloß der lustige Dicke. Mittlerweile darf er auch in den Filmen ein ungleich besserer Polizist als der Kollege, weshalb Ludwig die Geschichte mit einem kleinen Knüller beendet; und der besteht nicht allein darin, dass Schröder wieder zum Dienst erscheint.

Der Autor sorgt ohnehin immer wieder für kleine und große Überraschungen; einige sind amüsant, andere tödlich. Bis auf den Schluss hat Jochen Alexander Freydank, 2008 für „Spielzeugland“ mit dem Kurzfilm-„Oscar“ und 2013 für seine schwarze Sat.1-Komödie „Und weg bist du“ mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet, den Film auch gut im Griff; der  misslungene Mordversuch Melvins an Schröder zum Beispiel ist ein sehr hübsch choreografierter Pas de deux, und einigen Bildern ist anzusehen, wie sorgfältig der Regisseur und sein Kameramann Philipp Timme die Einstellungen komponiert haben; beim ersten sichtbaren Mord Berits an einem der alten Menschen fällt buchstäblich der Schatten des Todes über den Mann. Der Grund dafür, warum am Ende auch Zorn dran glauben soll, ist allerdings etwas weithergeholt; kein Wunder, dass die Szene, in der Schröder doch noch zum Gefangenen von Melvin wird, ungleich spannender ist.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum