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TV-Kritik: „Wilsberg: Das Geld der Anderen“ Vom Räuber, der in Ohnmacht fiel

Der neue Wilsberg ist zwar nicht herausragend, dafür aber sehenswert: In seinem neuen Fall steht der Privatdetektiv spielende Buchhändler aus Münster wieder mal unter Mordverdacht.

22.03.2014 08:22
Tilmann P. Gangloff
Wilsberg (Leonard Lansink, re.) und Ekki (Oliver Korittke). Foto: ZDF/Thomas Kost

Mitunter besteht der Reiz eines Krimis gar nicht so sehr in der Überführung des Täters, sondern in einer Auflösung ganz anderen Art. Und zwar deshalb, weil sich die Handlung über weite Strecken auf zwei Ebenen abspielt und man bis zum Schluss rätselt, wie es dem Drehbuch wohl gelingen mag, dass sich die beiden Parallelen schließlich doch noch vereinigen.

Ähnlich wie bei der Mördersuche ist es schließlich auch ein Qualitätsmerkmal, ob man dem Autor schon früh auf die Schliche kommt. Andererseits macht es natürlich auch Spaß, wenn sich die eigenen Vermutungen bestätigen.

Wilsberg als Mörder?

In den „Wilsberg“-Krimis aus Münster sorgt die Paralleldramaturgie diesmal zudem dafür, dass nicht nur der Titelheld (Leonard Lansink), sondern auch sein Kumpel Ekki Talkötter (Oliver Korittke) zum Protagonisten einer eigenen Erzählebene wird: Während Wilsberg ein jugendliches Diebesduo sucht, das ihn um 10.000 Euro erleichtert hat, prüft der Finanzbeamte eine Baufirma mit mutmaßlich doppelter Buchführung.

Weil er dem Chef (Bernhard Stegemann) und seinem Buchhalter (Thomas Arnold) zu nah auf die Pelle rückt, fädeln die beiden ein Komplott ein und lassen es so aussehen, als hätte ein anderes Unternehmen Ekki bestochen, um einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.

Wilsberg hat derweil ganz andere Sorgen: Erst wird einer der beiden Räuber umgebracht, weshalb der übereifrige Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky) ihn prompt für den Mörder hält, dann stolpert er in der Nachbarwohnung der Diebe über einen gewaltsam zu Tode gekommenen Rentner.

Wie es Autor Jürgen Kehrer gelingt, die verschiedenen Handlungsstränge schließlich glaubwürdig zu einer einheitlichen Geschichte zu verknüpfen, ist durchaus beeindruckend. Die Inszenierung (Dominic Müller) ist dagegen eher unauffällig. Die Spannung resultiert wie so oft bei „Wilsberg“ aus jenen Szenen, in denen der antiquarische Privatdetektiv verbotenerweise irgendwo eingedrungen ist und beinahe erwischt wird.

Aber es macht wie immer großen Spaß, den Schauspielern zuzuschauen, und das gilt keineswegs bloß für das Stammensemble (neben den Genannten noch Ina Paule Klink als juristischer Beistand und Rita Russek als Kommissarin). Auch die Gastdarsteller sind sehenswert, allen voran Vladimir Burlakov als jugendlicher Räuber mit der fatalen Neigung, in brenzligen Situationen in Ohnmacht zu fallen.

Auch Bielefeld ist wieder dabei

Sehr hübsch ist auch die Episode mit einer sympathischen Altenpflegerin (Stefanie Höner), deren Charme Wilsberg umgehend erliegt; leider ist die Romanze nur von kurzer Dauer. Dafür hat Kehrer eine neue Lösung für den obligaten Insider-Gag „Bielefeld“ gefunden, denn diesmal gilt die Anspielung nicht der Stadt: Es gibt einen rabiaten Nachbarn (Ronald Kukulies) gleichen Namens, und ausgerechnet der gleichfalls nicht zimperliche Overbeck gibt dem Typ unmissverständlich zu verstehen, was er von ihm hält.

Unterm Strich: kein herausragender „Wilsberg“, aber sehenswert allemal.

„Wilsberg: Das Geld der Anderen“, ZDF, Samstag, 20.15 Uhr.

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