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TV-Kritik Tatort „Ohnmacht“ Das Böse ist böse

Ein düsterer, mehr atmosphärisch als inhaltlich glaubwürdiger Tatort aus Köln: Max Ballauf agiert naiv wie ein wütender junger Anfänger, Freddy Schenk ist dagegen die Ruhe selbst. Über den Tod Franziskas wird zum Ärgernis des Zuschauers erneut hinweggesehen.

11.05.2014 09:54
Das altbekannte Duo: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Foto: dpa

Die erste, also die zweite Szene – zu allererst waren mal die Currywürste aus – ist ein Albtraum, und so inszeniert Regisseur Thomas Jauch ihn auch. In der Unwirklichkeit einer neuen Kölner U-Bahn-Station und einer für alle schockierenden Situation wird Kommissar Ballauf Zeuge und Mitopfer einer Gewalttat, die man lieber unglaubwürdiger fände. Jugendliche schlagen einen Jungen furchtbar zusammen, die Passanten drücken sich an den Bildrand – das ist nur zu glauben, weil es offenbar oft so ist –, auch Max Ballauf bekommt auf die Nase und wird aufs Gleis gestoßen.

Wirklich unglaubwürdig ist aber nur, dass der eigentlich in Würde alternde Kölner Ermittler sich in der nächsten halben, dreiviertel Stunde verhält wie ein wütender junger Anfänger. Legion und ein Ärgernis ist die Zahl der Krimis, in denen betroffene Kommissare weiterermitteln (gerade letzte Woche in München), aber so naiv wie hier gestaltet sich das selten. Die Betroffenheit dem Zuschauer zu überlassen – und keine Sorge, er wird betroffen sein –, ist seit jeher keine Kölner Spezialität. Immerhin leuchten auf diese Weise die Vorschriften ein, über die sich Ballauf so furchtbar ärgert. Denn warum wohl darf er wohl nicht den scheußlichen Knaben würgen, der womöglich zu den Tätern gehörte?

Noch einmal der Profi

Auch hat Staatsanwalt von Prinz durch das Ballaufische Fehlverhalten ein paar ganz großartige Auftritte als der Chef, der Max zeigt, wie ein Profi das macht. Das ist Christian Tasche, der im vergangenen November starb, in seiner letzten Tatort-Rolle. Wie schön, dass sie so schön ist.

„Ohnmacht“, geschrieben von Andreas Knaup, führt in die Gefilde, in denen das Böse einfach böse ist. Düstere Schnörkellosigkeit scheint die Organisatoren des Kölner WDR-Tatorts mit Klaus Berendt und Dietmar Bär (als Freddy Schenk, die Ruhe selbst) zunehmend zu interessieren. Das hat etwas Schematisches, aber glasklar ist es nicht und auch dadurch spannend und bedrängend. Eine Miniclique von gutsituierten Jugendlichen mit makellosem Teint zieht los, um Schlimmes zu tun. Im Zentrum ein Monster mit Engelsgesicht (Nadine Kösters) und aus anstrengenden Familienverhältnissen – dass die Konstellation Sibylle Lewitscharoffs Tirade wider die künstliche Befruchtung grotesk unterstützt, haben „Ohnmacht“ und die Büchnerpreisträgerin nicht besser verdient, zumal sie den Tatort bekanntlich nicht mag. Corinna Kirchhoff ist eine imposante, fast schon zu bühnenreife Monstermutter und Felix von Manteuffel der Vater in archaischer Lage. Atmosphärisch ist das dichter als logisch. Der Druck aber, der entsteht, weil mit dem Bösen nicht fertig zu werden ist, ist keine Behauptung, sondern greifbar.

Wie der Tatort über den Tod von Franziska, die Zuschauer haben sie doch nicht vergessen, erneut hinweggeht, ist umso irrsinniger, als wieder eine topfitte, total nervende Assistentin (Lucie Heinze, Hässlich ihr pikanter Rollenname) ausprobiert wird.

„Tatort: Ohnmacht“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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