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„WaPo Bodensee“, ARD Hemmungslose Urlaubsstimmung

Es gibt wieder Krimis aus Konstanz - aber die neue ARD-Vorabendserie „WaPo Bodensee“ ist genauso betulich wie der „Tatort“.

17.01.2017 06:44
Tilmann P. Gangloff
Im Mittelpunkt der Geschichten steht Kommissarin Nele Fehrenbach (Floriane Daniel, l.), die die Leitung der Wasserschutzpolizei zu übernehmen. Sehr zum Ärger ihres Kollegen Andreas Rambach (Ole Puppe, r.). Foto: ARD/SWR/Patrick Pfeiffer

Als der SWR vor einiger Zeit ankündigte, den „Tatort“ aus Konstanz einzustellen, war die Trauer in der Region groß; nicht unbedingt wegen der Krimis mit Eva Mattes, die allzu oft recht betulich waren, sondern weil es immer schön ist, wenn das eigene Lebensumfeld derart berückend schön in Szene gesetzt wird, wie das beim Bodensee-„Tatort“ regelmäßig der Fall war. Immerhin hat der SWR beizeiten vorgesorgt: Nur wenige Wochen nach dem Abschied von Klara Blum und Sebastian Bezzel geht ein neues Ermittlerteam aus Konstanz an den Start. Die ARD-Vorabendserie „WaPo Bodensee“ kommt allerdings mindestens genauso brav und bieder daher wie der „Tatort“. Gäbe es nicht die ungleich fesselndere und handwerklich deutlich ambitionierte ZDF-Filmreihe „Die Toten vom Bodensee“, würden TV-Zuschauer außerhalb der Region zwangsläufig den Eindruck bekommen, Krimis aus dem Südwesten müssten so sein.

Für diese Form des Fernsehens steht nicht zuletzt Hauptdarstellerin Floriane Daniel, die zu Beginn ihrer Karriere vor zwei Jahrzehnten in anspruchsvollen Filmen wie „Winterschläfer“ (1997) mitgewirkt hat, seit einigen Jahren aber vorwiegend auf Figuren mütterlicher Matronenhaftigkeit festgelegt ist. Gerade das wiederum hat sie womöglich für die Rolle der Nele Fehrenbach prädestiniert: Die neue Leiterin der Wasserschutzpolizei Konstanz ist alleinerziehende Mutter mit einem freundlichem Wesen, die stets versucht, Konflikte gütlich und mit sanfter Stimme zu lösen. Damit dieses Naturell besonders deutlich wird, ist ihr Kollege Rambach (Ole Puppe) so ungefähr das Gegenteil. Außerdem ist er sauer auf Nele, weil sie ihm den Job weggeschnappt hat. Obwohl sie einst am Bodensee aufgewachsen ist und nun nach vielen Jahren in Hamburg und einer offenbar unschönen Scheidung zurückgekehrt ist, wird sie nicht nur von Rambach wie eine Zugereiste behandelt. Nicht minder konfliktreich ist das Zusammenleben mit ihrer Mutter (Diana Körner), in deren geräumige Villa sie mitsamt ihren Kindern gezogen ist.

Mitunter kommt sogar Spannung auf

Gute Voraussetzungen also für eine Familienserie, zumal sich gerade Neles 14jähriger Sohn mit dem Umzug sehr schwer tut und zudem von seinen Mitschülern gemobbt wird; aber „WaPo Bodensee“ soll ja eigentlich eine Krimiserie sein. Dramaturgisch stehen die Ermittlungen tatsächlich im Vordergrund, aber angesichts von Hunderten Filmen und Serienfolgen pro Jahr fällt es Autoren zunehmend schwer, originelle Geschichten zu erzählen. Immerhin gibt es einige Fälle, die sich den Handlungsort zunutze machen, wenn beispielsweise ein Schiffer beim Versuch, im Auftrag eines örtlichen Hoteliers Schwarzgeld aus der Schweiz zurück nach Deutschland zu schmuggeln, bei einer Explosion stirbt. Mitunter kommt sogar ein wenig Spannung auf, etwa gleich zu Beginn der ersten Folge, als eine Segelyacht unbemannt auf den Strand zusteuert und das Boot eines Anglers zertrümmert. Ansonsten jedoch legt die Umsetzung den Verdacht nahe, Nervenkitzel sei verpönt gewesen. Regie führte neben Raoul W. Heimrich auch Patrick Winczewski. Der hat beim „Tatort“ aus Ludwigshafen mit den Folgen „Blackout“ und  „Die Sonne stirbt wie ein Tier“ bewiesen, dass er sein Handwerk versteht, aber seine Bodensee-Episoden haben mit Ausnahme von „Im Netz der Lügen“ viel zum braven Image der Krimis aus Konstanz beigetragen.

Umso wichtiger wäre es gewesen, andere „Einschaltimpulse“ zu setzen, wie das in der Fernsehsprache heißt; also zum Beispiel Schauspieler zu engagieren, die eine gewisse Zugkraft haben. Die mit Ausnahme von Floriane Daniel, Ole Puppe und Diana Körner weitgehend unbekannten Ensemblemitglieder machen ihre Sache zwar ordentlich, aber es ist auch niemand dabei, der sich für höhere Aufgaben aufdrängt (zum WaPo-Quartett gehören noch Wendy Güntensperger und Simon Werdelis), zumal der junge Noah Calvin (als Neles Sohn) Schwierigkeiten hat, seine Dialoge natürlich klingen zu lassen. Da hilft es auch nicht viel, dass die vier Polizeidarsteller aus Gründen der größeren Glaubwürdigkeit allesamt das Bodenseeschifferpatent erworben haben.

Immerhin liefert sich die WaPo-Chefin regelmäßig einen amüsanten Schlagabtausch mit ihrem Schweizer Pendant (Martin Rapold). Das haben sich die Autoren womöglich vom „Tatort“ abgeschaut; Klara Blum hatte ebenfalls von Zeit zu Zeit ein romantisches Geplänkel mit ihren beiden Kollegen aus dem Thurgau. Und noch eine Parallele gibt es: Die Sonntagskrimis waren oft fad, aber Landschaft und See sind regelmäßig prächtig in Szene gesetzt worden. Das ist bei „WaPo Bodensee“ nicht anders: Schon der Vorspann verbreitet hemmungslose Urlaubsstimmung, und auch die einzelnen Folgen bieten immer wieder wunderbare Kalenderaufnahmen von satten Sonnenuntergängen. 

Zur Sendung
Krimiserie: „WaPo Bodensee“
Sendetermin TV: Dienstag, 17.1., ARD, 18.50 Uhr.

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