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TV-Kritik: Tatort "Wahre Liebe" (ARD) Grundsätzlich grummelnd

Der neue Kölner Tatort ist ein wenig zäh. Die Scherze bewegen sich auf mäßigem Niveau, und die Kommissare werden in ihrer Dickfelligkeit immer unsympathischer - und das, obwohl es doch um „Wahre Liebe“ geht.

Trifft häufiger ins Schwarze als die Herren Kommissare: Kriminalassistentin Gabi (Kathi Angerer). Foto: WDR/Thomas Kost

„Die Frau macht mir Angst“, sagt Freddy Schenk – und meint damit seine nur halb so breite, aber treffsichere neue Assistentin. Lediglich als „Gabi“ taucht sie auf, macht sofort einen äußerst konstruktiven Vorschlag, die Herren Kommissare behandeln sie aber wie einen Wischmopp.

Kathi Angerer ist als Gabi einerseits leicht zu verunsichern, kämpft sich andererseits tatkräftig selbst aus misslicher Lage, nachdem Kollegen (inklusive Suchhunde) blöde vorbeigelaufen sind. „Wir haben uns wirklich große Sorgen gemacht um Sie“, sagt Max Ballauf. Der Zuschauer weiß, dass das glatt gelogen ist: Keinen Deut haben sie sich gekümmert.

Schon wieder also eine neue Assistentin in Köln: Soll es vielleicht ein Running Gag werden, dass Folge um Folge das Hilfspersonal wechselt? Trotzdem seltsam, dass das Wort „Franziska“ beharrlich nicht fällt, auch nicht diesmal im Drehbuch Maxim Leos, unter der Regie André Erkaus. Man hätte im Übrigen nichts dagegen, Frau Angerer jetzt mal behalten zu dürfen. Und wenn ihre aparte, leicht seltsame Figur zudem einen Nachnamen bekäme, wäre das auch fein.

Die Ehe war „normal“

Um „Wahre Liebe“ geht es laut Titel. Erwartungsgemäß gibt es dann gleich eine Tote – aus Eifersucht vielleicht? Ausgerechnet die Chefin einer Internet-Partnervermittlung, die, alle Achtung, ihren zwanzigmillionsten Kunden feiern kann, wird in ihrem Büro erschlagen. Das Foyer war voller Leute. Der Ehemann war angeblich in China, es fällt der bewährte Fernsehkrimi-Satz „unsere Ehe war ganz normal“. Indessen haben die Kommissare Gelegenheit zu fragen, ob die Agentur ein „Rückgaberecht“ einräume. Auf diesem mäßig originellen Niveau bewegen sich die Scherze.

Überhaupt ist dieser Köln-Tatort ein wenig, nun ja, zäh. Es gibt einen geheimnisvollen „Zauberer“, der via „Lovecast“ (so nennt sich die Agentur) Frauen kennenlernt und sie um beträchtliche Geldbeträge bringt. (Da eben tritt Assistentin Gabi als Lockvogel in Aktion.) Es gibt den auch nicht gerade unverdächtigen Ehemann. Dazu einen Geschäftsführer, der ebenfalls nicht traurig scheint, dass „unsere Liebespäpstin“ nicht mehr ist. Und die Moral von der Geschicht’ lautet, dass die raffiniertesten Algorithmen nicht verhindern können, dass sich die Liebe wild und unerwartet aussät.

Die Kölner Kommissare werden einem derweil immer unsympathischer in ihrer Dickfelligkeit. Ballauf, Klaus J. Behrendt, behandelt die reizende Kollegin Rosenberg, Juliane Köhler, schnöde. Und grummelt grundsätzlich gerne. Auch Freddy Schenk grummelt inzwischen grundsätzlich gerne. Schlecht gelaunt in den Ruhestand? Bahnt sich da womöglich was an?

Tatort: „Wahre Liebe“, ARD, Sonntag, 28. September, 20.15 Uhr.

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